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Wer in den künstlerischen Kanon aufgenommen wird, bestimmt die Nachwelt — viele Künstlerinnen, bedeutend für ihre Epoche und stilprägend werden dabei vergessen. Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein widmet sich nun den „vergessenen“ Designerinnen aus seiner Sammlung.

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Wo sind die Designerinnen in Weil am Rhein?

Am Anfang stand die Selbsterkenntnis: Auch das Vitra Design Museum hatte sich jahrzehntelang mit großen Namen der Designgeschichte geschmückt, Möbel etwa von Marcel Breuer oder Jean Prouvé ausgestellt — aber Frauen kamen praktisch nicht vor.

Bei einer Recherche im Museumsdepot fanden sich dann allerdings einige Schätze: das teuerste Objekt der Sammlung etwa, der „Mesa“-Tisch der Architektur-Ikone Zaha Hadid. Hadid hatte zwar 1993 das spektakuläre Feuerwehrhaus des Vitra-Werks gebaut, aber als Designerin war sie weniger bekannt.

Das „Mesa-Table“ von Zaha Hadid bei einer Ausstellung der Vitra Edition 2007 im Design Museum: ein schwarzer, spiegelnder futuristischer Tisch. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance/ dpa | Georgios_Kefalas)
Das „Mesa-Table“ von Zaha Hadid bei einer Ausstellung der Vitra Edition 2007 im Design Museum. picture-alliance/ dpa | Georgios_Kefalas

Ray Eames im Schatten ihres Mannes Charles

Auch das US-amerikanische Designerpaar Ray und Charles Eames war von Anfang an ein Schwerpunkt der Sammlung in Weil am Rhein. Und ein Beispiel dafür, wie schwierig es ist, zu erkennen, welchen Anteil bei einem Paar der eine oder die andere an den Objekten hat. Ray galt eher als der kreativere Teil der Partnerschaft, wurde von der Öffentlichkeit aber so nicht wahrgenommen.

Spot On (Foto: Pressestelle, wrap Art & Design Pvt Lt)
Gunjan Gupta mit ihrem „Old Bori Throne“ von 2008: Die Produktdesignerin baut Alltagsgegenstände zu Design-Möbeln um. Pressestelle wrap Art & Design Pvt Lt Bild in Detailansicht öffnen
Der Sessel Ruché stammt von der französischen Designerin Inga Sempé. IhreObjekte sind langlebig, einfach, aber nicht minimalistisch. Pressestelle Ligne Roset Bild in Detailansicht öffnen
Lisa Ertel mit einem Prototyp des Sessels Neil, den sie 2018 zusammen mit Anne-Sophie Oberkrome entworfen hat. Pressestelle nn Bild in Detailansicht öffnen
Der Sessel aus Stahlrohr wurde 1951 von Maija-Liisa Komulainen entworfen. Ob die 1922 geborene finnische Industriedesignerin noch lebt, konnte nicht herausgefunden werden. Pressestelle Jürgen Hans © Vitra Design Museum Bild in Detailansicht öffnen
Der organisch geformte Sessel „Extension de générosité“ stammt von Matali Crasset. Pressestelle Portrait: : Julien Carreyn & Valentine Jouanjus/ Werk: Foto: Ezio Prandini - beide © VG Bild-Kunst, Bonn 2021 Bild in Detailansicht öffnen
Das Design-Duo Raw-Edges ist ebenfalls in der Ausstellung vertreten — mit ihrem „Herringbones Chair“. Pressestelle Mark Cocksedge, Chair: Vitra Design Museum, Foto: Andreas Sütterlin Bild in Detailansicht öffnen
Reiko Tanabe hat den Murai Hocker 1961 entworfen. Im August 1967 wurde sie mit ihm für die Zeitschrift „Geijutsu Shincho“abgelichtet. Pressestelle Yosuke Suzuki, Zeitungsbild: SHINCHOSHA Bild in Detailansicht öffnen
Ray Eames fotografiert das „Tandem Seating“ im Eames Studio am 23.10.1962. Pressestelle Eames Office LLC Bild in Detailansicht öffnen

Wiederentdeckungen und neue Gesichter

Für ein Jahr ist das Schaudepot ein Labor, in dem nicht nur vergessenen Namen nachgespürt wird, sondern auch neue Namen recherchiert werden — Namen von bedeutenden Möbeldesignerinnen, die hierzulande noch unbekannt sind, wie die Inderin Gunjan Gupta.

Herausgekommen ist eine Ausstellung, die nachdenklich macht. Ob sie auch nachhaltig ist, ob man zum Beispiel künftig mehr Objekte von Frauen aufkauft, bleibt abzuwarten. Mit dem neuen Blick auf die alten Sammlungen ist ein erster Schritt gemacht.

Die Ausstellung „Spot on — Designerinnen in der Sammlung“ ist ab 19.6.2021 voraussichtlich bis 8.5.2022 im Vitra Design Museum in Weil am Rhein zu sehen.

Gespräch Sex-Toys, Gesundheits-Apps und Fußballschuhe: Weshalb Design Frauen immer noch benachteiligt

Bei der Entwicklung von Konsum-Gütern und Alltagsgegenständen werden Frauen nach wie vor benachteiligt — wie genau hat Rebekka Endler hat für ihr Buch „Das Patriarchat der Dinge. Warum die Welt Frauen nicht passt“ in einer beeindruckenden Bandbreite an Beispielen recherchiert.  mehr...

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Weil am Rhein

Ausstellung DDR und BRD aus Designer-Sicht: Ausstellung im Vitra Design Museum baut Vorurteile ab

Deutsch-deutsches Design auf Augenhöhe, das will die großartige Ausstellung im Vitra Design Museum Weil zeigen: Während Westdesigner*innen vor allem für die aufblühende Industrie entwarfen, schufen Designer*innen in Ostdeutschland wegen der begrenzten Ressourcen viele nachhaltige Objekte und solche, die auch für die breite Masse erschwinglich waren.  mehr...

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#Kulturfrauen Stammgast bei Heidi Klum und im Berliner Adlon: Die Mainzer Modedesignerin Anja Gockel

Anja Gockel setzt auf die Kombination von Mode und Events: Mit ihrer farbenfrohen Mode will die 53-jährige aber nicht nur prominente, sondern alle Frauen und deren Alltag schöner machen.  mehr...

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Schrille Farben, Muster und Formen: so präsentierten sich die Möbel des italienischen Designerkollektivs „Memphis“. Die jungen Designer brachen Anfang der 80er Jahre bewusst mit den Konventionen des Industriedesigns. Provokant setzten sie mit dem Anbruch der Informationsgesellschaft darauf, die geltenden Gesetze des guten Geschmacks zu brechen. Computer eroberten den Markt, und die Welt wurde globaler. Popkultur und Postmoderne verbanden sich zu einem wilden Mix. Die Gallery des Vitra Design Museums in Weil zeigt eine kleine, aber spannende Ausstellung mit den wichtigsten Werken der Gruppe, die sich am Höhepunkt ihres Erfolgs, 1987, wieder auflöste.  mehr...

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Porträts Lernen Sie die Kulturfrauen im Südwesten kennen!

Sie leiten Ausstellungshäuser, Kulturzentren und Archive, sind Meisterinnen auf ihrem Instrument, Designerinnen, Choreografinnen und sind — nicht nur am internationalen Frauentag — Vorbild für andere Frauen und Männer. Sie sind Netzwerkerinnen, forschen, setzen außergewöhnliche Konzepte um und sind kreativ – sie sind Kulturfrauen im Südwesten. In der Reihe #Kulturfrauen präsentiert SWR2 die spannenden Biografien dieser Frauen, die das Kulturleben in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ausmachen und bereichern. Entdecken Sie die #Kulturfrauen auch bei Facebook, Instagram und Twitter!  mehr...

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