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Oft werde in den Zeiten der Krise, gerade von Politiker*innen, der „Zusammenhalt“ der Gemeinschaft beschworen, so die Konstanzer Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann in SWR2. Dabei sei dieser Begriff moralischer Natur und beziehe sich von vornherein auf Probleme, die man gemeinsam bewältigen müsse.

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Zusammenhalt und Gemeinsinn unterscheiden sich

Sinnvoller sei in dieser Hinsicht der „Gemeinsinn“, weil er die Grundausrichtung der Einzelnen zur Gemeinschaft ausdrücke. In allen Kulturen werde die grundsätzliche Ausrichtung der Einzelnen auf das Gemeinwesen mit der Formel umschrieben, anderen nichts zuzufügen, was auch für einen selbst Leid bedeuten könne.

Allerdings dürfe der Begriff des Gemeinsinns niemals wieder mit dem Sinn verknüpft werden, den er im Nationalsozialismus gehabt habe, dass der*die Einzelne sinngemäß nichts, das Volk dagegen alles sei, so Assmann.

Es geht nur gemeinsam

Gerade in der Krise zeige sich die Bedeutung von Gemeinsinn, beispielsweise mit Blick auf die Benutzung von Atemschutzmasken. Keiner könne hier etwas bewirken, ohne sich nicht zugleich auf das Mitwirken der anderen verlassen zu müssen.

Die Wissenschaftlerin wird am 16.11.2020 im Rahmen der Gesprächsreihe „Montags an der ADK“ abends an der Akademie der Darstellenden Künste Baden-Württemberg zu diesem Thema sprechen: „Gemeinsinn. Was ihn bedroht und was wir für ihn tun können“. Teilnehmen können Interessierte über die Videotelefonie-App Zoom.

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