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Rückgabe der Benin-Bronzen – Kein Wendepunkt der Aufarbeitung

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Bund, Länder und Museen haben sich auf einen Fahrplan für die Rückgabe der Benin-Bronzen an Nigeria geeinigt. Bereits 2022 soll es zu ersten Rückgaben kommen. „Wir stellen uns der historischen und moralischen Verantwortung“, sagt Kulturstaatssekretärin Monika Grütters. Von einem „Wendepunkt im Umgang mit unserer Kolonialgeschichte“ spricht Außenminister Heiko Maas.

Eine große Geste der Restitution wäre besser gewesen

Kritik an dem Rückgabe-Verfahren kommt hingegen von Jürgen Zimmerer, Historiker für die Geschichte Afrikas an der Universität Hamburg. Wenn man anerkenne, dass alle Benin-Bronzen geraubt seien, dann sei nicht verständlich, dass man nun nur von einer „substanziellen“ und nicht von einer ,,vollständigen Rückgabe“ spreche, meint Jürgen Zimmerer. Eine große Geste der Restitution, verbunden mit der Bitte um Leihgabe einiger Bronzen, wäre seiner Auffassung nach der bessere Weg gewesen.

Die deutsche Zivilgesellschaft war überhaupt nicht involviert

Problematisch am Verfahren der Rückgabe sei auch, dass die deutsche Zivilgesellschaft überhaupt nicht involviert gewesen sei. Dabei sei es der Druck aus der Zivilgesellschaft gewesen, der ja eigentlich dafür gesorgt habe, dass das Thema wachgehalten wurde. Eine Aufarbeitung des kolonialen Erbens bedürfte gerade einer breiten gesellschaftlichen Diskussion.

Weiteres Thema zum kolonialen Erbe: der Genozid an den Herero und Nama

Der eigentliche „Prüfstein“ der Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe seien nicht die Benin-Bronzen, so Jürgen Zimmer, sondern die Entschädigungsverhandlungen wegen des Genozids an den Herero und Nama in Namibia. Es dränge sich der Verdacht auf, dass die deutsche Politik jetzt gewissermaßen ausweiche auf das Thema der Benin-Bronzen. Die Zivilgesellschaften in Deutschland und Namibia seien auch beim Thema Genozid an den Herero und Nama nicht eingebunden.

Benin-Bronzen: Webseite listet erstmals die betroffenen Raubkunst-Objekte auf

Nach der umstrittenen Einigung zwischen Deutschland und Nigeria über eine „substanzielle“ Rückgabe der Benin-Bronzen im April 2021, sind nun zum ersten Mal alle Informationen zu den betroffenen Museumsobjekten auf einer Webseite aufgelistet und öffentlich zugänglich.  mehr...

Gespräch Theresia Bauer (Grüne): „Der gemeinsame Wille, zu handeln ist da“ – Erste Benin-Bronzen sollen 2022 an Nigeria zurückgehen

Sie hätten einen sehr ambitionierten Fahrplan für die Rückgaben der als Raubgut eingestuften Benin-Bronzen beschlossen, sagt Kunstministerin Theresia Bauer in SWR2 : „Es gibt einen gemeinsamen Willen, jetzt nicht mehr nur reden und räsonieren, sondern zu handeln.“ Die Gespräche mit Nigeria seien im vollen Gange. Jetzt müssten die Länder und Kommunen entsprechende Entscheidungen und Vorgaben vorbereiten, so Bauer: „Denn zum Teil sind die Bronzen im Landesbesitz, so dass es zum Herausgeben auch eine gesetzliche Grundlage braucht.“ In Baden-Württemberg sei diese schon geschaffen worden.
Bauer betonte, es gehe bei der Einigung nicht nur um Rückgaben, sondern es auch um eine neue Kultur der Kooperation, der Zusammenarbeit zwischen Herkunftsländern und unseren Ländern und um eine neue engere Zusammenarbeit mit den Museen.“
Die Bronzen aus dem Königspalast des damaligen Königsreichs Benin sind in zahlreichen deutschen Museen zu finden. Auch im Stuttgarter Lindenmuseum sind sie ausgestellt. Im 19. Jahrhundert wurden die Benin-Bronzen von britischen Kolonisatoren aus dem heutigen Nigeria gestohlen.  mehr...

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Gespräch „Es muss eine klare Entscheidung zur Rückgabe geben“: Digitales Benin-Bronzen-Treffen mit Monika Grütters

Wegen der bevorstehenden Eröffnung des Humboldt-Forums gebe es einen gewissen Zeitdruck, die umstrittenen Benin-Bronzen zurückzugeben, sagt Jörg Häntzschel von der Süddeutschen Zeitung. Denn es sei immer schwierig gewesen, sich vorzustellen, das Forum zu eröffnen ohne irgendeine Art von offizieller Lösung dafür gefunden zu haben.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Direktorin des Lindenmuseums: Debatte um Rückgabe der Benin-Bronzen ist wichtig

Bis Herbst soll entschieden werden, ob das Berliner Humboldt-Forum die Benin-Bronzen zurückgibt. Dies sei jedoch nicht ausschlaggebend für das Lindenmuseum Stuttgart, betonte Leiterin Ines de Castro in SWR2. „Die eigentliche Entscheidung, ob restitutiert werden soll oder nicht, wird getroffen vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart."  mehr...

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