Gespräch Historiker Peter Steinbach kritisiert Gedenksäule mit Asche der NS-Opfer in Berlin

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

Der Historiker Peter Steinbach sieht die "Widerstandssäule" der Künstlergruppe „Zentrum für politische Schönheit“ in der Nähe des Berliner Reichstagsgebäudes kritisch. Mit der Gedenksäule, die mit Asche der Opfer des Nationalsozialismus gefüllt sein soll,  wollen die Aktivisten die Politik davor warnen, eine Koalition mit der AfD einzugehen.

Er schwanke zwischen Verständnis und Abneigung, so Steinbach im SWR2-Gespräch. Er verstehe zwar sehr gut, dass ein Zeichen gegen eine mögliche Zusammenarbeit zwischen Union und AfD gesetzt werden soll. Allerdings gehöre es „zu den wesentlichen Grundlagen des jüdischen Glaubens, die Toten ruhen zu lassen.“

Störung der Totenruhe

„Dass man Erdhügel durchgräbt, dass man nach Ascheresten und Knochenresten sucht, ist eine Störung der Totenruhe.“, so Steinbach. Das Zentrum für politische Schönheit gibt an, das Mahnmal – eine 2,5 Meter hohe und vier Tonnen schwere „Widerstandssäule“ – mit menschlichen Überresten aus der Nähe der nationalsozialistischen Vernichtungslager gefüllt zu haben.

Es fehlt der gesellschaftliche Diskussionsprozess

Steinbach weist auch darauf hin, dass zum Beispiel die Entstehung des Berliner Holocaust-Mahnmals von einem jahrelangen gesellschaftlichen Diskussionsprozess begleitet wurde: „Das fehlt bei dieser Säule. Hier wird ein Faktum geschaffen. Es bleibt eine Provokation, und das passt nicht zusammen.“

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