Fotografie

Talking Heads – Katharina John erweckt ihre Fotoportraits am ZKM dank digitaler Manipulation zu Leben

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AUTOR/IN
Marie-Dominique Wetzel

Die Fotografin Katharina John hat auf der ganzen Welt Menschen portraitiert, oft unbekannte Personen, denen sie zufällig auf der Straße begegnete. Jetzt gibt die Künstlerin ihnen eine Stimme und einen Charakter – mithilfe modernster digitaler Technik, die die Fotoportraits scheinbar zum Leben erweckt. Eine faszinierende Ausstellung im ZKM, die interessante Fragen zu digitaler Bildbearbeitung aufwirft.

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Analoge Fotografie trifft Deepfake

Wer spricht denn da? Betritt man das sogenannte „Panorama-Labor“ des ZKM, platzt man mitten in eine hitzige Diskussion über die Vor- und Nachteile der analogen Fotografie.

Doch diejenigen, die da streiten, sind keine lebendigen Personen, sondern Fotografien. Also sozusagen lauter „Betroffene“, die die Künstlerin Katharina John in den letzten Jahren auf der ganzen Welt auf schönste Weise analog und schwarz-weiß fotografiert hat.

Die Bilder beginnen zu rebellieren

Dabei verharren diese Personen nicht weiter still auf ihren Fotos, sondern rollen dank modernster digitaler Technik auf einmal mit den Augen, bewegen ihre Lippen und rebellieren gegen die Künstlerin oder zeigen sich zufrieden mit ihrer Arbeit.

Katharina John, Talking Heads (Foto: Pressestelle, Felix Grünschloß)
Der Schauspieler Ulrich Tukur leiht Sir Peter Ustinov für das Projekt nicht nur seine Stimme, sondern auch seine Mimik. Pressestelle Felix Grünschloß

Bei diesem Projekt mit dem ZKM habe sie ihre eigenen Fotografien ganz neu kennengelernt und sich neugierig auf das Wagnis neuster digitaler Technik eingelassen, sagt Katharina John.

Ulrich Tukur spricht Sir Peter Ustinov

Eine Stimme sticht ganz besonders hervor, nämlich die des Ehemanns der Fotografin, Schauspieler Ulrich Tukur. Er hat für das Ausstellungsprojekt dem Fotoportrait des verstorbenen Sir Peter Ustinov seine Stimme geliehen.

Die Mimik, die der Schauspieler Ulrich Tukur beim Einsprechen des Textes gemacht hat, wird mit Hilfe spezieller Computerprogramme dann über das Gesicht auf dem Fotoportrait gelegt.

Die Manipulierten diskutieren über Manipulation

Einmal zum Leben erweckt, lassen sich die Portraitierten anscheinend nicht mehr stoppen. Im zweiten Teil der Ausstellung sind acht Monitore in einer Runde aufgestellt und dort diskutieren die Fotoportraits munter wie in einer Talkshow über Digitalisierung im Allgemeinen und Deepfake im Speziellen.

Katharina John hat ihnen die Worte in den Mund gelegt und lässt sie genauso an der digitalen Technik zweifeln wie sie selbst es tut. Deswegen war es ihr auch wichtig, dass man die nachträgliche, digitale Bearbeitung noch sieht.

Katharina John. Talking Heads (Foto: Pressestelle, © Katharina John)
Katharina John: Antoniangela Deligia, Sardinien - Juni 2021 Pressestelle © Katharina John

Die Arbeit am ZKM mit den IT-Spezialisten hat der Fotografin Katharina John sehr viel Spaß gemacht. Aber ihre Fotos mit digitaler Technik zum Sprechen zu bringen wird wohl doch ein einmaliges Experiment bleiben, sagt die Künstlerin.

Sie möchte auch weiterhin analog fotografieren – und liebt diese stille Kunstform.


Katharina John. Talking Heads
ZKM Karlsruhe bis zum 6. November 2022

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