STAND
INTERVIEW

Der Internationale Frauentag müsse weiter genutzt werden, um die Aufmerksamkeit auf Bereiche zu lenken, in denen es bei der Geschlechter-Gleichstellung nachzusteuern gilt, sagt die Historikerin Kerstin Wolff im Gespräch mit SWR2: „Wenn wir diesen Tag schon haben, wäre es nicht klug, ihn abzuschaffen.“

Audio herunterladen (6,4 MB | MP3)

Beim ersten Weltfrauentag sei es um das Frauen-Wahlrecht gegangen und sozialistische Politikerinnen wie Clara Zetkin hätten ihn gefordert, erklärt Wolff, die beim Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel die Geschichte des 1911 erstmals begangenen Internationalen Frauentags erforscht. Seit 1921 ist der 8. März als Termin festgelegt.

Ein Feiertag in der DDR — in der BRD eher stiefmütterlich behandelt

Im „real existierenden Sozialismus“ wie in der Sowjetunion und in der DDR sei aus dem Kampftag dann ein Feiertag geworden mit Ritualen wie dem Überreichen von Nelken oder der Verleihung von Clara-Zetkin-Medaillen.

In der Bundesrepublik habe man sich mit dem Internationalen Frauentag wegen der Systemkonkurrenz zur DDR schwer getan. Erst die Gewerkschaftsfrauen in den 1980er Jahren hätten dafür gesorgt, dass der Tag eingehalten wurde. „Ich höre ab und zu das Gerücht, den Internationalen Frauentag habe es in der Bundesrepublik nicht gegeben — das ist so nicht richtig“, erklärt Wolff.

Auch 2021 ist volle Gleichstellung ein unerreichtes Ziel

Aktuell sei der Tag nach Ansicht von Kerstin Wolff weiterhin: Die Corona-Pandemie etwa habe eher zu einer Mehrbelastung der Frauen geführt, so die Historikerin.

Feminismus Weltfrauentag 2021: Wir feiern 100 Jahre Internationaler Frauentag am 8. März

Kultur ohne Frauen? Geht nicht! Zum Internationalen Frauentag am 8. März — zwar kein Feiertag, aber doch ein großes Fest — stellt SWR2 weibliche Kulturschaffende vor und rückt deren Beiträge besonders in den Fokus.  mehr...

Gespräch Die Realität zum Film über „Marie Curie“: Über die Benachteiligung von Frauen in der Wissenschaft

Der Weg für Frauen in die Wissenschaft sei unverändert „lang und steinig“, sagt Prof. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), in SWR2. In der wissenschaftlichen Praxis seien Beruf und Familie oft kaum zu vereinbaren. Wenn überhaupt, würden Frauen eine Professur erst jenseits der 40 erreichen. Denkbar seien flexiblere Qualifikationswege, auch ein Verzicht auf die Habilitation. Viele der jungen Wissenschaftlerinnen am WZB, so Allmendinger, hätten zu Beginn der Corona-Pandemie mit ihren kleinen Kindern dagesessen und seien gar nicht mehr zum Arbeiten gekommen. Unverändert müssten sich Frauen in der wissenschaftlichen Laufbahn stärker darstellen als Männer. Zum Start des Kinofilms „Marie Curie“ diskutiert Allmendinger mit anderen Podiumsgästen über die Situation von Frauen in der Wissenschaft. Die Diskussion soll zum Start des Films in viele Kinosäle übertragen werden, unter anderem in Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart und Baden-Baden.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Kriminalität Corona-Pandemie: Zahl der ermordeten Frauen in Argentinien steigt an

In Argentinien herrscht seit eineinhalb Monaten eine strenge Ausgangssperre - und die Gewalt gegenüber Frauen ist angestiegen. Alle 29 Stunden wurde eine Frau ermordet. Bei speziellen Notrufnummern sind in diesen Wochen drei Mal so viele Anrufe eingegangen wie sonst.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Genderforschung Corona-Pandemie verstärkt Geschlechter-Ungleichheit in der Forschung

Auch die Gleichstellung der Geschlechter leidet unter der Corona-Pandemie. Frauen kümmern sich häufiger um Kinderbetreuung und Haushalt. Das wirkt sich auf die Wissenschaft aus. Mehrere Studien zeigen: Männer dominieren die Forschung zum neuartigen Coronavirus.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

STAND
INTERVIEW