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Vergänglichkeit, Reinheit oder Jungfräulichkeit: Die Assoziationen mit dem Einhorn sind weitreichend. Das Fabelwesen fasziniert die Menschen bereits seit der Antike. Das Museum im Prediger in Schwäbisch Gmünd zeigt die Kunstausstellung „The Last Unicorn. Das Einhorn im Spiegel der Popkultur“, bei der zeitgenössische und historische Kunst aufeinandertreffen. Noch bis zum 10. Januar 2021 können sich Besucher auf die mythischen Spuren des vielseitigen Fabelwesens begeben.

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Die Heimat des Einhorns

Rätselhaft, unheimlich, dunkelviolette Wände – gleich zu Beginn der Ausstellung taucht der Besucher in eine geheimnisvolle Märchenwelt ein. Weitflächig verteilt hängen Kunstwerke wie Collagen, Fotografien, Gemälde oder eine Neonlicht-Installation an den hohen Wänden.

Weiter hinten hellt sich der Raum langsam auf und im Mittelpunkt steht eines der kostbarsten Ausstellungsstücke des Museums im Prediger: eine Uhr aus der Renaissance in Form einer eine goldenen Einhorn Figur. Das Pferd mit eingedrehtem Horn auf der Stirn hebt stolz den Vorderhuf.

The last Unicorn. Das Einhorn im Spiegel der Popkultur (Foto: Frank Kleinbach, Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd)
Figurenuhr Einhorn, um 1600, Augsburg Frank Kleinbach, Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd Bild in Detailansicht öffnen
Albrecht Dürer (1471 – 1528), Die Entführung auf dem Einhorn, 1516 Frank Kleinbach, Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd Bild in Detailansicht öffnen
Grit Richter (* 1977), Hier möcht‘ ich gern für immer bleiben, 2018 the artist Bild in Detailansicht öffnen
Nan Goldin (* 1953), Buttlerfly in Lutzow Lampe Drag Bar, 1992 Frank Kleinbach, Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd Bild in Detailansicht öffnen
Emanuel Leutze (1816 – 1868), Die Nymphe der Urachquelle Frank Kleinbach, Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd Bild in Detailansicht öffnen
Max Ernst (1891 – 1976), Soleil noir, um 1952 Volker Naumann, Schönaich, VG Bild-Kunst Bonn 2020 Bild in Detailansicht öffnen
Benedikt Hipp (* 1977), Neonatal Refractions No. 24, 2017/2018 the artist, Courtesy of the artist, Kadel Willborn, Düsseldorf und Martina Tauber Fine Art, München Bild in Detailansicht öffnen
Leonhard Hurzlmeier (* 1983), Nasenmann, 2014 VG-Bild Kunst, Bonn 2020, Courtesy of the artist und Martina Tauber Fine Art, München Bild in Detailansicht öffnen
Paul Hutchinson (* 1987), Aria, Boppstraße, 2017 Frank Kleinbach, VG-Bild Kunst, Bonn 2020 Bild in Detailansicht öffnen

„Die Stadt Schwäbisch Gmünd hat das Einhorn als Wappentier, und zwar bereits seit 750 Jahren. Und in unseren Museumssammlungen haben wir natürlich den Einhorn-Mythos überaus reich dokumentiert.“

Max Tillmann, Museumsleiter

Als Wappentier symbolisiert das Einhorn Reinheit, Aufrichtigkeit und Rechtsbewusstsein. Im 13. Jahrhundert wurde die Stadt Schwäbisch Gmünd von der mittelalterlichen Kaiserdynastie der Staufer besetzt. Diese wählten das Einhorn, ein damals sehr bewundertes Fabelwesen, als Wappentier.

Märchenhafte Romanvorlage

Doch auch wenn die Stadt eine bedeutende Geschichte mit dem Einhorn verbindet, ist die Grundlage der Ausstellung eigentlich eine andere, erklärt Tillmann: „Der rote Faden ist tatsächlich die Romanvorlage von Peter S. Beagle von 1968 „The Last Unicorn“, die uns die Idee gegeben hat, diese Geschichte in unserer Ausstellung durch die Kunst nachzuerzählen.“

Der gleichnamige Zeichentrickfilm von 1982 handelt von einem Einhorn, welches sich auf die gefährliche Suche nach seinen verloren geglaubten Artgenoss*innen aufmacht und dabei finstere Gegner*innen überwinden muss. Die Ausstellung hangelt sich an dieser Geschichte entlang und ist ebenfalls in sechs Kapitel unterteilt. Jeder Raum ist in einer anderen Wandfarbe gestaltet.

The last Unicorn. Das Einhorn im Spiegel der Popkultur (Foto: Frank Kleinbach, Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd)
Ausstellungsansicht „The Last Unicorn“, Kapitel 2 — mit Arbeiten von Mike Kraus, Philipp Messner, Johann Michael Maucher und Filmstill aus „The Last Unicorn“ (v. l. n. r.) Frank Kleinbach, Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd

Von Kopf bis Fuß eintauchen

Diese Farben sollten den emotionalen Zugang bieten, also auch eine ganz besondere Stimmung erzeugen, so der Museumsleiter. Und eigentlich müsse man die Story gar nicht kennen, um sich emotional auf die Gefühle in der Ausstellung einzulassen.

Wie gegen Ende des Romans läuft im letzten Raum alles auf den Überlebenskampf des Einhorns gegen den König zu. Das kräftige Rot der Wände untermalt die Kampfstimmung.

Im Zentrum: ein wandhohes Gemälde, darauf rote Kreuze auf blauem Untergrund. Auch eine kleine Blechritterfigur und ein verzierter Schutzschild erinnern an einen Kampf. Aber nicht nur Assoziationen wie der Tod, der Kampf oder die Vergänglichkeit werden mit dem Einhorn in Verbindung gebracht.

„Besonders faszinierend und das hängt tatsächlich mit seiner uralten Geschichte zusammen, ist das Widersprüchliche, die Vielseitigkeit des Einhorns.“

Max Tillmann

Es habe immer schon als scheu gegolten, dann aber wiederrum auch kampfeslustig, so Max Tillmann, es werde verbunden mit Keuschheit und Jungfräulichkeit.

Vielseitiges Fabelwesen

Nur ein Bruchteil der 80 Ausstellungsstücke zeigt wirklich Einhörner. Albrecht Dürer, Max Ernst oder Emanuel Leutze treffen auf zeitgenössische Werke. Assoziationen des Einhorns zeigen sich in psychedelischen Farben, Traummotiven, surrealistischen Gemälden, einer bewegten Diashow oder modernen Fotografien „The Last Unicorn“ im Prediger in Schwäbisch Gmünd. Eine vielseitige und spannende Ausstellung.

Die Ausstellung „The Last Unicorn. Das Einhorn im Spiegel der Popkultur“ läuft vom 31.5.2020-10.1.2021 im Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd.

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