Matinee: Fassaden Fassadenkletterer Steffen Falkenberg putzt die Elbphilharmonie

Reparieren, sanieren, verhüllen: Fassadenkletterer machen mehr als nur Fenster putzen. Steffen Falkenberg führt bei der Arbeit auch schon mal den „Donau-Walzer“ auf – an der Fassade der Elbphilharmonie in Hamburg. Diese humorvolle Performance einer Violinistin und vier Fensterputzern der Elbphilharmonie ging Anfang des Jahres im Netz viral.

Doch Fassadenkletterer ist kein Beruf für Jedermann. Schwindelfrei muss man sein – und diskret.

Vier Fensterputzer hängen in Drahtseilen in schwindelerregenden Höhen über Hamburg. Sie bringen die imposante Glasfassade der Elbphilharmonie auf Hochglanz. Dann stimmt eine Violinistin im Gebäude den „Donau-Walzer“ an.

Youtube-Video: Window Waltz an der Elbphilharmonie

Die Fassadenputzer vor den Fenstern nehmen die eingängige Melodie auf. Sie quietschen mit den Abziehern, klopfen mit den Bürsten und Karabinern im Takt ans Fenster – und übernehmen bald den Lead in dieser spontanen Darbietung.

Fassadenkletterer können mehr als Fenster putzen

Dieser humorvolle Videoclip, der als musikalischer Neujahrsgruß der Elbphilharmonie an die Kollegen in Wien gedacht war, wurde zum Hit in den sozialen Medien - und gab dem Beruf des Fassadenkletterers ein Gesicht: Sie können mehr als nur Fenster putzen.

Einer der Fassadenkletterer im Video ist Steffen Falkenberg. Er hat auch schon hoch über London gearbeitet und mit Christo den Reichstag in Berlin verhüllt.

Der Einsatz an der Elbphilharmonie war dennoch ein besonderes Erlebnis: „Wir wurden spontan angesprochen, ob wir nicht Lust hätten, bei so etwas mitzumachen. Was dabei herausgekommen ist, ist einfach nur grandios.“

Nur für Schwindelfreie

Falkenberg ist Fassadenkletterer aus Leidenschaft. Wenn er in 100 Metern Höhe in den Seilen hängt und auf die Großstadt herabblickt, sieht er die Welt mit anderen Augen: „Es ist berauschend, man fühlt sich wie ein kleiner Junge.“

Der Respekt vor der Höhe bleibt dabei immer. Auch bei Profis wie Falkenberg. Doch Angst dürfe man dennoch nicht haben: Fassadenkletterer ist ein Job nur für Schwindelfreie. „Da spaltet sich die Menschheit. Die einen wollen gar nichts anderes mehr, die anderen finden das nur doof.“

Fassadenkletterer an der Elbphilharmonie (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Bildagentur-online/Schickert)
Fassadenkletterer an der Elbphilharmonie picture-alliance / dpa - Bildagentur-online/Schickert

Den holländischen Blick üben

Wer schon einmal einen Fensterputzer bei seiner Arbeit erlebt hat, der weiß: Man kann sich von ihm ganz schön beobachtet fühlen. Als Fassadenputzer müsse man lernen, wie man Fenster putzt, ohne den Menschen dabei zu nahe zu treten. Falkenberg nennt das „den holländischen Blick üben“.

Die intime Nähe zu den Menschen, die der Beruf mit sich bringt, sei häufig aber auch sehr schön. Manchmal werde ihm da auch schon mal der Kaffee hinausgereicht. „Gerade bei älteren Leuten, die freuen sich riesig, dass da jemand hängt. Das kann einem den Tag versüßen.“

Youtube: Wie "Window Waltz" entstand.

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