Neuer Altar zum 1000-jährigen Domjubiläum Stampfen für den Wormser Lehmaltar

Von Sebastian Grom

Zum 1000-jährigen Jubiläum des Wormser Doms entsteht in der Domkirche ein ungewöhnliches sakrales Bauwerk: ein Altar aus Lehm. Beim Stampfen des Lehms helfen viele Gemeindemitglieder mit. Die Idee ist vom Künstlerduo Anna Heringer und Martin Rauch. Beide betreuen auch die Umsetzung.

Ein Altar für viele Generationen

Der Wormser Propst Tobias Schäfer steht im Altarraum des Wormser Doms. In seiner Hand hält er eine große Bauarbeiterschaufel, mit der er nach und nach Lehm in eine Art Holzquader schippt. Es ist die Verschalung für den neuen Altar, der hier entsteht.

Der Dompropst höchstpersönlich darf die erste Fuhre Lehm in die Holzkonstruktion hineinschaufeln. „Gerade vorhin, als wir das Segensgebet gesprochen haben, hat mich das sehr bewegt" sagt er. Solch ein Altar sei für viele Generationen angelegt. Und das erlebe nicht jede Generation, dass man für solch einen Dom einen neuen Altar baue.

Wie die Wormser aus Lehm einen Altar stampfen

Lehm Altar Worms (Foto: SWR, SWR - Foto: Sebastian Grom)
An der Stelle im Wormser Dom, wo der künftige Altar stehen wird, haben die Künstler Martin Rauch und Anna Heringer eine feste Schalung aufgebaut. Sie soll mit Lehm gefüllt werden. SWR - Foto: Sebastian Grom Bild in Detailansicht öffnen
Im Auftrag des Wormser Dompropstes Tobias Schäfer (rechts) haben Martin Rauch und Anna Heringer das künstlerische Konzept für den Lehmaltar entwickelt und betreuen die Gestaltung. SWR - Foto: Sebastian Grom Bild in Detailansicht öffnen
Am Boden der Schalung: eine Fundamentplatte mit Hinweisen zum Bau des Altars. Die Schalung wird mit Lehm ganz aufgefüllt. SWR - Sebastian Grom Bild in Detailansicht öffnen
Ganz einfach mit der Schubkarre wird der Baustoff in den Dom transportiert: Lehm. SWR - Sebastian Grom Bild in Detailansicht öffnen
Für den Altar verwenden die Künstler Lehm aus verschiedenen Ländern, auch wegen der theologischen Bezüge. Laut der biblischen Schöpfungsgeschichte ist der Mensch aus Lehm gemacht. Zugleich ist es der älteste Baustoff der Menschheit, erinnert also auch an eine lange Kulturgeschichte. SWR - Sebastian Grom Bild in Detailansicht öffnen
Die erste Schaufel Lehm für den neuen Altar - sie ist dem Dompropst vorbehalten. Tobias Schäfer macht den Auftakt für das sakrale Bauwerk. SWR - Foto: Sebastian Grom Bild in Detailansicht öffnen
Am Boden der Schalung achtet Martin Rauch darauf, dass die Erde gleichmäßig verteilt wird. SWR - Foto: Sebastian Grom Bild in Detailansicht öffnen
Beim Feststampfen des Lehms in der vorgesehenen Schalung im Wormser Dom helfen viele Mitglieder der Gemeinde mit. SWR - Sebastian Grom Bild in Detailansicht öffnen

Lehm hat biblische Bedeutung

Der neue Altar besteht nicht - wie so häufig aus Beton oder Stein, sondern aus Lehm. Nicht nur der älteste Baustoff der Menschheit - sondern auch einer mit einer großen biblischen Bedeutung.

Denn als Gott die Welt geschaffen habe, erklärt Schäfer, habe er auch den Menschen aus Lehm geformt. "Ich finde das eine unheimliche tiefe Symbolik, dass aus diesem Material, aus dem alles entstanden ist, jetzt dieser neue Altar entsteht."

Gemeinschaft soll gestärkt werden

Eine noch tiefere Symbolik dürfte allerdings die Bauweise haben. Denn Wormser Katholiken stellen den neuen Altar gemeinsam her. Wer will, kann in den Dom kommen, Lehm in die Form schaufeln und das Ganze dann feststampfen.

Lehmaltar Worms1 (Foto: SWR, SWR - Foto: Sebastian Grom)
Im Auftrag des Wormser Dompropstes Tobias Schäfer (rechts) haben Martin Rauch und Anna Heringer das künstlerische Konzept für den Lehmaltar entwickelt und betreuen die Gestaltung. SWR - Foto: Sebastian Grom

Die Idee hierfür stammt von Martin Rauch und Anna Heringer, einem Künstlerduo aus Süddeutschland. Die beiden arbeiten viel im Ausland, beispielsweise in Bangladesch oder Tansania.

Anna Heringer hat die Erfahrung gemacht, dass der Bauprozess dort genauso wichtig ist wie das Gebäude später. Man baue eine Schule auf und gleichzeitig eine Gemeinschaft, sagt sie. Und das sei etwas, was wir von diesen Ländern lernen könnten.

Symbolische Gegenstände werden eingearbeitet

Diese Idee findet großen Gefallen. Immer wieder strömen Menschen in den Dom. Manche bewusst, andere eher zufällig.

Lehm Altar Worms 3 (Foto: SWR, SWR - Sebastian Grom)
Beim Feststampfen des Lehms in der vorgesehenen Schalung im Wormser Dom helfen viele Mitglieder der Gemeinde mit. SWR - Sebastian Grom

Viele wollen an der künstlerischen Gestaltung des Altars mitwirken, für die meisten ist es ein besonderer Moment, natürlich auch für den Dompropst Tobias Schäfer: "Wir legen unterschiedliche Zeichen und Symbole hinein, die für das Gemeindeleben und die Geschichte des Ortes stehen. Tonscherben zum Beispiel, die hier bei Ausgrabungen gefunden wurden. Oder Pins, die die Messdiener bei ihrer Wallfahrt nach Rom mit anderen Messdienern aus aller Welt eingetauscht haben."

Altar muss zwei Monate trocknen

Bis zum 24. August muss an dem Altar noch gearbeitet werden. Dann braucht er vor allem eines: Zeit zum Trocken. Etwa zwei Monate wird das dauern. Dann ist der neue Mittelpunkt des Wormser Doms fertig. Im November soll er geweiht werden - bestimmt wieder ein besonderer Moment für Propst und Gemeinde.

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