Gespräch

Rolf-Bernhard Essig: „Fluchen und Schimpfen ist ungeheuer vital“

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Astrid Tauch

Rolf-Bernhard Essig, der Kurator der Ausstellung „Potz! Blitz! Vom Fluch des Pharao bis zur Hate Speech“ im Museum für Kommunikation in Frankfurt will die ungeheure Vielfalt von Verwünschungen und Verfluchungen zeigen. Kraftausdrücken habe man schon immer Macht zugeschrieben, zum Beispiel als Abwehr gegen das Böse.

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Fluchen muss nicht nur sprachlich sein

Sogar für besseren Sex könnten sogenannte „Dirty talks“ sorgen. Auch reize das Tabu, das mit ihnen verbunden ist. Woher man weiß, dass auch der Pharao geflucht habe? „Wir haben die Sandalen von Tutanchamun. Auf den Innenflächen, auf die er trat, waren seine Feinde abgebildet und die hat er so jeden Tag mit Füßen getreten“, sagt der Kurator.

Insofern: Fluchen müsse nicht nur sprachlich sein, auch mit Gesten könne man fluchen. Oder schriftlich, wie es die Keilschriften oder Hieroglyphen zeigen.

Auch die heutige Hatespeech, „wo Trollfabriken von Staaten dazu angeleitet werden, politische Gegner so in den Dreck zu ziehen, dass die Aggressionen gegen sie viele Leute erfassen kann“.

Bei der Suche nach Flüchen in der Literatur sei ihm aufgefallen, dass wir vergleichsweise ziemlich langweilige Flucher seien. „Man kann in der Literatur so schöne Wörter finden“, schwärmt Essig. Zum Beispiel: „Du hundedummer, henkermäßiger Schandnickel“.

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