Ausstellung

Was kann uns heilen? –„Healing“-Traditionen im Weltkulturen Museum Frankfurt

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AUTOR/IN
Sina Weinhold

Wie kann ein Leben im Gleichgewicht funktionieren? Was hat es mit der vielbeschworenen Ganzheitlichkeit auf sich und können uns die Traditionen und Rituale indigener Völker dabei helfen? Die Ausstellung im Weltkulturen Museum Frankfurt will nicht Heilsversprechen liefern, sondern anregen. Es geht dabei nicht nur um gesundheitliches, sondern auch um soziales und kulturelles Wohlbefinden.

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Können wir von indigenen Völkern „Heilen“ lernen?

Die Geschichte heilen, den Kolonialismus, den Wald, das Meer – und damit auch sich selbst – eine ziemlich spirituelle These, auf der die Ausstellung in Frankfurt basiert, manifestiert im Oberbegriff „healing“. Es geht um ganzheitliche Heilung und um Lösungsansätze, die überwiegend von indigenen Völkern kommen. Ein Ansatz, der zum Museum der Weltkulturen passt. 

Healing - Museum der Weltkulturen (Foto: Pressestelle, Wolgang Günzel)
Zubehör für schamanische Rituale. Pressestelle Wolgang Günzel

„Ich persönlich habe mich für das Wort „healing“ entschieden, weil es einen Verlauf beschreibt, diese ing-Form – „healing“ – ist mehr als Heilung oder heilen.“

Reagiert der Mensch auf VIbrationen des Heilgesangs?

Zu sehen sind Masken, spezielle Tontöpfe und Holzhocker, Zubehör, das Schamanen zur Durchführung ihrer Rituale benötigen. Die Multimediakünstlerin Naziha Mestaoui visualisiert schamanische Heilgesänge, die Vibrationen in einer mit Wasser gefüllten Schale erzeugen, ein Verweis auf die mögliche Reaktion des Heilgesangs auf den menschlichen Körper, der zum Großteil aus Wasser besteht.

Healing - Museum der Weltkulturen (Foto: SWR, Sina Weinhold)
Besucherin testet Wirkung der Quarzkristalle. Sina Weinhold

„In Europa haben wir die Verbindung verloren zu unseren spirituellen Wesen, die um uns herum sind …, diese Kräfte, die sich positiv auswirken, wenn wir in die Natur gehen.“

Restitution als kollektiver Heilungsprozess

Die Rückgabe von Gegenständen an die Gemeinschaft, aus der sie kamen, ist ein gutes Beispiel für kollektives Healing. Für die Ausstellung hat das Frankfurter Museum der Weltkulturen selbst einen Heilungsprozess angestoßen: eine Restitution. Das Lederhemd eines Anführers der nordamerikanischen Teton-Lakota wurde an dessen Urenkel (Chief Duane Hollow Horn Bear) zurückgegeben. Im Museum kann es immer noch betrachtet werden, virtuell, als Hologramm. 

Healing - Museum der Weltkulturen (Foto: Pressestelle, Wolgang Günzel)
Das Dakota-Lederhemd, ehemals Sammlung Weltkulturen Museum. Pressestelle Wolgang Günzel

Quarzkristalle der Performancekünstlerin Marina Abramovich

Die Installation mit Quarzkristallen der renommierten Performancekünstlerin Marina Abramovich hingegen, macht es den BesucherInnen leicht: „Bitte Podeste betreten und heilen“, so der kurze Hinweis zu ihrer healing-Methode.

Healing - Museum der Weltkulturen (Foto: Pressestelle, Sina Weinhold)
Installation "Standing Stuctures for Human Use", Holzstelen mit Quarzkristallen von Marina Abramović. Pressestelle Sina Weinhold

„Healing“, so der Titel der Frankfurter Ausstellung ist kein Heilsversprechen, sondern muss zuallererst als Aufforderung gelesen werden, Heilungsprozesse aktiv herbeizuführen. Die vielfältige Schau funktioniert vor allem assoziativ. Im eingangs erwähnten Begleitheft ist Platz für eigene Gedanken: Wie könnte mein Weg zu „healing“ aussehen? Wie möchte ich zur Heilung der Welt beitragen?

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