Ausstellung in der Kunsthalle Skulpturen von Nicole Eisenman in Baden-Baden

Von Christian Gampert

Die 53-jährige amerikanische Künstlerin Nicole Eisenman ist vor allem für ihr malerisches Werk bekannt. Nun veranstaltet sie aber ihre erste deutsche Museumsausstellung mit Skulpturen, zu sehen in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden. Die Skulpturen nehmen oft Bezug auf politische Ereignisse, wie etwa die letzte amerikanische Präsidentenwahl, sie haben aber auch Witz und Ortsbezug.

Ohne Gefahr für Beschädigungen

2017, bei den „Skulptur-Projekten“ in Münster, errichtete Nicole Eisenman in einem Park ein Figuren-Ensemble rund um einen Brunnen – sitzende, liegende, sich ausruhende nackte Gestalten aus Bronze und Gips, wie in einem Schwimmbad. Einer der Plastiken wurde nachts von Unbekannten der Kopf abgeschlagen. Zumindest das wird in Baden-Baden nicht passieren: Die Arbeiten stehen geschützt in der Staatlichen Kunsthalle. Und es handelt sich – als sei die Ausstellung eine Reaktion auf den Münsteraner Vorfall – zum großen Teil um Büsten und Köpfe, oft zerklüftet und zerkratzt, geschunden und vom Leben gezeichnet, abstrakt, verzerrt und doch als menschliche Gesichter erkennbar.

Ausstellung in der Kunsthalle Baden-Baden Plastiken von Nicole Eisenman

Nicole Eisenman in Baden-Baden (Foto: SWR, SWR - Marie-Dominique Wetzel)
„Sherpson“, 2018, Bronze und Aluminum SWR - Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
Die Künstlerin Nicole Eisenman packt ihre Skulptur „Eagle“ aus SWR - Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
Detailansicht der Skulptur „Eagle“, 2018, Aluminiumguss, Ton SWR - Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
Blick in den großen Ausstellungssaal der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden SWR - Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
„The General“, 2018,Bronze, polierter rostfreier Stahl, Farbe, Stoff SWR - Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
„American Goth“, 2018, Aluminium, Papiermasse - dazwischen, „King Head“, 2018, Aluminium, polierter rostfreier Stahl SWR - Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
„American Goth“, 2018, Aluminium, Papiermasse SWR - Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
links: „New Face“, 2018, Schaumstoff und Farbe - rechts: „Head with Demon“, 2018, Bronze SWR - Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
Die Künstlerin Nicole Eisenman neben ihrer Skulptur „King Head“, 2018, Aluminium, polierter rostfreier Stahl SWR - Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen

Nicole Eisenman: eine Feministin

Nicole Eisenman gehörte in New York in den 90er Jahren zu einer Künstlerinnengruppe namens „Bad Girls“, die auch in den großen Museen mit feministischen Positionen auf sich aufmerksam machte. Eisenman steuerte mit ihrer Malerei grob realistische, comic-inspirierte Figuren bei, die den amerikanischen Way of life hinterfragten. Diese Gestalten hatten etwas enorm Körperliches, in den Raum Drängendes. Und so lag es für Eisenman nahe, vermehrt skulptural zu arbeiten – wie jetzt für diese Ausstellung, sagt Kurator Hendrik Büntge.

Humor und klare Haltung

Nicole Eisenman in Baden-Baden (Foto: SWR, SWR - Marie-Dominique Wetzel)
links: „New Face“, 2018, Schaumstoff und Farbe - rechts: „Head with Demon“, 2018, Bronze SWR - Marie-Dominique Wetzel

In Baden-Baden erwartet uns im Hauptsaal ein ganzes Figuren-Ensemble: ein brauner stilisierter Bronzekopf, dem ein Nasenring durch die Augen (!) gezogen ist, ein Dämonen-Schädel als völlig verformtes Gesicht, dem innen kleine Horrorfiguren wachsen und das Wasser speit, ein zerklüftetes Generals-Portrait mit tierischer Nase, pfannenartigem Helm und aus Flicken zusammengesetzter Uniformjacke und ein starres Aluminium-Paar mit Augen aus Papiermasse, deren gefrästen Körpern man noch ansieht, dass das Modell für die Skulptur einst aus Styropor gefertigt wurde.

Hendrik Büntge: „Es ist vor allem dieses Spiel zwischen Humor und einer ganz klaren Haltung. Diese ist häufig politisch, aber dann mit viel Empathie.“ So böse ist das Bad Girl also gar nicht, immerhin war ihr Vater Psychotherapeut.

Videofilm als spielerisches Element

Das spielerische Element wird mit einem Videofilm in die Ausstellung eingespeist: Zwei Männer rutschen mit (von Eisenman konstruierten) Styropor-Schlitten wie mit Autoscootern durch die winterlichen Berge von New Jersey. Dann aber beklagt eine riesenhafte Skulptur raumgreifend den derzeitigen Zustand der amerikanischen Demokratie. Quer durch den Saal legt die Künstlerin eine lange, mit Gips ummantelte, abgeknickte Fahnenstange – ein Symbol des Niedergangs. Und in einer Champagnerkiste liegt daneben das amerikanische Wappentier, der Seeadler, hingequetscht wie eine Donald-Duck-Parodie.

Nicole Eisenman in Baden-Baden (Foto: SWR, SWR - Marie-Dominique Wetzel)
Detailansicht der Skulptur „Eagle“, 2018, Aluminiumguss, Ton SWR - Marie-Dominique Wetzel

Diese Ausstellung wird manchen Besuchern sicher auch fremd und abstrakt vorkommen. Eines aber hat sie: Witz und Ortsbezug. Nicole Eisenman macht aus den Köpfen ihrer Skulpturen nämlich immer wieder bewohnbare Höhlen. In den Hinterkopf einer Plastik ist zum Beispiel eine Schwarzwälder Kuckucksuhr montiert. Kleines Folklore-Element mit ernster Bedeutung: Auch unsere Lebenszeit läuft und irgendwann läuft sie ab ...

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