Fotografie

Stadtumbau in 360°: „VRgangene Orte“ von Heiko Stachel im StadtPalais Stuttgart

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AUTOR/IN
Andreas Langen

Der Stuttgarter Architekt Heiko Stachel fotografiert Abriss- und Umbau-Orte seiner Heimatstadt als 360°-Panoramen: Wohn- und Krankenhäuser, Kirchen, Fabriken, Clubs, den Bahnhof. Seine detailreichen Bilddokumente sind jetzt im Stadtpalais Stuttgart zu sehen. „Es handelt sich um eine ganz besondere Technik der Erinnerung“, sagt Kurator Yannick Nordwald, „eine einmalige Art des Rückblickens auf Stuttgarter vergangene Orte.“

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Vom ersten Auftrittsort der Fanta 4 bis zur einst vom SWR genutzten Villa Berg

Im Stuttgarter Stadtmuseum werden bald Clubsounds zu hören sein: Ein Mundart-Track des Stuttgarter Musikers Danilo Wertenauer untermalt die Fotoausstellung „Vergangene Orte“; beziehungsweise „VRgangene Orte“ – VR für „Virtual Reality“. Das sind fotografische Ansichten realer Schauplätze, mittels digitaler Brille als komplette Rundum-Panoramen erlebbar.

Der Stuttgarter Architekt Heiko Stachel dokumentiert in dieser Technik seit vielen Jahren dutzende Orte und Gebäude der Landeshauptstadt, bevor sie umgebaut oder abgerissen werden – vom Mega-Projekt Stuttgart 21 bis hin zu weithin unbekannten Fundstücken.

Heiko Stachel - VRgangene Orte (Foto: Heiko Stachel)
Eckardt Pragstraße Heiko Stachel Bild in Detailansicht öffnen
Eckardt Pragstraße Heiko Stachel Bild in Detailansicht öffnen
EnBW-Zentrale Kriegsbergstraße Heiko Stachel Bild in Detailansicht öffnen
Haltestelle Staatsgalerie Heiko Stachel Bild in Detailansicht öffnen
Kinderklinik Olgäle in Stuttgart-West Heiko Stachel Bild in Detailansicht öffnen
Schoch Areal Feuerbach Heiko Stachel Bild in Detailansicht öffnen
SouperPoularSanchez bei der Staatsgalerie Stuttgart Heiko Stachel Bild in Detailansicht öffnen
Villa Bolz Heiko Stachel Bild in Detailansicht öffnen
Ausstellung "VRgangene Orte" StadtPalais Stuttgart Heiko Stachel Bild in Detailansicht öffnen

Darunter ist zum Beispiel das Jugendhaus in Heslach, wo die Fantastischen Vier 1988 ihren allerersten Live-Auftritt hatten: ein altes Gebäude, das in den 1950er-Jahren eine Brauerei-Werkstatt war und als Jugendhaus umgenutzt wurde, wie Stachel erzählt. Man sieht die Bühne auf der die Fanta Vier damals auftraten.

Heiko Stachels Auswahl umfasst Kirchen, Verwaltungsgebäude, Wohnhäuser, Krankenhäuser, Einkaufspassagen, Fabriken und einige besonders prominente historische Ensembles — etwa die Villa Berg, wo früher der damalige SDR und spätere SWR residierte. Stachels Kamera schwebt über der Bühne des eleganten 50er-Jahre-Konzertsaals. Blickt man senkrecht nach unten, erkennt man Fußabdrücke in Feuerlöschschau; Spuren des Vandalismus, der sich während des Leerstandes hier austobt, während die Stadtgesellschaft draußen sich nicht auf eine künftige Nutzung einigen kann.

„Abreißen, Luxuswohnungen hinmachen? Oder doch für die Gesellschaft nutzen? Ich denk, das wird in jeder Stadt so sein, dass es Dinge gibt, an denen die Leute hängen, an den Gebäuden, die man noch gerne weiter nutzen möchte, und andere wollen damit Profit machen“, sagt Heiko Stachel dazu.

Heiko Stachel - VRgangene Orte (Foto: Heiko Stachel)
St. Peter in Bad Cannstatt Heiko Stachel

Verschwindende Orte in 360-Grad-Bildern für die Nachwelt erhalten

Eine ganz andere Art von Gewinn sind Heiko Stachels fotografische Bestandsaufnahmen jetzt schon. Das Stadtarchiv speichert sie seit fast zehn Jahren; und auch das Stadtmuseum schätzt die digitalen Bilddaten weit über die momentane Ausstellung hinaus.

Ausstellungsleiter Yannick Nordwald stellt sich zum Beispiel vor, wie er in 30 Jahren ins Archiv geht, Heiko Stachels 360-Grad-Aufnahmen findet und sich freut, dass die Orte so für die Nachwelt erhalten sind. Gleichzeitig betont er, dass die rasanten Veränderungen der Stadt, die Heiko Stachels Bilder spürbar machen, ein mehrdeutiger und offener Prozess seien. Da sei einerseits Nostalgie, die mit dem Verlust der Orte einhergehe. Andererseits aber könne man auch sagen: „es ist eine Stadt, die mutig genug ist, sich von alten Orten zu verabschieden“, gewissermaßen, um Platz für Neues zu schaffen.

Eine einmalige Art des Rückblicks auf Stuttgarts vergangene Orte

Dieser Prozess geht naturgemäß immer weiter. Daher ermuntert Heiko Stachel sein Publikum auch, ihm weitere Stuttgarter Orte zu nennen, die er dann in 360-Grad-Technik fotografieren wird – als Erinnerungsspeicher ganz besonderer Art. Die VR-Brillen sind dabei für ihn nicht nur ein Gimmick. Eine Brille aufzusetzen und einen Rundumblick zu haben, das ist für ihn „eine einmalige Art des Erinnerns und des Rückblickens auf Stuttgarter vergangene Orte.“

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