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Die Entscheidung des ukrainischen Botschafters, die Gedenkfeier zum 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion zu boykottieren, sei nichts Neues, so der Leiter des deutsch-russischen Museums, Jörg Morré, in SWR2. Botschafter Andrij Melnyk hatte die Veranstaltung im Haus in Karlshorst mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einem Brief an Morré als „Affront“ bezeichnet.

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„Herr Melnyk will einfach mehr Aufmerksamkeit für die ukrainischen Opfer“

Das sei seit mittlerweile fünf Jahren „Alltagsgeschäft“, so der Museumsleiter, und habe nichts mit dem Jahrestag des zu tun. „Herr Melnyk will einfach mehr Aufmerksamkeit für die ukrainischen Opfer“, so Morré, „und im Grunde bekommt er sie auch. Bloß hat er das, glaube ich, in den letzten zwei, drei Jahren schon wieder übersehen.“

Russland nutzt den Jahrestag für eine eigene Geschichtsdeutung

Problematisch seien die verschiedenen Narrative des Gedenkens an den Beginn der Operation „Barbarossa“. Russland nutze diesen Jahrestag „sehr aggressiv für eine eigene Geschichtsdeutung“, erklärt Jörg Morré, und wolle damit „andere Länder, so auch Deutschland, die mehr einen multiperspektivischen Ansatz pflegen, zu Bekenntnissen“ drängen.

Spannungen unter den Nachfolgestaaten der Sowjetunion

Die Tendenz, das Leiden des Krieges mit etwa 27 Millionen Todesopfern auf dem Boden der damaligen Sowjetunion auf russischer Seite monopolisieren zu wollen, führe zu Spannungen unter den Nachfolgestaaten. Jörg Morré: „In der Falle sitzen wir tatsächlich, dass wir Deutsche uns der russischen Föderation zuwenden wollen, ohne darüber die anderen Länder zu vergessen, aber wenn das immer in eine bilaterale Beziehung gezwängt wird, gibt es immer einen Dritten, im Augenblick den ukrainischen Botschafter, der sich zurückgesetzt fühlt.“

Gründungsgeschichte des deutsch-russischen Museums in Karlshorst durch diesen Zwist belastet

Dabei gehöre es auch zur Gründungsgeschichte des deutsch-russischen Museums in Karlshorst, dass Ukraine und Belarus den gemeinsamen Tisch zwei Jahre vor Gründung des Hauses, 1994, verlassen hätten. Letztlich hätten sich deshalb nur die Russische Föderation und Deutschland in Karlshorst auf das Museum verständigt „Aber wir haben sehr wohl, von Anfang an, den Blick auch nach Belarus und in die Ukraine und jetzt umso mehr im Grunde auf alle 15 postsowjetischen Staaten.“

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