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Sonambiente: Klangkunstfestival auf dem verlassenen Flughafen Tegel

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Das Festival für Klangkunst ist die letzte Gelegenheit, den Flughafen Tegel vor seinem Umbau zu besichtigen. Aus den Lautsprecheranlagen in leeren Abfertigungshallen gibt es jetzt Klangkunst von Blixa Bargeld, Susan Philipsz oder Emeka Ogboh zu hören. Aber „der wahre Star ist eigentlich der Flughafen“, sagt der künstlerische Leiter Matthias Osterwold.

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Neun Jahre Planung für das Sonambiente

Der Check-In für den Utopos – Flug UP 00 nach Nirgendheim findet nun am Gate A 1 statt. Draußen wächst das Unkraut zwischen den Gehwegplatten. In der großen Eingangshalle sind die Anzeigetafeln blind.

Aus der Lautsprecheranlage dringen die Durchsagen von Blixa Bargeld, dem Frontmann der Berliner Band Einstürzende Neubauten. Sie klingen nur wenig absurder als einst die realen Ankündigungen.

Neun Jahre haben Georg Weckwerth, Florian Wachinger und Matthias Osterwold auf diesen Moment hingearbeitet. So lange verzögerte sich der Umzug des Berliner Flughafens. Jetzt bietet das Klangkunstfestival sonambiente die letzte Gelegenheit, von Tegel Abschied zu nehmen.

Gespenstische Atmosphäre in Tegel

Der Rundgang durch die leeren Hallen hat etwas Gespenstisches. Keine Shops, keine Werbung, leere Schalter und die Türen der Passkontrolle stehen offen. Nur die Lautsprecheranlage mit ihren tausend Mikrophonen funktioniert noch und überträgt jetzt auch das träumerische Summen der schottischen Künstlerin Susan Philipsz.

Die Turner-Preisträgerin ist mit einer winzigen Propellermaschine über Tegel geflogen und hat dabei Brian Enos Stück „Music for Airports“ vor sich hin gesummt. Die verträumte Stimme wirkt irritierend privat, wenn sie aus der Lautsprecheranlage kommt.

Ein würdiger Abschied

Die subtile Arbeit macht auf die Widersprüche des Fliegens aufmerksam, die Leichtigkeit in der Luft, die Mühsal am Boden, die Träume von der Ferne und die Hoffnung, auf der Reise bei sich selbst anzukommen.

Für die Mauerstadt Berlin war der Flughafen Tegel tatsächlich das Tor zur Welt. Für Westberliner gab es allerdings auch noch ein Hintertürchen. Die DDR-Fluggesellschaft interflug bot Reisen vom Flughafen Schönefeld an.

Diese groteske Situation stellt Blixa Bargelds Ansage jetzt auf den Kopf: „Wir geben bekannt, dass das Check-In des interflug Fluges IF 68 nach West-Berlin nun am Schalter A 7 stattfindet.“

Graue Schalter, graue Stühle, gläserne Schiebetüren. In der Zwischenzeit ist der Flughafen auf seine Essenz reduziert worden. Vor diesem Hintergrund eröffnet die unsichtbare Klangkunst neue Räume für Vorstellungen und Erinnerungen. Ein würdiger Abschied für diesen Sehnsuchtsort.

Berlin

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