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Nur sechs Monate nach dem Ende des Nationalsozialismus, vor 75 Jahren also, verfassten führende evangelische Bischöfe und Theologen der Evangelischen Kirche ein Dokument, in dem sie ihre Fehler aus der Hitler-Zeit festhielten. Die „Stuttgarter Erklärung“ gilt als Neuanfang der evangelischen Christen 1945 – vor allem im Verhältnis zum Protestantismus weltweit und zum Judentum.

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„Mit großem Schmerz sagen wir, durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden [...]“

Auszug aus der Stuttgarter Erklärung

Vorwürfe des Verrats an der deutschen Bevölkerung

Die Erklärung war im Inland umstritten. Insbesondere missverständliche Zusammenfassungen in den Medien führten dazu, dass viele Menschen im Bekenntnis „Schuld“ und „Kriegsschuld“ gleichsetzten und Reparationsforderungen und Gebietsabtretungen wie nach dem Versailler Vertrag befürchteten – die durch die dort festgeschriebene „Kriegsschuld“ des Deutschen Reiches begründet waren. Dabei sei dieses zitierte Bekenntnis mit seiner Selbstanklage auch wirklich etwas, „was gesagt werden musste“, meint der Kirchenhistoriker Siegfried Hermle im Gespräch mit SWR2 am Morgen.

Erster Schritt in die Ökumene

Hermle lehrt an der Universität Köln und gilt als einer der besten Kenner der Geschichte der EKD nach 1945: „Diese Aussage ist in besonderer Weise auch als Brücke geeignet gewesen hin zur Ökumene.“ Man habe sich damit zu dem Leid bekannt, das Protestant*innen beispielsweise in den Niederlanden und Frankreich, in der Zeit des Nationalsozialismus hätten erleiden müssen.

Jüdinnen und Juden wurden ausgelassen

Ein gravierendes Defizit aber sei, das in dem Stuttgarter Text das furchtbare Schicksal der Jüdinnen und Juden in keinster Weise auftauche. Texte zahlreicher Landeskirchen, die dann auf die Stuttgarter Erklärung geantwortet haben, hätten „dann konkret auch versucht Schuld im Hinblick auf Jüdinnen und Juden zu benennen, um damit einen Neuanfang dann möglich zu machen“, sagt Hermle in SWR2.

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