Fotografie

„Zeitenspiegel“-Fotoreportagen „Was uns bewegt“ in der Galerie der Stadt Fellbach

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AUTOR/IN
Andreas Langen

Die Reportergemeinschaft „Zeitenspiegel“ aus Weinstadt im Remstal arbeitet seit fast 40 Jahren für große Medienhäuser wie Spiegel und Süddeutsche Zeitung,  aber auch für ARD,  ZDF und Arte. Ihre Reportagen, Dokumentationen und Bildergeschichten aus aller Welt sind vielfach ausgezeichnet. Die Galerie der Stadt Fellbach stellt jährlich aktuelle Fotoarbeiten der Agentur aus, diesmal unter anderem auch des World-Press-Gewinners Ivo Saglietti.

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Entgegen aller Klischees sind die Fotografen von „Zeitenspiegel“ nicht auf Desaster und Krisen aus – womöglich gerade weil sie oft aus Krisengebieten berichten. „Mich interessieren die feinen Zwischentöne“, sagt Fotoreporter Frank Schultze, „ich fotografiere nah an den Menschen.“

„Ich versuche immer, auch in den schlimmsten Gegenden der Welt das Positive, das Menschliche zu sehen.“

Frank Schultze ist einer von sechs Fotografen der Weinstädter Agentur „Zeitenspiegel“, deren Bildserien in der Galerie der Stadt Fellbach zu sehen sind. Die Reporter haben Stories ausgewählt, die ihnen ganz besonders am Herzen liegen.

„Was uns bewegt“ Fotografien in der Galerie Stadt Fellbach (Foto: Frank Schultze)
Frank Schultze: Video-Clip von einer der spektakulären Straßen-Aktionen der Aktivisten von „12thMemoRise“ in der Fußgängerzone Essen. Frank Schultze

Für Schultze ist das eine Geschichte über eine Gruppe junger Muslime im Ruhrgebiet, die sich gegen Gewalt im Islam engagieren. Dazu besuchen die Aktivisten nicht nur Schulen und Unis, sondern veranstalten in sozialen Medien und im öffentlichen Raum spektakuläre Performances: In der Fußgängerzone Essen inszenierten sie eine Enthauptung durch den IS, um Jugendliche davon abzuhalten, der Propaganda der Extremisten auf den Leim zu gehen.

Langjährige Dokumentation der Gewalt im Kosovo

Ein anderer Ausstellungsbeitrag spielt in einer Gegend, wo Extremismus lange Zeit fatal freie Bahn hatte – im Kosovo. Dort dokumentiert der „Zeitenspiegel“-Fotograf Ivo Saglietti seit 20 Jahren den Nachkriegsalltag in einem Dorf bei Prizren. Zu diesem Landstrich haben die Reporter aus dem Remstal eine ganz besondere Beziehung. „Weil ein guter Freund, der Stern-Reporter Gabriel Grüner, dort erschossen wurde. Und zwar am ersten Tag des Waffenstillstandes“, erklärt „Zeitenspiegel“-Gründer Uli Reinhardt.

„Was uns bewegt“ Fotografien in der Galerie Stadt Fellbach (Foto: Ivo Saglietti)
Ivo Saglietti: Die Einfahrt ins Dorf (Kosovo, Krusha e Madhe) im Jahr 2000 Ivo Saglietti

In Krusha e Madhe hatten serbische Militärs und Polizisten noch kurz vor Kriegsende über 450 Menschen massakriert. Als Ivo Saglietti wenig später dort erstmals ankam, traf er also auf ein völlig zerstörtes, zutiefst traumatisiertes Gemeinwesen.

Botschaft der Hoffnung gegen alle Klischees

Wundersamerweise ist das Dorf nicht kollabiert. Die Frauen von Krusha e Madhe sind geblieben. Heute sind ihre Erzeugnisse, wie z. B. Paprika, im ganzen Land verbreitet. Eine weitere Geschichte, mit der die Fotografen von „Zeitenspiegel“ am großen Bildgedächtnis der Gegenwart mitarbeiten – und zwar entgegen aller Klischees mit einer Botschaft der Hoffnung.

Fotografie World Press Photo Ausstellung in Balingen: „Kamloops Residential School“ erinnert an Opfer des Kolonialismus

Aus 64.823 eingereichten Bildern von über 4000 Fotograf*innen wurde heute, am 7. April 2022, eine Gewinnerin gekürt: Mit ihrem Foto „Kamloops Residential School“ glückte der Kanadierin Amber Bracken für die New York Times das Pressefoto des Jahres.

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Andreas Langen