Gespräch mit der Autorin Daniela Dröscher Zeige deine Klasse. Die Geschichte meiner sozialen Herkunft

SWR2 Interview mit Daniela Dröscher

Es gibt eine soziale Grammatik, die uns lebenslänglich prägt, meint Daniela Dröscher. Aus ihr ergibt sich der Blick des Einzelnen auf Politik und Gesellschaft.

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Aus dem Hunsrückdorf in den Literaturbetrieb

Daniela Dröscher, geboren 1971 in einem kleinen Dorf im Hunsrück in einem gutbürgerlichen Elternhaus, möchte mit ihrem Buch diese "Normalität in ihrer Brüchigkeit entziffern". Sie habe sich vorsätzlich die "soziologische Brille" aufgesetzt und versucht den blinden Fleck der Klasse oder der Schicht anzuschauen, sagt Daniela Dröscher im SWR2 Gespräch.

Ihr Buch sei keine Autobiografie, eher ein soziologischer Selbstversuch, der einen zweifachen Milieuwechsel beschreibt: von den Großeltern, die noch Bauern waren, zu den Eltern im Angestelltenmilieu hin zu ihr, die an der Universität und Literaturbetrieb gelandet sei. Welche Werte wurden da fortgeführt, welche nicht.

Die Geschichte von Individuen als Geschichte der Gesellschaft

Wichtig ist Daniela Dröscher der Begriff der Scham. Und am interessantesten sei die Scham über die Scham, also wenn einem bewusst sei, dass und worüber man sich schämt.

Sie habe versucht, sagt Daniele Dröscher, die Geschichte ihrer eigenen Familie zu erzählen, was auch zu schwierigen Situationen geführt habe. Sie habe die Familienmitglieder aber zugleich als Repräsentanten einer bestimmten Zeit und eines bestimmten Milieus zu zeigen versucht.

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