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Ovid, Gottfried Helnwein & Instagram — Metamorphose der Frau in einer Ausstellung der Opelvillen Rüsselsheim

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Die Verwandlung war schon in der Antike das Leib- und Magenthema von Ovid. Jetzt steht die Metamorphose der Frau im Vordergrund der neuen Ausstellung „Daphne ohne Apoll" in den Opelvillen Rüsselsheim. Anhand von mehr als 100 Werken aus der Sammlung Klöcker aus Bad Homburg ist ein Querschnitt von künstlerischen Frauendarstellungen der Nachkriegszeit bis heute zu sehen.

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Im Fokus steht die Verwandlung

Tanzende Frauen, die Lebensfreude pur versprühen. Voller Kraft und Energie marschieren sie auf, tragen Speere, sind kampfeslustig und springen ihrem Sieg entgegen. Zu sehen auf dem großen farbigen Band, dass Nancy Spero, eine der ersten feministischen Künstlerinnen in New York gestaltet hat. Seit den 1960er-Jahren beschäftigt sie sich in ihrer Kunst ausschließlich mit Frauen. Im Fokus der Ausstellung steht die Verwandlung - wie sie schon Ovid in seinen Sagen über den Wandel von Mensch, Tier und Natur beschrieben hat. In den Opelvillen steht insbesondere die Frau im Vordergrund.

Das Mädchen in Soldatenkleidung ist ein Ölgemälde des österreichisch-irischen Künstlers Gottfried Helnwein aus dem Jahr 2007. Es trägt den Titel „Die Schrecken des Krieges.“ Gerade jetzt im Ukraine-Konflikt bekommt es eine bedrückende Aktualität.

Blick auf Frauen - Opelvillen Rüsselsheim (Foto: Pressestelle, SWR, Gottfried Helnwein & VG Bild-Kunst, Bonn 2022)
Gottfried Helnwein, The Disasters of War 12, 2007 Pressestelle Gottfried Helnwein & VG Bild-Kunst, Bonn 2022 Bild in Detailansicht öffnen
Nancy Spero, The Execution, Detail, 1994, oben Teil 1 und unten Teil 2. Pressestelle VG Bild-Kunst, Bonn 2022 Bild in Detailansicht öffnen
Wolfgang Mattheuer, Daphne, 1977 Pressestelle Martin Url, VG Bild-Kunst, Bonn 2022 Bild in Detailansicht öffnen
Juul Kraijer, Ohne Titel, 2014 Pressestelle Juul Kraijer, Martin Url Bild in Detailansicht öffnen
Maria Lassnig, Subway, 1987: Maximale Veränderung - nämlich die vom Objekt zum Subjekt, nimmt Maria Lassnig vor. Pressestelle VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Martin Url Bild in Detailansicht öffnen
Kiki Smith, Flower Head 2, 2012: Die Künstlerin Kiki Smith ist fasziniert vom Phänomen der Natur. Hier ein weiblicher Kopf, aus dem Blumenblätter zu sprießen scheinen. Beim Anblick des Werks stellt sich die Frage: Was wäre, wenn wir eine Blume wären? Pressestelle Kiki Smith, Courtesy of the artist, Martin Url Bild in Detailansicht öffnen
Gerhard Richter, Elisabeth I. (1966) Pressestelle Gerhard Richter 2022, Martin Url Bild in Detailansicht öffnen
Der im Jahr 2000 gestorbene Franzose Eugène Leroy nennt diesen Ölgemälde „Long Nu“. Nur noch der Titel lässt auf das Dargestellte schließen. Um die nackte Frau zu entdecken, muss der Betrachter weiter weg gehen. Denn der weibliche Akt ist quasi in dem verkrusteten Gemälde versteckt. 30 Kilo Farbe benutzte der Künstler für dieses Werk. Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Dr. Beate Kemfert ist die Kuratorin der Ausstellung. Ihr fielen in der Sammlung Klöcker die vielen Frauendarstellungen auf. Pressestelle Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim Bild in Detailansicht öffnen

Wie ein Mahnmal in Kriegszeiten: Wolfgang Mattheuers „Daphne“

Ebenso wie die „Daphne“ von Wolfgang Mattheuer (Bild im Audio). In der antiken Mythologie wollte sich die Nymphe Daphne ihrem Verfolger Apoll nicht ausliefern und verwandelte sich in einen Lorbeerbaum. Heute wirkt seine Daphne aus dem Jahr 1977 wie ein Mahnmal in Kriegszeiten. In den meisten Darstellungen sind Daphne und Apoll zusammen zu sehen.

Aber Wolfgang Mattheuer beschränkt sich nur auf die Frau. Händeringend und hilfesuchend zieht die Skulptur sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Wegweisend, sagt Kuratorin Beate Kemfert: „Der Körper ist wie ein Stamm, die Arme ranken empor, die Äste sind wie Finger, die Daphne ist schon relativ verwandelt. Also Daphne ohne Apoll.“

Blick auf Frauen - Opelvillen Rüsselsheim (Foto: Pressestelle, SWR, Martin Url, VG Bild-Kunst, Bonn 2022)
Wolfgang Mattheuer, Daphne, 1977 Pressestelle Martin Url, VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Die digitalen Medien sind auf den zweiten Blick präsent

Alle Arbeiten bedienen sich klassischer Techniken wie Malerei, Plastik, Zeichnung oder Collage. Trotzdem sind die digitalen Medien auf den zweiten Blick präsent. Zum Beispiel in einer Papiercollage des Künstlers TOMAK, die Umrisse einer Frauengestalt zeigt. Deren Augen und Lippen eifern heutigen vermeintlichen Schönheitsidealen nach, wie sie unter anderem seit der Existenz der Social Media Platform „Instagram“ zunehmend verbreitet werden.

Maximale Veränderung - nämlich die vom Objekt zum Subjekt, nimmt Maria Lassnig vor. Ein rosafarbener Sessel lümmelt sich dahin, bekommt die Silhouette einer Frau, die es sich gerade vor dem Fernseher gemütlich machen zu scheint.

Blick auf Frauen - Opelvillen Rüsselsheim (Foto: Pressestelle, SWR, VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Martin Url)
Maria Lassnig, Subway, 1987: Maximale Veränderung Pressestelle VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Martin Url


Die ganz unterschiedlichen Exponate in den Opelvillen lassen einen gleichermaßen schmunzeln und staunen. Und sie spiegeln mögliche Veränderungen und Transformationen in der Kunst in großer Dichte und anschaulichen Beispielen wider. Ovid wäre begeistert.

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