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Fred Uhlman war Anwalt in Stuttgart und floh 1933 vor den Nationalsozialisten über Frankreich und Spanien nach England. Dort gründete er eine Familie und machte Karriere als Künstler und Autor. Anlässlich seines 120. Geburtstages wird sein Grafik-Zyklus „Captivity“ erstmals 2021 in der Staatsgalerie Stuttgart gezeigt.

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Die Hoffnung ist stärker als Kriegsgräuel

„Captivity“, Gefangenschaft, nennt Fred Uhlman seinen düsteren Zyklus, den er mit feinem schwarzem Strich gezeichnet hat: Ein etwas anderer Totentanz, denn aus den Grabhügeln und Schädeln wachsen Blumen — Zeichen der Hoffnung.

Entstanden ist der Zyklus in einem Camp auf der Isle of Man, wo ab 1940 unter anderem deutsche Immigrant*innen als feindliche Ausländer*innen interniert werden. Dort lernte er auch Kurt Schwitters kennen.

»Trotz allem« Fred Uhlman (Foto: Pressestelle, Staatsgalerie Stuttgart, © The Estate of Fred Uhlman)
Die toten Feldherren (aus „Captivity“), 1940 Pressestelle Staatsgalerie Stuttgart, © The Estate of Fred Uhlman Bild in Detailansicht öffnen
Schlachtfeld (aus „Captivity“), 1940 Pressestelle Staatsgalerie Stuttgart, © The Estate of Fred Uhlman Bild in Detailansicht öffnen
Totentanz zu dritt (aus „Captivity“), 1940 Pressestelle Staatsgalerie Stuttgart, © The Estate of Fred Uhlman Bild in Detailansicht öffnen
Landschaft mit Erhängtem (aus „Captivity“), 1940 Pressestelle Staatsgalerie Stuttgart, © The Estate of Fred Uhlman Bild in Detailansicht öffnen
Menschen hinter Stacheldraht (aus „Captivity“), 1940 Pressestelle Staatsgalerie Stuttgart, © The Estate of Fred Uhlman Bild in Detailansicht öffnen
Skeletthügel (aus „Captivity“), 1940 Pressestelle Staatsgalerie Stuttgart, © The Estate of Fred Uhlman Bild in Detailansicht öffnen

Flucht vor den Nazis ins Exil

Eine absurde Situation, denn Uhlman muss als SPD-Mitglied und Sohn eines jüdischen Vaters vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten nach Großbritannien fliehen. Seine Erlebnisse schrieb er später auch in der Autobiografie „The Making of an Englishman. Erinnerungen eines deutschen Juden“ nieder.

Erstmals in der Staatsgalerie zu sehen

Obwohl sich Uhlmann seiner schwäbischen Heimat immer verbunden fühlte — er hatte das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart besucht und in Tübingen, aber auch Freiburg und München studiert—, kehrte er nach dem Krieg nur ein paar Mal nach Stuttgart zurück. Der Staatsgalerie schenkte der Autodidakt fast 40 Zeichungen seines Grafik-Zyklus', der nun erstmals dort ausgestellt wird.

Die Ausstellung „Trotz allem. Fred Uhlman — ein jüdisches Schicksal“ in der Staatsgalerie Stuttgart läuft im Rahmen des Festjahres „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ noch bis 12.9.2021.

Stuttgart

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