Gesellschaft Rehabilitierung von Nationalsozialisten in der Evangelische Kirche der Pfalz nach 1945

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12:33 Uhr
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SWR2

Die Kirchen in Deutschland haben sich nach dem Krieg für NS-Täter eingesetzt, seelsorgerisch, aber auch mit rechtlicher und politischer Unterstützung. Dabei haben sie die Opfer des Nationalsozialismus aus den Augen verloren, sagt der Historiker Nicholas Williams anlässlich der Tagung „Die Kirche und die Täter - Schuld und Vergebung nach 1945?“ am 28. Und 29. Oktober in Speyer.

Pfälzer Kirchenpräsident Hans Stempel war Teil des Netzwerks „Stille Hilfe“

Auch der protestantische Pfälzer Kirchenpräsident Hans Stempel war Teil des umstrittenen Netzwerks der „Stillen Hilfe“. Diese Hilfe für NS-Täter und der Versuch, sie zu rehabilitieren, entsprach auch dem Wunsch eines Großteils der bundesrepublikanischen Gesellschaft zu dieser Zeit, so Williams.

Hans Stempel,  Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz (1946 - 1965), Gemälde von 1965 (Foto: Evangelischen Kirche der Pfalz)
Hans Stempel, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz (1946 - 1965), Gemälde von 1965 Evangelischen Kirche der Pfalz

Pfälzer Protestanten weitgehend an das NS-Regime angepasst

"Protestanten ohne Protest" - so hieß eine zweibändige wissenschaftliche Publikation aus dem Jahr 2016, die Ergebnis einer zehnjährigen Recherche war. In Auftrag gegeben wurde diese Forschung von der Evangelischen Kirche der Pfalz. Heraus kam damals, dass sich nur sehr wenige Protestanten dem NS-Regime entgegengestellt hatten. Es gab keinen Widerstand in der Pfalz, sondern eine Selbstanpassung an das Regime, der Landesbischof war NSDAP-Mitglied und glühender Nazi, die Pfarrer hatten per Eid ihre Loyalität zum NS-Staat bekundet.

Hilfsprogramm nach Kriegsende für die Täter, nicht für die Opfer

Nach dem Ende der NS-Terrors und dem Ende des Zweiten Weltkriegs begannen die evangelische und die katholische Kirche mit einem Hilfsprogramm - nicht für die Opfer der Diktatur, sondern für die Täter.

Streit um Straßennamen in Landau

Hintergrund der Tagung mit Beiträgen von Historikern, Theologen und Journalisten ist ein aktueller Streit um Straßennamen in Landau für den früheren pfälzischen Kirchenpräsidenten Hans Stempel (1894-1970). Dieser stand im Mittelpunkt eines kirchlichen und gesellschaftlichen Netzwerks in Deutschland, das sich um die Seelsorge und die juristische Rehabilitierung von Tätern des NS-Regimes kümmerte.


Die Wanderausstellung "Protestanten ohne Protest" der Evangelischen Kirche der Pfalz bietet Informationen zur „Pfälzischen Landeskirche in der NS-Zeit“. Wie sah deren Alltag aus, welche Folgen hatte der Krieg für das Gemeindeleben?

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