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Das Erinnern werde den Opfern des Jugoslawiens-Krieges immer noch schwer gemacht, weil ihnen zum Teil nicht zugestanden werde, ihre Wahrheiten zu erzählen, sagt Marion Kraske, Leiterin des Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Sarajewo. Leider gebe es 25 Jahre nach Srebrenica auf der Seite der Täter immer noch eine „Verschleierungs- und Leugnungstaktik“, so Kraske in SWR2.

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Vielfach würden die Täter von damals wie der Serbenführer Radovan Karadžić und der General Ratko Mladić noch immer als Helden gelten, was daran liege, dass Taten wie die von Srebrenica niemals richtig aufgearbeitet worden seien. Die Aufarbeitung sei immer am Widerstand der nationalistischen Parteien gescheitert, die heute noch zum Teil die gleiche Politik auf der Agenda hätten wie in den 1990er Jahren.

Ohne ein aufrichtiges Erinnern könne allerdings kein dauerhafter Frieden auf dem Balkan erreicht werden. „Was wir haben, ist eine Abwesenheit von Krieg, aber kein Friedens- oder Aussöhnungsprozess“, sagt Marion Kraske. In einem solchen Aussöhnungsprozess sei auch die Rolle von Frauen sehr wichtig.

Mehrere Studien zeigten, dass Frauen eher als Männer ein Interesse daran hätten, die Geschichte kritisch aufzuarbeiten. Friedensprozesse, an denen Frauen maßgeblich beteiligt sind, seien in der Regel nachhaltiger als solche, die von Männern ausgehandelt würden.

Forum 25 Jahre nach Srebrenica - Der verleugnete Völkermord

Es diskutieren:
Prof. Dr. Marie-Janine Calic, Historikerin, Ludwig-Maximilians-Universität München
Dr. Matthias Fink, Journalist und Autor, München
Eldina Jasarevic, Journalistin, Sarajewo
Moderation: Claus Heinrich  mehr...

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