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Ausstellung Japanische Propaganda-Kimonos sorgen für Aufsehen in Heidelberg

Von Martina Senghas

Die neue Sammlung des Völkerkundemuseums Heidelberg, die sich das Haus zu seinem 100. Geburtstag geleistet hat, sorgt in Fachkreisen bereits für Aufsehen: sogenannte Propaganda-Kimonos aus Japan aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit Kriegsmaschinerie und Militär-Accessoires bedruckt zeigen sie ein ganz anderes Japanbild, jenseits von Kirschblüten- und Geishaklischees.

Große Aufregung im alten Barockpalais in der Heidelberger Altstadt. Es ist das erste Mal seit Langem, dass sich das Heidelberger Völkerkundemuseum eine umfangreiche Neuerwerbung leisten konnte.

Nun hängen die ersten von 52 Kimonos an der Wand, teilweise in Kindergröße. Ihr Design entspricht wirklich gar nicht dem üblichen Bild, das man von diesem Textil hat.

Einzigartige Japan-Sammlung

„Ich bin richtig erschüttert, in welchen Details diese Kriegsmaschinen verherrlicht wurden“, sagt Melanie Trede, Professorin für ostasiatische Kunstgeschichte in Heidelberg. „Die Propaganda hat so effektiv gewirkt, dass Mann und Frau, Mädchen und Jungs, sich solche Dinger angezogen haben.“

Ausschnitt aus einem japanischen Propaganda-Kimono im Völkerkundemuseum Heidelberg

Ausschnitt aus einem japanischen Propaganda-Kimono im Völkerkundemuseum Heidelberg

Melanie Trede arbeitet seit vielen Jahren mit dem Museum zusammen. Dessen Japan-Sammlung sei einzigartig, meint sie, ihre Wissenschaftskollegen staunten immer wieder darüber, welche Schätze hier zu entdecken sind.

Japan jenseits der Kirschblütenklischees

Auf den neuerworbenen Kimonos sind gleichzeitig Militärflugzeuge und fliegende Tauben zu sehen, Hakenkreuzfahnen vor dem Fujiyama aber auch das Heidelberger Schloss oder der Eifelturm. Sie ergänzen den Bestand sehr passend und ermöglichen den Blick auf ein ganz anderes Japan.

Melanie Trede: „Was mich traurig macht, ist, wenn Ausstellungen mit Titeln wie „Kirschblütenträume“ oder „Geisha und Samurai“ die alten Japanklischees aufkochen und damit die Realität übertünchen.“

Zum Beispiel die Tatsache, dass Japan nach 1900 mit viel militärischer Gewalt versuchte, den asiatischen Kontinent zu kolonisieren und ähnliche Großmachtphantasien hatte wie das verbündete Hitlerdeutschland.

Propaganda-Kimonos in einer Ausstellung im Völkerkundemuseum Heidelberg

Die Kimonos verbildlichen die militärischen Großmachtsphantasien Japans zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Gemeinschaftskauf dreier Museen

Wie verbreitet die Propaganda-Kimonos waren und welche Rolle zwischen Militarisierung und Modernisierung des Landes sie spielten, muss noch genauer erforscht werden. Bemerkenswert ist: das Konvolut, das ein Kunsthändler auf den Markt brachte, umfasst insgesamt mehr als 200 Objekte.

Da diese aber für ein Museum allein zu teuer waren, haben sich drei Häuser zusammengetan: Das Lindenmuseum in Stuttgart, das Museum Fünf Kontinente in München und das Völkerkundemuseum in Heidelberg, mitfinanziert von der Kulturstiftung der Länder.

Über die Summe erfährt man nichts. In Heidelberg hat nicht zuletzt noch eine private Spende die Beteiligung an dem Projekt ermöglicht.

Die Direktorin des Völkerkundemuseums Heidelberg Margareta Pavaloi freut sich. „Die Muster der Kimonos entfalten ihre ganz eigene Geschichte, in der sie entstanden sind. Die Vielfalt dahinter ist sehr interessant.“

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