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So fotografierte man vor 100 Jahren: Ausstellung „Neu Sehen“ im Städel Frankfurt

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Vor gut 100 Jahren entwickelte die Firma Leica in Wetzlar die erste Kleinbildkamera, die die schweren und unhandlichen Plattenkameras ablöste.In der Ausstellung „Neu Sehen“ zeigt das Städel Museum in Frankfurt rund 100 Fotografien der 1920er und 1930er Jahre, begleitet von Büchern und Zeitschriften, in denen das Medium einen wahren Boom erlebte.

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Die Fotografische Ausstellung 1926 in Frankfurt war der Auftakt für Fotografie im Alltag

Grafische Muster, starke Untersicht, extreme Vergrößerung und gewagte Bildausschnitte – die Fotografinnen und Fotografen der Weimarer Republik experimentierten dank der neuen Kleinbildkamera mit fast allem, was ihnen vor die Linse kam. Die Fotografie eroberte, so Kuratorin Kristina Lemke, alle Lebensbereiche.

Neu Sehen (Foto: Pressestelle, Städel Museum Frankfurt, Die Photographische Sammlung / Sk Stiftung Kultur - August Sander Archiv, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn 2021)
August Sander (1867–1964), Malerehepaar (Martha und Otto Dix), 1925/26, Silbergelatine-Abzug auf Barytpapier Pressestelle Städel Museum Frankfurt, Die Photographische Sammlung / Sk Stiftung Kultur - August Sander Archiv, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn 2021 Bild in Detailansicht öffnen
Ausstellungsansicht „Neu Sehen. Die Fotografie der 20er und 30er Jahre“ Pressestelle Städel Museum Frankfurt, Norbert Miguletz Bild in Detailansicht öffnen
Albert Renger-Patzsch (1879–1966), Schaffende Hände, 1925–1927, Silbergelatine-Abzug auf Barytpapier Pressestelle VG Bild-Kunst, Bonn 2021 Bild in Detailansicht öffnen
Ausstellungsansicht „Neu Sehen. Die Fotografie der 20er und 30er Jahre“ Pressestelle Städel Museum Frankfurt, Norbert Miguletz Bild in Detailansicht öffnen
Hans Robertson (1883–1950), Der Tänzer Harald Kreutzberg, 1925, Gelatinesilberpapier Pressestelle Städel Museum Frankfurt Bild in Detailansicht öffnen
Ausstellungsansicht „Neu Sehen. Die Fotografie der 20er und 30er Jahre“ Pressestelle Städel Museum Frankfurt, Norbert Miguletz Bild in Detailansicht öffnen
Yva (1900–1944), Reise- und Segelanzug, ca. 1932, Silbergelatine-Abzug Pressestelle Städel Museum Frankfurt Bild in Detailansicht öffnen
Friedrich Seidenstücker (1882–1966), ohne Titel (Zoologischer Garten Berlin, zwei Zebras von hinten), 1935, Silbergelatine-Abzug auf Barytpapier Pressestelle Städel Museum Frankfurt Bild in Detailansicht öffnen

Die Fotografische Ausstellung 1926 in Frankfurt zeigte erstmals, was mit der neuen Kleinbildkamera möglich war. Ähnlich wie auf einer Messe stellte sie Fotografien aus allen Bereichen vor und gleichzeitig die Möglichkeiten diese Bilder in Büchern, Zeitschriften und auf Plakaten als Werbung einzusetzen.

Die Fotografie wurde schnell zu einem Massenmedium

„Diese Ausstellung gab den Auftakt dafür, dass man sich vermehrt im Alltag mit Fotografien auseinandergesetzt hast. Und man kann auch beobachten, dass allgemein der Fotografenberuf in der Öffentlichkeit eine Resonanz gefunden hat. Also man hat in Zeitschriften wie heutigen Alltagszeitschriften wie Vogue oder dergleichen, sprach man sogar von einer neuen Künstlergilde, die sich zu jener Zeit etablierte.“ so Kuratorin Lemke.

An der Folkwang-Schule in Essen, am Bauhaus in Weimar und auf Burg Giebichenstein in Halle wurde die Fotografie als Unterrichtsfach eingeführt. Durch den Hunger nach neuen Bildern und durch den Fortschrittsglauben der Weimarer Republik wurde die Fotografie schnell zu einem Massenmedium.

Vieles was in der Ausstellung zu sehen ist, beeinflusst die Fotografie bis heute

Das Frankfurter Städel zeigt Ikonen der Fotografie-Geschichte wie das Porträt von Martha und Otto Dix, dass August Sander aufgenommen hat. Es gibt sachliche Industriebilder von Albert Renger-Partsch, eine kühne Fish-Eye-Aufnahme von Umbo und serielle Arbeiten von Karl Theodor Gremmler.

Werbung und Propaganda wurden bis 1933 wie Synonyme genutzt. Erst danach bekam Propaganda den Beigeschmack von politischer Instrumentalisierung. So verkauften die Nazis strahlende Sportler*innen der Olympiade 1936 in Berlin als Zeugnis einer prosperierenden Nation.

Vieles was jetzt im Städel in Frankfurt auf Fotos oder in Zeitschriften zu sehen ist, beeinflusst die Fotografie bis heute. Damit reflektiert die Ausstellung zum einen die Emanzipation der Fotografie durch moderne Technik und zum anderen den Einsatz der Bilder für Werbung und Propaganda.

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