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Alternativer Nobelpreis für Marthe Wandou – Mutige Friedensarbeit in Kamerun

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Die Kamerunerin Marthe Wandou erhält den Livelihood Award, den sogenannten Alternativen Nobelpreis für ihre Menschenrechts- und Kinderschutzarbeit.
Gemeinsam mit ihrer Organisation ALDEPA arbeitet sie mit Opfern des Terrors der Gruppe Boko Haram im Norden Kameruns.

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Vor allem junge Frauen und Mädchen leiden unter den Terrorangriffen der Boko Haram

Die kamerunische Menschenrechtsaktivistin Marthe Wandou arbeitet im Hohen Norden Kameruns. In der Grenzregion zu Tschad und Nigeria verbreitet die islamistische Terrororganisation Boko Haram seit vielen Jahren Angst und Schrecken. Alle leiden hier unter den Terrorangriffen, erklärt die 58-jährige Juristin.

Mitarbeiterin des Vereins ALDEPA sitzt im Norden Kameruns mit Menschen unter einem Baum (Foto: Pressestelle, ALDEPA)
Mitarbeiterin des Vereins ALDEPA sitzt im Norden Kameruns mit Menschen unter einem Baum Pressestelle ALDEPA

Viele seien traumatisiert, vor allem junge Frauen und Mädchen: Weil sie Opfer sexualisierter Gewalt sind und häufig zwangsverheiratet werden. Sie werden verschleppt. Wenn sie zurückkommen, sind sie nicht selten schwanger. Dann werden sie von ihrer Dorfgemeinschaft verstoßen und müssen allein durchkommen mit ihrem Kind. Und das ohne Einkommen. Das ist eine ziemlich schwierige Situation.

Wandou leistet Hilfe zur Selbsthilfe

Dörfer werden überfallen, ihre Bewohner getötet und ausgeplündert. Die Menschen leben in ständiger Furcht vor neuen Angriffen, erklärt Marthe Wandou.

Sie leistet Hilfe zur Selbsthilfe: „Im Rahmen unserer Projekte werden Frauen und Mädchen psychologisch und sozial betreut, damit sie ihre Traumata verarbeiten und wieder zu Kräften kommen können. Wir erleichtern ihnen den Einstieg ins normale Leben durch eine Ausbildung. Sie gewinnen wieder Selbstvertrauen und Selbstachtung und können ihre Kinder versorgen“ so Wandou.

Marthe Wandou ist eine international anerkannte Menschenrechtsexpertin und gilt in Kamerun als Autorität

400.000 Menschen wurden aus ihren Dörfern vertrieben, davon sind drei Viertel Binnenflüchtlinge. Land, Nahrung und Wasser sind im Norden knapp und die Menschen arm. Auch im Vertriebenencamp in Zamay haben Marthe Wandou und ihre Organisation ALDEPA eine Schule gebaut und unterstützen die Flüchtlinge – Gemeinsam mit Caritas International.

Ein großer Erfolg: Kinder muslimischer und christlicher Familien gehen gemeinsam zur Schule, Sie werden Friedensbotschafter – in einer Region, in der seit Jahren Krieg und Terror herrscht.

Marthe Wandou wird international als kamerunische Menschenrechtsexpertin gehört und ist in ihrem Land eine Autorität. Für sie ist der Right Livelihood Award Ermutigung und Bestätigung zugleich: „Meine erste Reaktion war total emotional. Ich habe mich so gefreut und bin stolz darauf, was ich und meine Organisation geleistet haben.“

Marthe Wandou arbeitet auch eng mit drei Organisationen in Deutschland zusammen, zwei davon haben ihren Sitz im Südwesten: Caritas international in Freiburg und „Kinderrechte Afrika“ in Lahr.

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