Ausstellung

Trommelwirbel! Grafische Arbeiten von Gertrude Degenhardt im Landesmuseum Mainz

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AUTOR/IN
Alexander Wasner

Wild, anarchisch und ein bisschen verträumt: Es gab eine Zeit, da konnte man den Bildern von Gertrude Degenhardt nicht ausweichen: Sie zierten Plattencover von Hannes Wader, Wolf Biermann und Franz-Josef Degenhardt, ihrem Schwager. Die Gewerkschaftskampagne zur 35-Stunden-Woche wurde bundesweit mit ihrem langen, fröhlichen Vagabundenzug plakatiert. Das Landesmuseum Mainz zeigt nun Werke aus über 50 Jahren.

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Trommelwirbel! - Gertrude Degenhardt (Foto: Pressestelle, Gertrude Degenhardt, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz)
Das Mainzer Landesmuseum zeigt Gertrude Degenharts Arbeiten noch bis zum 4. Dezember 2022. Pressestelle Gertrude Degenhardt, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Gertrude und Martin Degenhardt – ein Glamourpaar der Studierendenrebellion

Sie wurde 1940 in New York geboren, zog mit ihren Eltern erst nach Ungarn, dann nach Deutschland. Anfang der 1960er-Jahre studierte sie Kunst in Mainz und lernte dort ihren späteren Mann Martin Degenhardt kennen, den Bruder des Liedermachers Franz-Josef Degenhardt.

Das junge Paar geriet dann in den Trubel der 68er-Bewegung. Lange lebten sie halb in Irland, halb in Deutschland. Viele von Gertrude Degenhardts Bildern erinnern an irische Feierszenen. Ihr Haus in Mainz-Gonsenheim mit den langen, feuchtfröhlichen Abenden, an denen die ganze Künstler-Bohème der Zeit hier zusammensaß, war für manche die Avantgarde der Emanzipation. 

Ein zurückgezogenes Leben im Ortskern von Mainz-Gonsenheim

Gertrude Degenhardt lebt ihren Stil, der moderne Shabby-Look ist seit jeher ihr Lebensgefühl. Seit den 1960ern hat sie kein Interview mehr gegeben. Was sie zu sagen hat, zeigt sie in ihren Bildern. 

„Sonst würde ich ja nicht dieses Bedürfnis zu malen haben. Wenn ich es gezeichnet habe, dann weiß ich: Stimmt, so ist es.“

Wer denkt, sie male, weil sie etwas loswerden wolle, ausdrücken müsse oder einen Ausweg suche aus dem Kopf-Gefängnis, dem entgegnet sie: „Ich male wirklich einfach gerne.“

Werke von Gertrude Degenhardt aus der Mainzer Ausstellung:

Trommelwirbel! - Gertrude Degenhardt (Foto: Pressestelle, Archiv der Künstlerin, VG Bildkunst)
Up and down again I, aus der Serie Tanzende Paare, Pinselzeichnung, ca. 2004. Pressestelle Archiv der Künstlerin, VG Bildkunst Bild in Detailansicht öffnen
Selbstbildnis mit Glas. Pressestelle Gertrude Degenhardt, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz Bild in Detailansicht öffnen
Trommlerin, aus der Serie Vagabondage in Blue, Pinselzeichnung, ca. 1996. Pressestelle Gertrude Degenhardt, Archiv der Künstlerin, VG Bildkunst Bild in Detailansicht öffnen
Irisches Skizzenbuch. Pressestelle Gertrude Degenhardt, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz Bild in Detailansicht öffnen
Dame mit Blumenhut, Zeichnung in Tusche und Aquarell, 1970er Jahre. Pressestelle Astrid Garth, VG Bildkunst Bild in Detailansicht öffnen
Gertrude zeichnet. Pressestelle Gertrude Degenhardt, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz Bild in Detailansicht öffnen

Das Landesmuseum Mainz zeigt Werke aus drei Schaffensperioden

Die neue Ausstellung ist im Grafikkabinett des Mainzer Landemuseums. Toll kuratiert war sie schon bei der Eröffnung ein voller Erfolg: 200 Besucher drängelten sich im schmalen Kabinett.

Die Schau unterteilt das Werk von Gertrude Degenhardt in drei Perioden. Das grafische Frühwerk zeigt Illustrationen zum bekannten „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ oder die leicht psychodelischen Arbeiten zu Songs der Beatles. In der zweiten Abteilung sind es schwungvolle Zeichnungen, Radierungen und Lithografien von Musikerinnen und Vagabundinnen, die einen optischen Riesenlärm veranstalten.

Zuletzt das ruhigere Spätwerk, gekrönt von einer nagelneuen Arbeit: Im Wohnzimmer sitzen die Weggefährt*innen aus fast einem halben Jahrhundert und feiern gemeinsam unter Bildern von Feiernden, die in diesem Wohnzimmer schon lange an der Wand hängen.

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Alexander Wasner