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Wunderbare Entdeckung – Druckgrafische Experimente von Max Slevogt in Mainz

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Der Künstler Max Slevogt zählt zu den wichtigsten Impressionisten Deutschlands. Das Besondere an seiner Kunst ist, dass er sie stetig weiterentwickelt hat. Dazu hat er zusammen mit anderen Künstlern experimentiert, zum Beispiel mit Leder, Säure oder Fotoplatten. Das Mainzer Landesmuseum zeigt nun unter dem Titel „Hexenküche“ erstmals diese experimentellen Arbeiten, zusammen mit vielen Briefen, die Slevogts Gedankengänge deutlich machen.

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In der „Hexenküche“ wurde die Künstlergruppe SPOG gegründet

Malte Max Slevogt im Sommer die lichtdurchflutete Landschaft in der Pfalz, so weilte er im Winter in Berlin. In der deutschen Metropole besuchte er die Oper, mit Künstlern traf er sich im Romanischen Café und abends ging er gerne ein paar Schritte um die Ecke zu seinem Zahnarzt Josef Grünberg.

Allerdings nicht für eine Wurzelbehandlung, sondern hier wurde mit hochgiftiger Flusssäure geätzt, auf Leder gedruckt und mit Porzellanplatten experimentiert. „Hexenküche“ nannten die beiden ihr gemeinsames Labor, an dem auch die Künstler Emil Orlik und Bernhard Pankok beteiligt waren – das war die 1920 gegründete Gruppe SPOG, zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben der Künstler.

Max Slevogt: Hexenküche (Foto: Pressestelle, Landesmuseum Mainz, R.R. Steffens)
Reiterkampf, 1922, glasiertes Porzellan Pressestelle Landesmuseum Mainz, R.R. Steffens Bild in Detailansicht öffnen
Exlibris für Grünberg mit Mephisto und Teufelchen, 1920-1926, Radierung Pressestelle Landesmuseum Mainz, R.R. Steffens Bild in Detailansicht öffnen
Engel und Teufel, 1927, Glasklischeedruck Pressestelle Landesmuseum Mainz, R.R. Steffens Bild in Detailansicht öffnen
Zwei Tiger, 1920-1928, Radierung mit Aquatinta, sog. „Malradierung" Pressestelle Landesmuseum Mainz, R.R. Steffens Bild in Detailansicht öffnen
Zwei Tiger, 1920-1928, Kupferplatte, „Malradierung" Pressestelle Landesmuseum Mainz, R.R. Steffens Bild in Detailansicht öffnen
Emil Orlik, Josef Grünberg und Max Slevogt beim Arbeiten, 1922, Bleistift Pressestelle Landesmuseum Mainz, R.R. Steffens Bild in Detailansicht öffnen
Brief von Max Slevogt an Josef Grünberg mit Randzeichnung vom November 1923 Pressestelle Landesmuseum Mainz, R.R. Steffens Bild in Detailansicht öffnen

„Zu dieser Künstlergruppe SPOG wurde bisher noch nie eine Ausstellung ausgerichtet. Selbst die Arbeiten wurden zeitlebens nie öffentlich gezeigt, publiziert oder verbreitet. Es sind Arbeiten, die diese vier Künstlerfreunde hergestellt haben privat, und die blieben dann in den jeweiligen Nachlässen.“ sagt Kuratorin Karoline Feulner.

Ein einheitliches Thema gibt es in den Arbeiten der Gruppe SPOG nicht

Feulner hat in den letzten Jahren die Briefwechsel zwischen Grünberg und Slevogt gesichtet. Passend zum Text gibt es immer wunderbare Randzeichnungen von Max Slevogt – so klagt er dem Freund über eine Fastenkur und zeichnet sich selbst als Löwe, der von einem Hasen eine Mohrrübe gereicht bekommt. Es gibt tanzende Schweine, tapsige Bären, elegante Tiger und wirklich sensationelle Drucke mit der Karl-May-Figur des Ledertrumpfs auf richtigem Leder.

Man findet kein einheitliches Thema in den Arbeiten der Gruppe SPOG, vielmehr traf man sich abends mit Pfälzer Wein und experimentierte: „SPOG hat auch sogenannte Glasklischees ausprobiert, eine Technik, die heute eigentlich vergessen ist: sie haben Glasplatten bearbeitet, einerseits direkt bemalt, einerseits geätzt. Sie hatten auch Fotoplatten wo sie das Motiv eingeritzt haben und diese Platten haben sie dann auf ein, Grünberg nennt es Glaslichtpapier, also ein lichtempfindliches Papier gelegt.“

Max Slevogt: Hexenküche (Foto: Pressestelle, Landesmuseum Mainz, R.R. Steffens)
Faust und Mephisto, 1921, Glasklischee Pressestelle Landesmuseum Mainz, R.R. Steffens

Eine unterhaltsame Ausstellung, die die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen gut spiegelt

Die Mainzer Ausstellung zeigt jetzt erstmals diese Druckplatten, experimentelle Abzüge, das Rezeptbuch von Josef Grünberg und immer wieder köstliche Zeichnungen auf den Rändern von Briefen. Sie wurden im Museum zusammen mit Zitaten vergrößert an die Wand gemalt, dazwischen Vitrinen mit der Originalkorrespondenz und Mappenwerken.

Die neuesten Forschungen dazu kann man im Katalog nachlesen. Es ist eine Schau mit unterhaltsamen Geschichten, phantasievollen Bildern und gleichzeitig das Dokument einer außergewöhnlichen Freundschaft. Doch neben persönlichen Dingen ist es auch ein Spiegel der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Eine wunderbare Entdeckung!

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