Sebastian Frenzel über das bei Christie's versteigerte KI-Gemälde Noch ist der Computer kein großer Maler

Ein Computer malt ein Bild. Und erstmals wird das Gemälde von einem großen Auktionshaus versteigert. "Edmond de Belamy" ging beim New Yorker Auktionshaus Christie's für knapp 400.000 Euro über den Tisch. Und sofort lautete die Frage weltweit: sind Computer bald auch Meistermaler? Kunstexperte Sebastian Frenzel vom Monopol-Magazin hat da so seine Zweifel. Er sei gespannt, was Algorithmen der malenden Computer wirklich leisten könnten, sagt Frenzel in SWR2.

Kann der Computer so gut malen, wie er bald den Kühlschrank füllt?

Pierre Fautrel vom französischen Künstlerkollektiv Obvious speiste 15.000 Porträts in ein Computersystem. Auf dieser Basis malte oder generierte ein Computer mehrere Bilder, darunter auch das bei Christie's versteigerte Porträt.

Ersetzen also Algorithmen bald die Malerei? Malt der Computer der Zukunft bald so gut, wie er demnächst vielleicht ein Auto steuert oder den Kühlschrank füllt? Noch lächelt Sebastian Frenzel vom Monopol-Magazin über das unvollständige und verschwommen wirkende Bild, "das ja noch nicht wirklich eine große Meisterschaft hat".

Der stellvertretende Chefredakteur des Monopol-Magazins, Sebastian Frenzel. (Foto: Monopol-Magazin - Foto: Andrej Dallmann)
Der stellvertretende Chefredakteur des Monopol-Magazins, Sebastian Frenzel Monopol-Magazin - Foto: Andrej Dallmann

Was kann der Algorithmus des Computermalers wirklich?

Auch wenn das Bild für so viel Geld über den Tisch gegangen sei, so Frenzel: Die Entwicklung sei nicht wirklich neu. "Es gibt schon länger Experimente mit Künstlicher Intelligenz, seit den 70er Jahren, Computerkunst in vielfältiger Form. Da sind die Auktionshäuser natürlich immer auch geschickt im Marketing."

Entscheidend dagegen sei die Frage, wie es um die Einmaligkeit des Bildes bestellt sei, seine Aura. Was macht eigentlich der Algorithmus ab, nach dem der malende Computer arbeitet? Sebastian Frenzel: "Hat der einen Stil erkannt? Geht es um souveräne Pinselführung? Wie geht der Algorithmus mit Fehlern um? In der Kunst wird auch absichtlich mit Fehlern gearbeitet, das ist ja auch eine Form der Kreativität."

Gemälde "Edmond de Belamy", mit zwei Betrachtern im Vordergrund. Das Porträt ist das erste Gemälde einer künstlichen Intelligenz, das bei einem großen Auktionshaus unter den Hammer kommt. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Der verschwommene Druck "Edmond de Belamy" zeigt einen Mann in dunkler Kutte mit weißem Kragen, der an einen französischen Geistlichen im 17. oder 18. Jahrhundert erinnert. Das Porträt ist das erste Gemälde einer künstlichen Intelligenz, das bei picture-alliance / dpa -

Ein Computer kann nachahmen. Aber kann er auch abwandeln?

Mit anderen Worten: Wird ein malender Computer jemals anderes können, als Kunstprinzipien, wenn auch auf hohem Niveau, nachzuahmen? "Kreativität bedeutet immer auch, Fehler zu machen, bedeutet auch Idee und Kontext", so der Kunstexperte. "Kreativität bedeutet: ich beziehe mich auf Vorgänger oder wende mich von ihnen ab. Kreativität kann bedeuten, dass man ein Bild von einem Vorgänger ausradiert." Er sei gespannt, wie weit ein Algorithmus da mithalten könne.

Ein Pissoir von Marcel Duchamps im Museum. Was fängt der Rechner damit an?

Sebastian Frenzel nennt ein provokantes Beispiel: Wie würde dieser Algorithmus Kunstwerke, die es bereits gibt, beurteilen? "Da kann man auch hundert Jahre zurückgehen und an Marcel Duchamps denken, der das Readymade erfindet und ein Pissoir ins Museum stellt. Da wäre ich gespannt, wie dieser Algorithmus das Pissoir von Marcel Duchamps beurteilt."

Wenn KI es hinbekomme, solche Dinge hinzubekommen, so Sebastian Frenzel, dann "freue ich mich darauf, künftig noch mehr solcher Bilder zu sehen."

STAND