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Ein Gesetz klassifizierte die gesamte Bevölkerung rassistisch

Lange Zeit beurteilten weiße Regierungsbeamte Hautfarbe, Gangart und Körperbau der Südafrikaner. Grundlage für diese Zuordnung war der population registration act - Ein Gesetz, mit dem die Bevölkerung rassisch klassifiziert wurde, in vier Rassengruppen: Schwarz, weiß, coloured, oder als Inder.

Von der rassischen Einstufung hing ab, welche Schule man besuchen, wo man arbeiten oder einkaufen durfte. Die Geographie der Apartheid schrieb vor, dass Persons of Color in eigenen Townships wohnen mussten, am Rande der Städte der Weißen, oder in lebensfeindlichen Homelands, weit draußen.

13 Prozent der Landfläche für rund 80 Prozent der Bevölkerung Südafrikas

Das waren sehr kleine Gebiete. Sie haben insgesamt nur 13 Prozent der südafrikanischen Landfläche eingenommen – für 80 Prozent der Bevölkerung. Die Homelands waren übervölkert, überweidet und der Boden durch Erosion massiv geschädigt.

Wer sich weigerte, in eines der zehn Homelands für Persons of Color zu ziehen, wurde unter Zwang dorthin verfrachtet. Bis 1983 waren es etwas über dreieinhalb Millionen Menschen.

African National Congress (ANC) setzte sich im Untergrund gegen die Apartheid ein

Ben Khumalo-Seegelken war 12 Jahre alt, als seine Familie 1963 vertrieben wurde. Er schloss sich dem ANC an, dem African National Congress, im Untergrund. Die Anti-Apartheidbewegung, heute Regierungspartei, war seit 1960 verboten.

Nelson MANDELA, Anti-Apartheid-Kämpfer Südafrikas (Foto: Imago, MAGO / sepp spiegl)
Nelson Mandela, Freiheitskämpfer und Friedensnobelpreisträger, war von 1994 bis 1998 der erste schwarze Präsident Südafrikas. Für seinen Kampf gegen die Apartheid war Mandela zuvor 27 Jahre in politischer Gefangenschaft. Imago MAGO / sepp spiegl

Khumalo musste 1975 fliehen. Er lebt in Deutschland im Exil, als Südafrikas Staatspräsident de Klerk im Februar 1990 seine historische Rede hält, wo er dem überraschten Parlament verkündet, dass der ANC mit sofortiger Wirkung legalisiert wird und dass Mandela ohne Bedingungen freigelassen wird.

Nach Legalisierung der ANC und Freilassung Mandelas treten die Apartheidsgesetze außer Kraft

Schon kurz darauf werden die ersten der rund 1000 Apartheidgesetze außer Kraft gesetzt, das letzte, der population registration act, am 17. Juni 1991.

Heute, 30 Jahre später, ist Südafrika ein freies Land – mit gewaltigen Problemen. Der ANC gilt als korrupt, die Arbeitslosigkeit ist hoch, die einstigen Homelands sind noch immer die Armenhäuser der Nation. Und trotzdem sieht Khumalo Grund zur Freude:

„Dass Menschen so selbstverständlich, ohne Gesetze, die sie auseinanderzerren und gegeneinander ausspielen, zur Schule gehen, an der Bushaltestelle stehen, sich streiten bei einer politischen Veranstaltung – Also, es erfüllt mich so mit Freude!“

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