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Der Mainzer Unternehmer Felix Ganz besaß eine bedeutende Sammlung islamischer und ostasiatischer Kunst. Doch 1934 beschlagnahmten die Nationalsozialisten sein Unternehmen, später auch sein Haus und seine Sammlung. 1944 wurden Felix Ganz und seine Frau in Auschwitz ermordet. Adam Ganz, Urenkel von Felix Ganz, versucht gemeinsam mit Kunstwissenschaftler*innen herauszufinden, welche Werke der Sammlung noch erhalten sind und wo sie sich befinden.

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Adam Ganz (Foto: Familie Ganz)
Urenkel von Felix Ganz: Adam Ganz Familie Ganz

Welche Stücke befanden sich genau in der Sammlung von Felix Ganz? Welche sind davon heute noch erhalten und wo befinden sich die Kunstwerke? Diesen Fragen gehen der Urenkel von Adam Ganz gemeinsam mit der Provenienzforscherin Nathalie Neumann und dem Institut für Kunstwissenschaft an der Uni Mainz nach.

Gute vernetzt: Der Sammler Felix Ganz

Der Sammler Felix Ganz, 1869 in Mainz geboren, übernahm die elterliche Firma für Orientteppiche und feine Textilien. Er hatte großen Erfolg und baute sein Teppichgeschäft kontinuierlich aus. Im Importhandel und in der Fabrikation von Teppichen war die Fima eine der größten Deutschlands, mit Niederlassungen in Konstantinopel, Tiflis und Smyrna sowie Ladengeschäften nicht nur in Mainz und Wiesbaden, sondern auch in Berlin.

Die vielen Reisen ermöglichten es ihm, seine bedeutende Sammlung von islamischer und ostasiatischer Kunst stetig auszubauen. Außerdem war Felix Ganz bestens vernetzt in Mainz, befreundet mit Familie von Opel , Mitglied des historischen Vereins, Stifter des römisch-germanischen Museums, Schriftführer der Gutenberggesellschaft und Mitglied der Liedertafel.

Ein Teil der Sammlung ist identifiziert

Ein Teil der Sammlung von Felix Ganz konnte anhand weniger vorliegender Dokumente identifiziert werden, durch Briefe und die Entschädigungsanträge der drei Kinder von Felix Ganz nach dem Krieg. So konnte eine Madonnenstatue, die bei einer Ausstellung 1925 im Mainzer Schloss gezeigt wurde, zweifelsfrei der Sammlung zugeschrieben werden. Sie wird inzwischen über die Datenbank „Lost art“ gesucht.

Die Mainzer Kunsthistorikerin Natalie Neumann zählt auf, welche Stücke Teil der Sammlung von Felix Ganz gewesen sein müssten:

  • „Altchinesische Fayencen aus Ton,  ursprünglich Grabbeigaben aus der Tang-Epoche,
  • Fayencen aus Altpersien, aus Spanien, aus Syrien,
  • Ein kleiner japanischer Tempel, der im Garten des Hauses auf dem Michelsberg in Mainz stand.
  • Ein japanisches Seidenbild,
  • fünf chinesische Tuschrollbilder
  • persische Wandvertäfelungen, antike Teppiche, darunter Seidenteppiche, Stickereien aus dem ganzen Orient und mehr.

Der Urenkel Adam Ganz recherchiert seit 2003

Urenkel Adam Ganz, der in London lebt, recherchiert seine Familiengeschichte seit 2003. Je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird die Recherche nach der geraubten Sammlung von Felix Ganz. Deshalb wenden sich Adam Ganz und die Kunsthistorikerin Natalie Neumann jetzt an die Öffentlichkeit:

„Was wir jetzt versuchen ist, Felix Ganz in ein Netzwerk seiner Beziehungen zu stellen, um zu prüfen, wer außer der Familie und den Zeugen im Wiedergutmachungsantrag die Sammlung hätte sehen bzw. sogar fotografieren können. Wir suchen entsprechend Sammler, Freunde, mit denen er sich hätte austauschen können.“

Kunsthistorikerin Natalie Neumann

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