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Alles ist Design. Auch Weinflaschen oder Obstkisten, die viele Jahrhunderte in Handarbeit entstanden und mit den veränderten Konsumgewohnheiten der Industriegesellschaft Massenware wurden.

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Vitra Design Museum: „Typologie“ (Foto: Atipo)
Weshalb erobern manche Produkte den Markt und behalten ihre Form, aber andere Gegenstände verändern sich im Laufe der Zeit? Diesen Fragen gingen junge französische Designer für die Ausstellung nach. — Im Bild: Raúl García del Pomar und Ismael González, Cassanet-Werbung (Ausschnitt), 2011 Atipo Bild in Detailansicht öffnen
Sie suchten sich — sehr französisch — dafür die Boulekugel, den Weinkorken und die Weinflasche aus. — Im Bild: Studie zur Weinflasche (Verallia Glas-Fabrik, Albi) Frankreich, 2019 Collections Typologie Bild in Detailansicht öffnen
Die Weinflasche, ein geschwungener Körper mit Hals, sieht im Prinzip schon seit zweitausend Jahren so aus. Wobei ihr Volumen, die 750ml, vom britischen Handel beeinflusst wurde. — Im Bild: La bouteille de vin (Buchcover), 2019 Collections Typologie Bild in Detailansicht öffnen
„Das sind 1/6 der britischen Gallone. Die Briten hatten zuerst angefangen, mit Wein zu handeln und diese Flaschengröße etabliert und über Jahrhunderte hinweg hat sie für uns auch gepasst. Sie passt gut in die Hand, ist gut hochzuheben“, erklärt Kuratorin Viviane Stappmanns. — Im Bild: Studie zum Korken (Amorim & Irmãos KorkenFabrik, Mozelos), Portugal, 2019 Collections Typologie Bild in Detailansicht öffnen
Der Korken zeigt sich in vielen Mikrovariationen, entwickelt als Reaktion auf verschiedene Flaschen mit unterschiedlichem Druck. — Im Bild: Le bouchon en liège (Buchcover), 2019 Collections Typologie Bild in Detailansicht öffnen
Ein Film und Texte an den Wänden ergänzen die kleine Ausstellung, auch wenn sie nicht alle Fragen beantworten kann — z.B. weshalb Alltagsdesign oft so resistent gegen Veränderungen ist. — Im Bild: Korkensammlung des portugiesischen Wirtschaftsministeriums zur Förderung der Korkindustrie, ca. 1930 Archiv Amorim & Irmãos Bild in Detailansicht öffnen
Aber sie kann Anregungen geben, gerade für junge Designer*innen, die unsere Zukunft mitgestalten. — Im Bild: Pétanque-Meisterschaft in Frankreich, Perpignan, 1968 La Boule Obut Archiv Bild in Detailansicht öffnen
Die Boulekugel, zu Beginn aus Stein, dann aus Holz mit Nägeln versehen, um ihr mehr Gewicht zu verleihen, schließlich aus Stahl. — Im Bild: Studie zur Pétanque-Kugel (Obut Boule-Fabrik, Saint-Bonnet-le-Château) Frankreich, 2017 Collections Typologie Bild in Detailansicht öffnen
Generationen von Spieler*innen haben das Design der Kugel erprobt und verbessert. — Im Bild: Übersicht möglicher Riefelungen auf Boule-Kugeln, 1965 La Boule Obut Archiv Bild in Detailansicht öffnen
Im Auftrag des Vitra Design Museum haben sich die jungen Designer noch zusätzlich mit der Geschichte der Obst- und Gemüsekiste auseinandergesetzt. Für ihre Recherche mussten sie z.T. ins Museum, wo sie auf alten Gemälden Marktszenen analysierten. — Im Bild: Studie zur Obst- und Gemüsekiste (Cam Nouvelle HolzFabrik, Nueil-les-Aubiers), Frankreich, 2019 Collections Typologie Bild in Detailansicht öffnen
Sie fanden heraus, dass auch die Obstkiste durch gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen im Laufe der Zeit Wandlungen unterworfen war. Viviane Stappmanns: „Die Obstkiste war vor vielen Jahren ein Obstkorb, man transportierte den Überschuss, den man in seiner Subsistenzwirtschaft im Garten erwirtschaftet hatte, mit kurzer Distanz zum Markt.ׅ“ — Im Bild: Studie zur Obst- und Gemüsekiste, 2019 Collections Typologie - Vitra Design Museum Weil Bild in Detailansicht öffnen
Durch die Verstädterung und die Landwirtschaft, die sich außerhalb der Stadtmauern abgespielt hat und die Industrialisierung der Landwirtschaft, hätte es immer mehr standardisierte Behältnisse gebraucht. Und so wurde aus individuellen Körben zunächst eine Kiste und dann diese ganz dünne Obstkiste aus Pappelholz, die man heute kenne, erklärt Viviane Stappmanns. — Im Bild: Studie zur Obst- und Gemüsekiste (Cam Nouvelle HolzFabrik, Nueil-les-Aubiers), Frankreich, 2019 Collections Typologie Bild in Detailansicht öffnen
Fazit: Auch der einfachste Gegenstand wie eine banale Kiste, sagt viel aus über das historisch gewachsene Zusammenspiel zwischen Konsumgewohnheiten und der Entwicklung von Handarbeit, die später industriell gefertigt wurde. — Im Bild: Studie zur Obst- und Gemüsekiste, 2019 Alberto Strada, Collections Typologie Bild in Detailansicht öffnen

Die kleine Ausstellung in der Vitra Design Museum Gallery in Weil am Rhein zeigt, wie Alltagsgegenstände sich durch politischen oder technischen Wandel verändern und sie will unsere Beziehung zu diesen Dingen kritisch hinterfragen.

Die Ausstellung „Typologie. Eine Studie zu Alltagsdingen“ ist in der Vitra Design Museum Gallery in Weil am Rhein noch bis 24.1.2021 zu sehen.

Ausstellung „Life doesn't frighten me" in Frankfurt: Warum das Model Michelle Elie das Modelabel Comme des Garçons so liebt

Das Modelabel Comme des Garçonn der japanischen Modeschöpferin Rei Kawakubo, das erstmals 1981 auf Pariser Modeschauen vorgestellt wurde, galt als skandalös. Die deformierenden Schnitte nahmen keine Rücksicht auf Konventionen und Schönheitsideale. Das wiederum wurde von dem schwarzen Model und der heutigen Mode-Ikone Michelle Elie bewundert, die sich Rassismus und Ausgrenzung ausgesetzt sah, die Kawakubos Entwürfe leidenschaftlich sammelte. Die Ausstellung „Life doesn't frighten me" im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt zeigt jetzt diese ungewöhnliche Kollektion, die ein Statement ist modern übersteigerte Schönheitsideale.  mehr...

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