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Zeitgenössische Aktfotografie in einer anspruchsvollen Reihe von Jahrbüchern: Das ist das Konzept von „The Opéra“, der wohl einzigen Anthologie dieser Art. Initiator und Herausgeber ist der Stuttgarter Matthias Straub. Er hat nun zum achten Mal internationale Beiträge zusammengetragen, immer wieder neue Deutungen eines uralten Genres.

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Der Stuttgarter Werbe- und Medienfachmann Matthias Straub ist ein Digital Native, der keine Website hat, weil er so etwas anachronistisch findet. Aber Straub ist kein Digi-Fundi, denn gleichzeitig begeistert er sich für eine jahrtausendealte Kommunikations-Hardware: Papier.

Buchcover The Opéra – Volume VIII - Herausgeber: Matthias Straub  (Foto: Kerber Verlag)
Buchcover The Opéra – Volume VIII Kerber Verlag

Blicke und Berührungen

„Papier hat mich eigentlich schon immer fasziniert, seitdem ich mich mit Medien auseinandersetze, und das Druckprodukt wird durch nichts ersetzt. Diese Haptik, die beim Blättern so ein angenehmes Gefühl hinterlässt, das lässt sich digital überhaupt nicht abbilden.“

Matthias Straub

Zu den sinnlichen Qualitäten des Gedruckten passt auch ein Projekt, das Straub vor fast zehn Jahren ausgeheckt hat und bei dem er seither als Herausgeber und Kurator fungiert: "The Opéra", ein Jahrbuch zeitgenössischer Aktfotografie. Das Genre ist ein Dauerbrenner im Fotobuchmarkt. Straub kultiviert in diesem Segment eine ganz spezielle Blickweise.

The Opéra Vol. VIII (Foto: Kerber Verlag)
The Opéra Vol. VIII - Utopia by Milena Wojhan Kerber Verlag Bild in Detailansicht öffnen
The Opéra Vol. VIII - 19 by Amanda Torres Kerber Verlag Bild in Detailansicht öffnen
The Opéra Vol. VIII - From earth by Anouk van Kalmthout Kerber Verlag Bild in Detailansicht öffnen
The Opéra Vol. VIII - Jason by Amanda Torres Kerber Verlag Bild in Detailansicht öffnen
The Opéra Vol. VIII - Miracle by Pedro Oros Kerber Verlag Bild in Detailansicht öffnen
The Opéra Vol. VIII - New Sun by Anouk van Kalmthout Kerber Verlag Bild in Detailansicht öffnen
The Opéra Vol. VIII - Sang-mele-ü by Christophe Boussamba Kerber Verlag Bild in Detailansicht öffnen
The Opéra Vol. VIII - Sasha by Daria Svertilova Kerber Verlag Bild in Detailansicht öffnen
The Opéra Vol. VIII - The darkness around the female body von Elisabeth Mcoher Kerber Verlag Bild in Detailansicht öffnen
The Opéra Vol. VIII - True Blue by Maximilian Motel Kerber Verlag Bild in Detailansicht öffnen

Geschichten und Emotionen des Körpers

Er sei nicht per se ein Akt-Spezialist oder Akt-Fan, aber für ihn sei es die unmittelbarste Form des Porträts. Dort stehe nichts zwischen dem*der Betrachter*in und dem*der Fotograf*in, was das Modell verhülle, verstecke oder verdecke. Geschichten des Menschen und Emotionen würden so unmittelbar erzählt, wie sie wahrgenommen werden könnten.

Der Blick ins Buch gibt Straub recht. Unter den 31 Bildstrecken der aktuellen Ausgabe von "The Opéra" sind nur wenige an der Grenze zum Kitsch, keine einzige ergeht sich in Voyeurismus, die allermeisten sind intensive Auseinandersetzungen mit Körper, Identität, Person. Und es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass die überzeugendsten Beiträge entstehen, wenn ein Frau ihre Kamera auf einen nackten Menschen richtet.

Matthias Straub zieht als Beispiel die Arbeit der ukrainischen Fotografin Daria Svertilova heran, bei der es eine unheimliche Vertrautheit gebe und eine Nahbarkeit, die so nicht auftauchen würde, wenn ein Mann eine Frau fotografiere.

Kunscht! über „The Opéra”

Der „female gaze“, der „weibliche Blick“

Daria Svertilova lässt eine junge, eher unauffällige Frau in einem leeren Hinterhof-Altbau posieren, ziemlich unglamourös und insofern schon fast konventionell für künstlerische Porträtfotografie auf der Höhe der Zeit.

Spektakulärer sind die farbsatten Inszenierungen der australischen Fotografin Lilli Waters. Auf einer Doppelseite zeigt sie eine nackte Frau, die in hartem Sonnenlicht durch eine rote Lagune robbt.

The Opéra Vol. VIII (Foto: Kerber Verlag)
The Opéra Vol. VIII - Utero by Lilli Waters Kerber Verlag

Die Londoner Fotografin Manon Ouimet beeindruckt derweil mit schwarz-weißen, klassischen Studio-Porträts, deren Besonderheit darin besteht, dass ihre Modelle Versehrte sind: Narben und fehlende Gliedmaßen sind unerbittlich zu sehen - ohne dass die Protagonisten bloßgestellt wirken.

Die Australierin Laura Stevens wiederum steuert eine pastellfarben-melancholische Serie von Männer-Akten bei, deren Ausstrahlung schillert zwischen antiken Idealkörpern und ganz gegenwärtigen, hilflos einsamen Kerlen.

The Opéra Vol. VIII (Foto: Kerber Verlag)
The Opéra Vol. VIII - Him by Laura Stevens Kerber Verlag

Matthias Straub freut sich über neue Arbeiten und die Überraschungen und neuen Aspekte, die Fotograf*innen mit ihrer Haltung und Arbeit in die Fotografie mit hineinbringen. So lange das der Fall sei, sehe er keinen Grund damit aufzuhören.

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