Gespräch

Alexander Graf Lambsdorff (FDP): Maas, AKK und Seehofer haben in Afghanistan zu spät reagiert

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Dass der Abzug aus Afghanistan nicht gut laufe, sei nicht die Schuld der Fraktionen im Bundestag, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP, Alexander Graf Lambsdorff in SWR2 mit Blick auf die anstehende Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel am 25. August 2021 zum Ende des Einsatzes.

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Warum nicht früher reagiert wurde

Lambsdorff nimmt damit Bezug auf einen Antrag der Grünen, der am 23. Juni 2021 im Bundestag bei Enthaltung der FDP angelehnt wurde. Der Antrag hatte ein „Gruppenverfahren für die großzügige Aufnahme afghanischer Ortskräfte“ gefordert. Man habe, so Lambsdorff, sich damals enthalten, weil man einen eigenen Antrag zum gleichen Thema eingebracht habe, den man für geeigneter gehalten habe.

Das Versäumnis liege also vielmehr bei Außenminister Heiko Maas, Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und Innenminister Horst Seehofer, sagt der FDP-Politiker. „Wir haben seit langem eine Exit-Strategie von der Bundesregierung gefordert“, sagt Lambsdorff.

„Unrealistische Ziele“

Man könne es nicht anders sagen, das Ganze sei eine Niederlage des Westens, ist sein Fazit. „Wir müssen aber auch über 9/11 sprechen, wenn wir über Afghanistan sprechen“, gibt der Politiker zu bedenken — zumindest sei es mit dem Einsatz in der Anfangsphase gelungen, die Gefahr neuer terroristischer Anschläge auszuschalten, die von Afghanistan ausgegangen sei.

Man habe sich allerdings teilweise „unrealistische Ziele“ gesetzt, mit dem Versuch Afghanistan in eine „moderne, stabile, selbsttragende Demokratie“ umzuwandeln. Dieses Versäumnis in der politischen Kommunikation müsse in den Wochen und Monaten nach der Bundestagswahl aufgearbeitet werden.

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