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Die Corona-Krise hinterlässt auch Spuren auf dem Kunstmarkt: „Es ist eine Krise in Angebot und Nachfrage“, meint Dirk Boll vom Londoner Auktionshaus „Christie's“ im Gespräch mit SWR2. Der Experte hat in einem Buch die Auswirkungen von Wirtschaftskrisen auf den Handel mit Kunst untersucht.

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Anders als bei der Finanzmarkt-Krise 2009 habe Corona bisher die Vermögen von Kunstinteressenten nicht angegriffen, glaubt Boll. Doch im Vergleich zu 2009 seien die Anbieter*innen besser vorbereitet und hätten ihre digitalen Präsenzen inzwischen ausgebaut.

Bolls Prognose für die nahe Zukunft lautet: „Die größte Zahl der der Angebote wird digital vermittelt werden“. Das gelte vor allem für das untere und mittlere Marktsegment: „Die Grenze hat sich massiv nach oben verschoben“. Immer mehr Nachfragende böten bei Auktionen per Internet-Gebot mit, statt per Brief oder per Telefon.

Wie bei Luxusartikeln, etwa Handtaschen, vertrauten die Menschen inzwischen digitalem Kunstgenuss. „Das analoge Erlebnis hat sich auf einen Zeitpunkt nach dem Ankauf verlagert“, meint Boll. Der studierte Jurist, der seit 1998 für „Christie's“ arbeitet, glaubt nicht, dass nach dem Ende der Krise alles wieder so werde wie vor der Krise: „In anderen Industrien war es auch nicht so. Es würde mich überraschen, wenn alles so wird wie vorher“.

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