Kirche Notwendige Erneuerung: Deutsche Bischofskonferenz berät „synodalen Weg“

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SWR2

Deutschlands katholische Bischöfe haben bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda ein "volles Programm". Denn ihre Reformvorhaben, intern als "synodaler Weg" bezeichnet, stoßen bei den konservativen Kräften in der Kirche auf Widerstand. Ein Kommentar von Marion Theis.

Nach 40 Jahren in der Sache kaum weiter

Manchmal komme ich mir vor wie Ende der 70er Jahre. Als Halbwüchsige haben wir im Religionsunterricht über den Zölibat diskutiert. Macht es Sinn, dass katholische Priester nicht heiraten dürfen? Wer will sich von so jemandem etwas zu Ehe oder Familie sagen lassen? Und warum können Mädchen eigentlich keine Messdienerinnen sein? Daneben sei das, meinten schon damals die meisten. Und nicht nur die in unserer Klasse.

40 Jahre später sind wir - bis auf die Messdienerinnen - in der Sache kaum weiter. Es wird immer noch geredet. Letzten Freitag zum Beispiel, im Vatikan: Ein „konstruktiver Dialog“ habe stattgefunden, zwischen dem Vorsitzenden der Deutschen katholischen Bischofskonferenz, Marx, und Papst Franziskus. Der Inhalt dieses Dialogs soll in die Beratungen der deutschen Bischofskonferenz diese Woche einfließen.

Immerhin: Die Bischöfe wollen die Reizthemen anpacken

Da geht es um die Erneuerung der katholischen Kirche in Deutschland. Ein Überlebensthema. Denn die Anzahl der Kirchenmitglieder in Deutschland schrumpft fast so schnell wie die der Insekten, und die sind bekanntlich vom Aussterben bedroht. Es wäre also schnelles Handeln angesagt.

Stattdessen bis auf weiteres: Dialog. Immerhin: Die Mehrheit der Deutschen Bischöfe will ernsthaft ran an Reizthemen, die bisher tabu waren: Den Pflicht-Zölibat, die Ehelosigkeit der Priester, geweihte Frauen am Altar oder Homosexuelle. Dazu hat sie einen Reformprozess vorbereitet, der im Dezember beginnen soll, den „Synodalen Weg“, wie er etwas sperrig heißt.

Bischof Marx darf ein Ende des Reformwillens nicht zulassen

Es schien sich, nach dem Missbrauchsskandal, etwas zu bewegen. Doch eine kleine Gruppe Konservativer stellte sich quer: Die Reformer seien auf dem Irrweg, die Kirche laufe Gefahr, sich zu spalten. Reformpapiere wurden daraufhin entschärft, zwischen Deutschland und Vatikan gingen mehr oder weniger freundliche Briefe hin und her. Das torpediert den Reformprozess, der könnte aufgeweicht enden oder komplett im Sand verlaufen.

Das aber darf der Bischofskonferenz-Vorsitzende Marx nicht zulassen. Er muss diesen Reformprozess durchziehen, jetzt oder nie. Jetzt ist die Zeit, Position zu beziehen und Rückgrat zu zeigen. Jetzt hat er die große Mehrheit der deutschen Bischöfe auf seiner Seite. Und - noch - die der treu ausharrenden Kirchenmitglieder. Jetzt kann er sich Zuspruch und Unterstützung aus Australien oder Amazonien holen, wo der Pflicht-Zölibat ebenfalls kritisch gesehen wird. Jetzt kann er die Frauen ermuntern, sich einzumischen.

Ohne Frauen ist die Kirche tot wie eine Wiese ohne Bienen

Die Frauen, im übrigen, stehen bereit. Die weibliche Hälfte der Kirchenmitglieder hätte es in der Hand. Die Streikaktion Maria 2.0 hat einen kleinen Vorgeschmack darauf gegeben, was möglich ist, und was nicht mehr ginge, in einer katholischen Kirche ohne Frauen. Frauen for Future. Entweder mitbestimmen oder raus. Entweder an den Altar oder gar nicht. Ohne Frauen ist die Kirche so tot wie eine Wiese ohne Bienen. Und das gilt nicht nur für die Ehrenamtlichen.

Die Frauenfrage zeigt beispielhaft: Die Erneuerung der katholischen Kirche ist alternativlos, ob in Deutschland oder anderswo, und das hat nichts mit dem Zeitgeist zu tun, wie der Papst zu bedenken gibt. Kardinal Marx muss gegenüber seinen Widersachern standfest bleiben – auch gegenüber Papst Franziskus, von dem man nicht so genau weiß, wo er steht. Mit Rom reden, erklären, wie das ist mit den Insekten und den Bienen, versuchen, zu überzeugen. Und zuhause handeln. Nochmal 40 Jahre warten ist jedenfalls keine Option.

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