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17.9.1959: Mercedes-Benz stellt das erste Auto mit Knautschzone vor

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Die ersten Autos wurden steif konstruiert, um Kollisionen besser zu überstehen. Dass eine weiche Knautschzone besser puffert und die Insass*innen schützt, war eine bahnbrechende Idee. Der neue Mercedes-Benz 220S mit Knautschzonen vorn und hinten wird auf der Frankfurter Automobilmesse IAA erstmals dem Publikum präsentiert.

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Einfache, angewandte Physik

„Vorher war die Philosophie, ein Auto muss so stabil wie möglich sein. Im Idealfall bleibt ein Auto nach dem Unfall erhalten. Man sieht ihm den Unfall gar nicht an. Das ist aber falsches Denken. Gegen die Intuition muss ein Auto weich sein, um beim Unfall zu schützen“, erklärt Automobilhistoriker Kurt Möser. Die bereits viele Jahre zuvor patentierte Entwicklung — Patentnummer 854157, die gestaltfeste Zelle — bestehe darin, so Möser, dass die Festigkeit im Bereich des Fahrgastraums am größten ist, und nach den Enden zu, stetig oder stufenweise abnimmt.

Die Idee ist einfache, angewandte Physik. Die Aufprallenergie wird durch weichere Karosseriebereiche vorn und hinten am Auto am besten absorbiert. Die neuartigen „Knautschzonen“ werden erstmals mit Crashtests erprobt. „Mit einer Heißwasserrakete brachte man das Auto auf 100 km/h, um es dann auf einen Bus knallen zu lassen. Das war Ender der 50er Jahre. Vorher existierten nur 3 Theorien und Prototypen“, erzählt Automobilexperte Kurt Möser.

Der Mann mit den 2.500 Patenten

Der Erfinder ist Béla Barényi, der vielleicht wichtigste Angestellte in der Geschichte der Daimler-Benz AG. Der Mann mit den 2.500 Patenten, der Vordenker in Sachen Sicherheit im Automobilbau. Rückblickend beschreibt er seine Arbeit so: „„Ein Autobauer musste 20 bis 30 Jahr vorausdenken. Ich muss ihnen heute etwas gestehen, es ist mir nicht immer gelungen, manchmal waren es sogar 40 Jahre.“

Noch ist Sicherheit eher ein Randthema

Was 1959 aber fehlt, sind nicht nur Airbags, sondern vor allem Sicherheitsgurte. Die gibt es im W 111 nur aus Sonderausstattung. „Man wollte mit verschiedenen Argumenten keine sicheren Autos haben. Man wollte nicht, wie es damals in einem bekannten Auto-Buch hieß, nicht an die ständige Nähe des Todes erinnert werden“, erklärt Kurt Möser: „Man wollte einfach schön Autofahren. Man wollte ein luxuriöses Auto, Sicherheit kam erst in den 1980er Jahren.“

Für Béla Barényi, der 1997 starb, ein unverständliches Zögern: „Wenn etwas erkannt wird, was mörderisch ist, dann ist es mir ein Rätsel, wieso das nachher Jahre und Jahrzehnte braucht, bis sich die Erkenntnis durchsetzt, unglaublich.“

Straßenverkehr Vor 50 Jahren: Diese neuen Regeln mussten Autofahrer*innen lernen

Die vielen Verkehrstoten in der Bundesrepublik waren ein Alarmsignal. Die Bundesregierung schritt ein und setzte zum 1. März 1971 eine neue Straßenverkehrsordnung in Kraft. Fortan galt 50 km/h innerhalb geschlossener Ortschaften, das achteckige Stoppschild und klare Regeln zum Halte- und Parkverbot.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Gespräch IAA geht zum ersten Mal als Mobilitätsmesse an den Start: Verkehrswende mit „Wow-Faktor“

Die Internationale Automobilausstellung IAA präsentiert sich 2021 zum ersten Mal als Mobilitätsmesse, E-Bikes inklusive — „was aber nicht heißt, dass die gute alte Autofaszination nicht auch eine gewisse Rolle spielt“, sagt der Automobil-Historiker Kurt Möser in SWR2. Außerdem müsse die proklamierte Verkehrswende nicht unbedingt mit der realen Verkehrswende übereinstimmen, zum Beispiel bei der E-Mobilität: „Tesla ist ein Auto, das einen hohen Wow-Faktor hat und daher die Verkehrswende mit dem alten Mittel der Autofaszination verstärkt“. Kritik am Auto sei für die Branche schon immer vor allem ein Optimierungsfaktor.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Tempolimit, was spricht dafür? Umweltverband veröffentlicht neue Fakten

Eine knappe Mehrheit der Bevölkerung sei für ein Tempolimit auf den deutschen Autobahnen, sagt Kerstin Haarmann, Bundesvorsitzende beim gemeinnützigen Umweltverband VCD, dem Verkehrsclub Deutschland, der sich für eine Mobilitätswende einsetzt, die sozialverträglich und umweltschonend ist.
Für ein Tempolimit würden viele vernünftige Argumente sprechen sagt sie in SWR2: „Das Tempolimit rettet Leben, es ist gut für die Umwelt und Deutschland ist international isoliert. Jedes Land mit einem Autobahnnetz hat auch ein Tempolimit. Eine Minderheit möchte rasen auf der Autobahn“, so Haarmann.
Das Argument des CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet, bei E-Autos brauche es kein Tempolimit, weil ja keine Abgase anfallen würden, stimme nicht, sagt Haarmann: „Selbst wenn Elektroautos einen anderen Antrieb haben, heißt das nicht unbedingt, dass die Leute langsamer fahren“. Zudem stürben noch viel zu viele Menschen auf Deutschlands Straßen. „Ein Tempolimit rettet Leben und jedes Leben zählt“, so Kerstin Haarmann.  mehr...

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