Kunst

Tiefsinn trifft Popart: Bildhauer Tobias Rehberger rockt das Kunstmuseum Stuttgart

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AUTOR/IN
Andreas Langen

Der Frankfurter Bildhauer Tobias Rehberger zeigt mit „I do if I don't“ eine raumgreifende Einzelausstellung im Kunstmuseum Stuttgart. Rehbergers Werk mischt Elemente aus Kunst, Design, Musik und Happening zu einer poppig bunten, dabei aber tiefsinnigen Befragung von Raum, Kunst und Autorenschaft. „Rehbergers Kunst ist verwirrend und vergnüglich, sie hat mit Essen, Trinken, dem Miteinander und unserem Alltag zu tun“, sagt Kunstmuseums-Direktorin Ulrike Groos, „das macht sie so zugänglich.“

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Bunt und vielseitig

In Stuttgart bespielt Tobias Rehberger drei komplette Etagen, und noch einiges mehr, doch dazu später. Zu sehen sind Blumensträuße und Vasen, Werbeplakate, Neonschriften und -bilder, ein Teehaus, Sitzmöbel aus Plastik, eingefärbte Termitenhaufen, hunderte gläserner Hängelampen, Regale, Tapetenmuster mit optischen Täuschungen und bunt glasiertes Essgeschirr.

Tobias Rehberger: Installationsansicht »Inspiration is a little town in China«, Haus am Waldsee, Berlin, 2019 - Tobias Rehberger „I do if I don’t” im Kunstmuseum Stuttgart (Foto: Pressestelle, Roman März © Tobias Rehberger / Courtesy neugerriemschneider, Berlin)
Tobias Rehberger: Installationsansicht »Inspiration is a little town in China«, Haus am Waldsee, Berlin, 2019 Pressestelle Roman März © Tobias Rehberger / Courtesy neugerriemschneider, Berlin Bild in Detailansicht öffnen
Tobias Rehberger: Le Ghost, 2019 Staatsarchiv Zürich / Kunstsammlung Kanton Zürich - Foto: © 2019 Andrea Helbling © Tobias Rehberger / Courtesy neugerriemschneider, Berlin Bild in Detailansicht öffnen
Tobias Rehberger: Immer nur Du, 2016 Pressestelle Foto: Wolfgang Günzel, Offenbach, © Tobias Rehberger / Courtesy Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt a. M. Bild in Detailansicht öffnen
Tobias Rehberger: Untitled, 2012 Foto: Thierry Bal, London © Tobias Rehberger Bild in Detailansicht öffnen
Tobias Rehberger: No…, 2019 Foto: David Berens, Frankfurt a. M. / © Tobias Rehberger Bild in Detailansicht öffnen
Tobias Rehberger: Meuser, 2019 Foto: Wolfgang Günzel, Offenbach / © Tobias Rehberger Bild in Detailansicht öffnen
Tobias Rehberger Pressestelle SWATCH Bild in Detailansicht öffnen

Die Werkserie der Atelierfenster hat Tobias Rehberger nachgebaut, mal schrabbelig wie vom Rohbau, mal stylish designt, mal vernagelt, mal naiv bepinselt. Das simple Objekt 'Fenster' deutet Rehberger als Membran, als Wahrnehmungs-Scharnier zwischen Außenwelt und Künstler.

Museum und Besucherlounge werden eins

Im Obergeschoss des Museums hat Tobias Rehberger eine Lounge eingerichtet. Aber nirgends steht, welche Einrichtungsgegenstände hier museal unberührbar sind und auf welchen man sich niederlassen darf zum Chillen, Essen und Trinken.

Die Möbel bzw. Skulpturen kommen aus 3D-Druckern, nach Datensätzen aus dem Internet: Bunte Plastik-Köpfe von Lenin, Mao, Trump und dem Freiheitshelden Mandela. Überragt und gemütlich illuminiert von einer Standleuchte in Form eines Atompilzes. Das Ganze ist ein quietschbunter, sarkastischer Kommentar zum Internet als großem Selbstbedienungsladen, in dem es einfach Alles gibt — nur keinen Sinn.

Music-Box vor dem Museum

Den größten Knüller aber zündet Tobias Rehberger nicht im Museum, sondern davor. Draußen auf dem Schlossplatz steht eine Box, mit der jedermann per Smartphone seine Lieblingsmusik abspielen kann. Die wiederum steuert eine Neon-Installation an der gesamten Glasfassade des riesigen Museums-Kubus. Hier ist ein Kunst-Raum am Start, der in den Nächten der kommenden Monate so einiges neu definieren wird: die bekannten Dimensionen von kultureller Teilhabe, Publikums-Ermächtigung, sozialer Skulptur — und von Party.

Stuttgart

Ausstellung Licht, Farben, Interaktion: Tobias Rehberger im Kunstmuseum Stuttgart

Bunt und interaktiv, das ist die Kunst von Tobias Rehberger. Was der Esslinger Künstler in 30 Jahren geschaffen hat, kann man ab 26.3. im Kunstmuseum Stuttgart sehen. Er nimmt uns mit in seine Ausstellung „I do if I don’t“.  mehr...

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