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Schrille Farben, Muster und Formen: so präsentierten sich die Möbel des italienischen Designerkollektivs „Memphis“. Die jungen Designer brachen Anfang der 80er Jahre bewusst mit den Konventionen des Industriedesigns. Provokant setzten sie mit dem Anbruch der Informationsgesellschaft darauf, die geltenden Gesetze des guten Geschmacks zu brechen.

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Computer eroberten den Markt, und die Welt wurde globaler. Popkultur und Postmoderne verbanden sich zu einem wilden Mix. Die Gallery des Vitra Design Museums in Weil zeigt eine kleine, aber spannende Ausstellung mit den wichtigsten Werken der Gruppe, die sich am Höhepunkt ihres Erfolgs, 1987, wieder auflöste.

Ausstellung „Memphis - 40 Jahre Kitsch und Eleganz" im Vitra Design Museum Weil am Rhein (Foto: © Masanori Umeda © Studio Azzurro, courtesy Memphis, Milano, www.memphis-milano.com )
Das italienische Design-Kollektiv „Memphis“ entstand im Winter 1980/81, als sich um Ettore Sottsass eine Gruppe junger Designer versammelte. Sie wollten aus den Dogmen des Industriedesigns ausbrechen. (Bild: Das Memphis-Team auf dem Bett „Masanori” von Umeda Tawaraya, 1981) © Masanori Umeda © Studio Azzurro, courtesy Memphis, Milano, www.memphis-milano.com Bild in Detailansicht öffnen
Die Memphis-Entwürfe wirkten mit ihren schrillen Farben und Mustern wie aus einem Comic entsprungen und prägten einen völlig neuen Look, in dem sich Popkultur, Werbeästhetik und Postmoderne zu einem wilden Mix verbanden. (Bild: Peter Shire, Sessel „Bel-Air“, 1982) © Peter Shire © Vitra Design Museum, Foto: Jürgen Hans Bild in Detailansicht öffnen
Schon die Namensfindung der Gruppe hatte einen Hauch von Glamour: Der Name „Memphis“ stammt angeblich aus Bob Dylans Song „Stuck Inside of Mobile with the Memphis Blues Again“, der bei einem der ersten Treffen der Gruppe lief. (Bild: Ettore Sottsass, Lampe „Ashoka“, 1981) © VG Bild-Kunst, Bonn 2021 © Vitra Design Museum, Foto: Andreas Jung Bild in Detailansicht öffnen
Der endgültige Durchbruch erfolgte 1982, als Modezar Karl Lagerfeld seine Wohnung in Monte Carlo mit Memphis-Möbeln einrichtete. © Foto: Jacques Schumacher © VG Bild-Kunst, Bonn 2021 für Entwürfe von Ettore Sottsass Bild in Detailansicht öffnen
Karl Lagerfelds Apartment in Monte Carlo mit Memphis-Entwürfen, 1982 © Jacques Schumacher © VG Bild-Kunst, Bonn 2021 für Entwürfe von Ettore Sottsass Bild in Detailansicht öffnen
Zu den wichtigsten Memphis-Objekten zählen Sottsass’ raumgreifende Regalentwürfe, wie das Modell „Beverly“ (1981). Der Entwurf vereint Elemente wie einen Chrombügel, eine bunte Glühbirne und Laminate in Wurzelholz- und Schlangenhautoptik in einer meisterhaften Komposition zwischen Kitsch und Eleganz. © VG Bild-Kunst, Bonn 2021 © Vitra Design Museum, Foto: Jürgen Hans Bild in Detailansicht öffnen
Auch die Leuchte „Super“, die 1981 von Martine Bedin entworfen wurde, zählt zu den Memphis-Ikonen. Ihre halbkreisförmig gereihten Glühbirnen kennt man von Rummelplätzen – auf Räder gestellt und mit einem Kabel versehen, ergeben sie ein Lichtobjekt, das an ein Kinderspielzeug erinnert. © VG Bild-Kunst, Bonn 2021 © Vitra Design Museum, Foto: Andreas Sütterlin Bild in Detailansicht öffnen
Viele Mitglieder standen bei der Gründung der Gruppe am Anfang ihrer Laufbahn und wurden durch „Memphis“ weltweit bekannt. So sind Matteo Thun und Michele De Lucchi bis heute international als Industriedesigner tätig. (Bild: Michele De Lucchi, Tisch „Kristall“, 1981) © Michele De Lucchi © Vitra Design Museum, Foto: Jürgen Hans Bild in Detailansicht öffnen
Michele De Lucchi, Entwurfszeichnungen für Leuchten, 1981 © Michele De Lucchi Bild in Detailansicht öffnen
Die Ausstellung zeigt auch De Lucchis Stuhl „First“ (1983), bei dem kugelförmige Aufsätze auf den Armlehnen den Sitzenden wie Planeten umkreisen. © Michele De Lucchi © Vitra Design Museum, Foto: Jürgen Hans Bild in Detailansicht öffnen
Auch Nathalie Du Pasquier war ein wichtiges „Memphis“-Mitglied. Sie übertrug die Ideen der Gruppe auf raffinierte Textilmuster und Interieurentwürfe. (Bild: Nathalie du Pasquier, Zeichnung für ein Interieur, 1982) © Nathalie du Pasquier Bild in Detailansicht öffnen
Bis zur abrupten Auflösung der Gruppe 1987 blieb „Memphis“ ein eher loser Zusammenschluss gleichgesinnter Designer, von denen manche auch nur einzelne Entwürfe beisteuerten. (Bild: Shiro Kuramata, Tisch „Kyoto“, 1983) © Shiro Kuramata © Vitra Design Museum, Foto: Jürgen Hans Bild in Detailansicht öffnen
Die Ausstellung in der Vitra Design Museum Gallery ist eine Hommage an die kurze, aber umso intensivere Ära der Gruppe „Memphis“, deren Energie und Gestaltungswille bis heute faszinieren. (Bild: Sottsass Associati, Interieur für eine Ausstellung über italienisches Design in Tokyo, 1984) © Foto: Marirosa Ballo © VG Bild-Kunst, Bonn 2021 für Entwürfe von Ettore Sottsass Bild in Detailansicht öffnen
Weil am Rhein

Gespräch „Zwei Länder, eine Geschichte“ — Ausstellung über deutsches Design von 1949 bis 1989

Man sieht den Objekten nicht an, wie sehr sie politisch aufgeladen wurden“, sagt Erika Pinner über die Bedeutung des Designs im geteilten Deutschland. Bis heute werden viele Dinge als „typisch DDR“ oder „typisch Westen“ verkauft – was oft nicht der Fall ist. Der Plastik-Sessel „Senftenberger Ei“ (Ost) und der „Egg Chair“ (West) seien zum Beispiel identische Objekte. „Man muss sie nicht verorten.“ Vom Ost-Design sei nach der Wende vor allem eine Haltung geblieben, meint Erika Pinner in SWR2 Kultur Aktuell – eine Haltung, die heute wieder zeitgemäß sei, nämlich mit wenig Ressourcen viel zu gestalten. „Dafür sollten Designer heute endlich Respekt haben“.
Die Ausstellung im Vitra Design Museum Weil am Rhein läuft von 20. März bis 05. September 2021.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Rolandseck

Gespräch „Luxus und Glamour": Stipendiat*innen des Künstlerhauses Balmoral im Arpmuseum

Die Grenzen zwischen Kunst und Design, Kunst und Mode, Kunst und Kunsthandwerk haben sich in den letzten Jahren immer weiter aufgelöst, sagt Lotte Dinse, Leiterin des Künstlerhauses Schloß Balmoral, in SWR2.  mehr...

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Stuttgart

Atelierbesuch Der israelische Künstler Abi Shek in Stuttgart: Tief verbunden mit der Natur

Gut versteckt im Souterrain malt, werkelt und zeichnet der Künstler Abi Shek seit mehr als 20 Jahren in seinem Atelier im Stuttgarter Süden. Naturverbunden aufgewachsen in einem Kibbuz in Israel, widmet sich der 55-Jährige mit Vorliebe dem Holzschnitt und dem Blech. Seine meisten Darstellungen zeigen dabei Tiere: Für ihn eine Möglichkeit, dem Mensch einen Spiegel vorzuhalten.  mehr...

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