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So wichtig wie der Kölner Dom: Ampelkoalition plant „Bundesstiftung Industrielles Welterbe“

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Rainer Volk

Lob für ein Kulturvorhaben der neuen Ampel-Koalition von Ralf Beil, dem Direktor der Völklinger Hütte: Die Koalition plant nämlich, eine „Bundesstiftung Industrielles Welterbe“ zu gründen, um sieben große Industrie-Denkmäler im Land besser unterstützen zu können, darunter auch die Völklinger Hütte.

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Ziel ist die Gewährleistung von Unterhaltskosten

Im Gespräch mit SWR2 erklärt Ralf Beil, optimistisch dazu: „Alle führenden Parteien sind sich in diesem Projekt einig gewesen“: Er gehe deshalb davon aus, dass das Vorhaben „mit Schubkraft“ vorangetrieben werde.

Der Satz aus dem Koalitionsvertrag: „Wir schaffen eine Stiftung industrielles Welterbe und prüfen die europäische Mechanismen zur Förderung des Denkmalschutzes“ sei mehr als ein Plan, so Beil, der seit 2020 Direktor der Völklinger Hütte ist.

Teil des UNESCO-Weltkulturerbes

Denn die sieben Objekte, die alle bereits zum Kreis der UNESCO-Weltkulturerbestätten gehören, hätten sich im Vorfeld der Koalitionsverhandlungen bereits stark gemacht für die neue Bundesstiftung. Ziel sei es vor allem, deren Unterhaltskosten zu gewährleisten.

Bislang war es schwierig Geld für Unterhalt und Betrieb zu bekommen

Die bisherige Situation bezeichnet Beil gegenüber SWR2 als unbefriedigend: „Es gibt Förderprogramme der EU, des Bundes und des Landes, die zielen aber vorrangig auf Investitionen.“ Geld für den Unterhalt und den Betrieb zu bekommen sei bisher hingegen schwierig gewesen.

Nun freue man sich und halte die Stiftung für „höchst sinnvoll“, so Beil, denn der Erhalt historischer Zeugnisse des industriellen Zeitalters sei so wichtig wie der Erhalt von Kathedralen: „Industrieanlagen und der Kölner Dom – das sind Parallelwelten, in den sich unsere Welt und europäischen Kultur erfindet und erbaut hat.“

Lob für die Ampel von Ralf Beil, Direktor im Weltkulturerbe Völklinger Hütte: Die Koalition plant eine „Bundesstiftung...Posted by SWR2 on Thursday, December 16, 2021

Gespräch 75. Jahrestag der UNESCO-Gründung: Welterbe bewahren und Armut bekämpfen

Am 75. Jahrestag ihrer Gründung ist die UNESCO weiterhin handlungsfähig – und notwendig. Im Gespräch mit SWR tritt die Historikerin Andrea Rehling der Ansicht entgegen, die Sonderorganisation der UN für Bildung, Wissenschaft und Kultur sei in einem Spagat zwischen Welterbe-Bewahrung und Bekämpfung der Armut zu groß und unübersichtlich in ihren Zielen. „Dass das Welterbe dominant ist, ist eine europäisch-US-amerikanische Perspektive", sagt Rehling, die ein Forschungsprojekt zur Geschichte des Weltkultur- und Naturerbes der UNESCO geleitet hat. Dabei sei die Welterbe-Thematik nur ein kleiner Teilbereich der Aufgaben.
Die Kritik, dass eine Verletzung beim Schutz von Welterbe-Stätten folgenlos bleibe für die Mitgliedsstaaten hält Rehling für falsch: Die UNESCO-Beratungen stellten eine internationale Öffentlichkeit her, mit der sich die kritisierten Regierungen auseinandersetzen müssten. „Nur ist das den Regierungen unterschiedlich wichtig", fügt Rehling hinzu.
Zur Erfolgs-Geschichte der UNESCO gehört es nach Rehlings Dafürhalten, dass sie Regeln im Umgang mit Kunst und Kultur in Kriegen setzen konnte. Und: „Sie ist eine der Hauptprotagonisten im Bereich Bildung und Nachhaltigkeit.“ Obwohl ihre Ziele, wie zum Beispiel der Weltfriede, utopisch seien, sei die Rechtfertigungsnotwendigkeit der UNESCO höher als bei Organisationen, die mit Dystopien arbeiteten. Ihr großes Spektrum an Aufgaben hält Rehling für eine Voraussetzung, Kompromisse zu erzielen. „Diese 'Buzz-Wörter' sind die Chance überhaupt zusammenzukommen“, so die Expertin.
Andrea Rehling ist wissenschaftliche Geschäftsführerin des Jakob-Fugger-Zentrums der Uni Augsburg. Von 2013 bis 2016 leitete sie das Forschungsprojekt „Wissen der Welt – Erbe der Menschheit: Die Geschichte des Weltkultur- und Naturerbes der UNESCO“, das vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz finanziell gefördert wurde.  mehr...

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