Gespräch

Welche Bilder müssen sein? Kriegsfotografin Ursula Meissner zum Fotografieren in Zeiten des Krieges

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Rainer Volk

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Pietät vor den Opfern

,,Ich will zeigen, wie schlimm der Krieg für die Opfer ist", sagt die Kriegsfotografin und Dozentin für Fotojournalismus an der Universität Trier, Ursula Meissner, im Gespräch mit SWR2. Deshalb sollen ihre Bilder beim Betrachten auch wehtun.

Zwar zeige sie aus Pietät vor den Opfern nicht eine komplett zerstückelte Leiche, ,,aber vielleicht die Füße und die Blutlache", erklärt die Fotografin. ,,Sie müssen sich vorstellen, jetzt zum Beispiel in der Ukraine, von heute auf morgen ist das Leben anders und es wird nie mehr so sein, wie es war."

Großer Druck bei der Arbeit, auch, um zu überleben

Als Kriegsfotografin trägt Ursula Meissner eine große Verantwortung bei der Berichterstattung, gleichzeitig riskiert sie bei der Arbeit ihr Leben. Bisher wurden drei Journalisten in der Ukraine getötet, mehr als 30 verletzt. ,,Bei der Arbeit ist man in einer Art Flow, ich muss ja aufpassen, dass ich überlebe", bestätigt Meissner, "es ist verdammt schwer, nicht zu wissen: Wo fällt die nächste Granate, wo sind vielleicht Heckenschützen - man ist immer unter Druck und muss funktionieren."

Meissner, die auch schon aus Bosnien, Afghanistan und dem Irak als Fotojournalistin gearbeitet hat, gibt zwar zu, dass auch für ihre Arbeit gilt, sich nicht gemein machen zu wollen mit der einen oder anderen Partei. Sie sieht aber auch, dass die großen Vorbilder als Kriegsfotografen wie etwa Robert Capra Partei genommen hätten. Es sei auch wahr, dass die Kriegsbilder großer Fotografen, bei allem Schrecklichen, eine gewisse ästhetische Schönheit besäßen. ,,Die großen Kriegsfotografen - die können das alle", meint Meissner und urteilt: ,,Das ist ein ganz schmaler Grat."

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