Gespräch Wie Emil Nolde ein "Vorkämpfer gegen jüdische Dominanz" in der Kunst werden wollte

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Als Entlarvung eines Mythos erweist sich die systematische Auswertung des Nachlasses von Emil Nolde. Seit Ende der 20er Jahre habe der expressionistische Maler seine Selbststilisierung zum deutschen Naturgenie mit einem giftigen Antisemitismus verbunden, so der Historiker Bernhard Fulda, der den Nachlass von Nolde untersucht hat. Ergebnisse seiner Untersuchungen ist die Ausstellung "Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus" im Hamburger Bahnhof in Berlin. Noldes Antisemitismus schlage einem in Werken wie dem berühmten "Brecher" von 1936 nicht ins Gesicht, so Fulda. Viele Zeitgenossen seien sogar überzeugt gewesen, Nolde habe den Zugang geschaffen zur "Essenz der deutschen Naturschönheit". Dabei habe sich der Maler Anfang der 30er Jahre in die Rolle eines "Vorkämpfers gegen die jüdische Dominanz in der Kunstszene" schreiben wollen. Dass die Nazis seine Bilder als "entartete Kunst" 1937 verfemt hätten, sei für Nolde ein Schock, letztlich aber nur ein staatlicher Irrtum gewesen.

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