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Zum 250. Geburtstag von Novalis – Sicher nicht der geistige Vater der deutschen Impfskepsis

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Der Dichter Friedrich von Hardenberg, der sich selbst Novalis nannte, geboren am 2. Mai 1772, musste schon als Pate für vieles herhalten: Geistiger Vater der Romantik, Vordenker der Impfskeptiker und der Anthropologen. Der Literaturwissenschaftler Herbert Uerlings sagte in SWR2, er habe „tief geseufzt“, als er die vor Kurzem in der ZEIT erschienene Einlassung gelesen habe, dass die Romantiker, allen voran Novalis, die Urheber der deutschen Impfskepsis seien.

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Novalis hat sich auch für Naturwissenschaften interessiert

„Nicht schon wieder“, sagt Uerlings, „es ist und bleibt Unsinn. Zu Novalis Zeit gab es noch keine Impfungen. Er konnte weder dafür noch dagegen sein. Richtig ist, dass er sich mit den Pocken beschäftigt hat. Das war die Pest seiner Zeit und es gab Todesfälle in seiner Familie.“

Laut Aufzeichnungen habe Novalis überlegt, dass man die Krankheit der Pocken am besten mit der Krankheit selbst bekämpfen sollte. Genau das wurde später ausprobiert. Insofern sei das Prinzip der Impfungen auch eine romantische Idee. Novalis selbst habe sich sehr für Naturwissenschaften interessiert.

Die Einheit zwischen Natur und Schöpfung zu finden ist eine unendliche Aufgabe - eine typisch romantische Aussage

Uerlings wolle damit nicht alle Anthropologen verurteilen, die sich Novalis als Stichwortgeber aneignen. „Sicher ist Novalis ein Hausheiliger der Anthropologie. Solche Aneignungen machen wir alle“, sagt Uerlings, „aber als Germanist bin ich natürlich dazu verpflichtet, das in seinem historischen Kontext zu sehen.

Und was den Naturbegriff bei Novalis angeht, da würde ich bei ihm das Kreative betonen, den schöpferischen Umgang mit der Tatsache, dass wir alle Naturwesen sind.“ Und die Einheit zwischen Natur und Schöpfung zu finden sei eine unendliche Aufgabe. Das sei dann eine typisch romantische Aussage.

Romantik verstanden als „Gefühl ohne Verstand“, oder sogar „Gefühl gegen den Verstand“ ist unsinnig

Sowohl die Vorstellung eines deutschen Nationalcharakters der Romantik, als auch die Möglichkeit, die Romantik an sich als etwas kompaktes, eindeutiges greifen zu können hält Uerlings für unsinnig. Dabei seien immer wieder schiefe Bilder entstanden. Wie etwa die Vorstellung „Gefühl ohne Verstand“, oder sogar „Gefühl gegen den Verstand“.

„Das hängt zusammen mit dem deutschen Konservatismus und der deutschen Frontstellung gegen die französische Revolution. Da konnte man prima ausspielen im 19. Jahrhundert die deutsche Kultur und Tiefe gegen die französische Zivilisation und Oberflächlichkeit. Das sind völlig überkommene und falsche Entgegenstellungen.“

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