STAND
INTERVIEW

Krisenzeiten seien Hochzeiten des Judenhasses – das liege in der Natur des Menschen, nicht nur in Deutschland, sagt der Historiker Michael Wolffsohn in SWR2. Das zeige der Blick auf die aktuelle Situation in der Pandemie und in die Geschichte. Der Antisemitismus sei mehr als 3.000 Jahre alt und zu seiner Bekämpfung sei nicht nur die Politik gefordert, sondern es sei ein Problem der gesamten Gesellschaft.

Audio herunterladen (6,4 MB | MP3)

„Die Bundesrepublik Deutschland ist eine offenen Gesellschaft und wie jede offene Gesellschaft ist sie gefährdet und diese Gefahr kann nur überwunden werden, wenn jeder Einzelne von uns seinen Beitrag dazu leistet und nicht darauf wartet mit Untertanengeist und sagt, die Regierung muss es leisten“, so Wolffsohn.

Jenseits radikaler Umtriebe gebe es in der ganzen Gesellschaft links- und rechts-bürgerliche Vorurteile gegen Juden und Jüdinnen, die zwar ekelhaft seien, wenn auch noch nicht lebensgefährlich, erklärt Wolffsohn. Es sei eine bequeme Ausrede, den gestiegenen Antisemitismus allein auf den Rechtsextremismus zu schieben.

Die Jüdischen Kulturwochen Stuttgart feiern 2020 ihr 75-jähriges Jubiläum, durch die Corona-Krise und den zweiten Lockdown mussten einige Veranstaltungen abgesagt werden – ein Teil kann jedoch online stattfinden. Darunter auch ein Vortrag von Wolffsohn am Montag, 2.11. um 19 Uhr. Stream und Programm sind auf der Webseite der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs verfügbar.

Gespräch Ein Jahr nach dem antisemitischen Anschlag von Halle: „Die Politik schützt jüdische Gemeinden zu wenig“

Jüdinnen und Juden würden es nicht anders kennen, dass vor Synagogen, jüdischen Kindergärten und Grundschulen Polizei stehen müsse, sagt der Autor und Journalist Ronen Steinke. Es sei aber nicht das Problem der jüdischen Gemeinden, dass sie attackiert und bedroht werden, sondern eine Aufgabe des Staates und der ganzen Gesellschaft, ihnen beizustehen.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Selbstbewusstsein, Aufbruch und Zukunft: 70 Jahre Zentralrat der Juden in Deutschland

Die Gründung des Zentralrats der Juden in Deutschland vor 70 Jahren sei alles andere als eine Selbstverständlichkeit gewesen, so der Publizist Micha Brumlik in SWR2. Dabei habe der Zentralrat nach dem Holocaust und den erlittenen Greueln während des Nationalsozialismus entscheidend zum Selbstbewusstsein der Juden in Deutschland beigetragen, nicht zuletzt durch die eigene Namensgebung. Es sei klar gewesen, dass man damals nicht von „deutschen Juden“, sondern lediglich von „Juden in Deutschland“ habe sprechen können. An diese Umstände der Neugründung der jüdischen Gemeinden in Deutschland müsse man auch heute weiter erinnern, „bei aller Liebe zur Bundesrepublik Deutschland“, so Brumlik. Große Vorsitzende des Zentralrats wie Heinz Galinski und Ignatz Bubis hätten die Juden in Deutschland mit großem Selbstbewusstsein vertreten, immer wieder aber auch schwere Kränkungen hinnehmen müssen, wie beispielsweise Bubis, der als einziger bei der Paulskirchenrede des Schriftstellers Martin Walser 1998 sitzengeblieben sei „und nach alldem beschlossen hat, dass er in Israel und nicht in Deutschland beerdigt werden soll.“ Walser hatte das damals geplante Denkmal zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust als „Dauerpräsentation“ deutscher Schande kritisiert.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

SWR2 Glauben Juden und Schwarze in den USA

Rücken die Minderheiten wieder näher zusammen?
Von Rita Schwarzer  mehr...

SWR2 Glauben SWR2

STAND
INTERVIEW