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Kurz vor den Feierlichkeiten zu 30 Jahren Deutscher Einheit am Wochenende des 3. Oktobers hat die Autorin und Filmemacherin Angelika Nguyen mehr Geschichten aus migrantischer Perspektive zum Einheitsprozess gefordert.

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Ostdeutsche und migrantische Perspektive unterscheiden sich

Nguyen sieht gewisse Parallelen zwischen den Erfahrungen von Ostdeutschen nach der Wende und Migrant*innen, allerdings sei klar abzugrenzen, dass weiße Ostdeutsche durch ihre Hautfarbe und ihre deutsche Staatsangehörigkeit keine Rassismuserfahrungen wie Migrant*innen machen müssten – dies privilegiere sie. Außerdem dürfe nicht vergessen werden, dass es auch Ostdeutsche mit Migrationsgeschichte gebe, deren Erfahrungen mit der Wiedervereinigung sich von denen der weißen Ostdeutschen unterschieden.

Im SWR2 Journal am Mittag sagte Nguyen: „Damit meine ich People of Color, damit meine ich die jüdische Perspektive, damit meine ich die queere Perspektive, die müssten Eingang finden in die gesamtdeutsche Erzählung.“

Lächelnd stehen am 1.7.1990, dem Tag der Währungsunion, vietnamesische Gastarbeiter vor einem Schalter in einer Sparkasse am Ostberliner Alexanderplatz, um die neue DM in Empfang zu nehmen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa - Bildarchiv)
Lächelnd stehen am 1.7.1990, dem Tag der Währungsunion, vietnamesische Gastarbeiter vor einem Schalter in einer Sparkasse am Ostberliner Alexanderplatz, um die neue DM in Empfang zu nehmen. dpa - Bildarchiv

„Es war doch klar, dass es soziale Umbrüche geben wird“

Was das Gefühl der Benachteiligung angeht, das viele ehemals Ostdeutsche auch 31 Jahre nach dem Mauerfall noch immer empfinden, gibt Nguyen ihnen recht, äußert aber auch Unverständnis: „1990 hat sich die Mehrheit der Ostdeutschen für die Deutsche Einheit entschieden und da war doch klar, dass es eine Massenarbeitslosigkeit gibt und dass es tiefgreifende soziale Umbrüche geben wird. Ich verstehe gar nicht, wie man sich darüber wundern kann.“

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