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Der Schweiz-Amerikaner Robert Frank ist einer der einflussreichsten künstlerischen Fotografen seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Ein Jahr nach seinem Tod zeigt die Fotostiftung Schweiz in Winterthur nun Franks Frühwerk. Parallel dazu ist im benachbarten Fotomuseum die Ausstellung "Street.Life.Photography" zu sehen, mit Beiträgen von 28 internationalen Künstlern. Das macht Winterthur bis Januar 2021 zum Mekka der Straßenfotografie.

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Der Gott der künstlerischen Fotografie

Robert Frank hat sich mit Händen und Füßen gegen seinen Ruhm gewehrt, doch entkommen ist er ihm nicht. Seit seinem epochalen Frühwerk „Die Amerikaner“, dem wohl wichtigsten Fotobuch des 20. Jahrhunderts, war allen Fans der künstlerischen Fotografie klar: Robert Frank ist Gott.

Ausstellungen Robert Frank „Memories“ und „Street.Life.Photography“

Ausstellung Robert Frank „Memories“ in der Fotostiftung Schweiz (Foto: Fotostiftung Schweiz / Andrea Frank Foundation; courtesy Pace/MacGill Gallery, New York)
Robert Frank, Parade – Hoboken, New Jersey, 1955 Fotostiftung Schweiz / Andrea Frank Foundation; courtesy Pace/MacGill Gallery, New York Bild in Detailansicht öffnen
Robert Frank, City fathers – Hoboken, New Jersey, 1955 Fotostiftung Schweiz / Andrea Frank Foundation; courtesy Pace/MacGill Gallery, New York Bild in Detailansicht öffnen
Robert Frank, Trolley – New Orleans, 1955 Fotostiftung Schweiz / Andrea Frank Foundation; courtesy Pace/MacGill Gallery, New York Bild in Detailansicht öffnen
Maciej Dakowicz, Ohne Titel, aus der Serie Cardiff After Dark, 2005–2011 Fotomuseum Winterthur / Maciej Dakowicz Bild in Detailansicht öffnen
Maciej Dakowicz, Ohne Titel, aus der Serie Cardiff After Dark, 2005–2011 Fotomuseum Winterthur / Maciej Dakowicz Bild in Detailansicht öffnen
Loredana Nemes, S009, Paris, April 2005, aus der Serie Under Ground, 2005–2006 Fotomuseum Winterthur / Loredana Nemes Bild in Detailansicht öffnen
Loredana Nemes, E005, Paris, April 2005, aus der Serie Under Ground, 2005–2006 Fotomuseum Winterthur / Loredana Nemes Bild in Detailansicht öffnen

Jetzt ist Gott seit einem Jahr tot, und die Fotostiftung Schweiz in Winterthur zeigt seine erste posthume Ausstellung mit dem Titel „Memories“. Direkt gegenüber im Fotomuseum Winterthur ist zeitgleich die Ausstellung „Street.Life.Photography“ zu sehen. Das passt perfekt, denn Robert Frank ist die ideale Verkörperung des freiheitsliebenden, intuitiven Straßenfotografen. Allerdings wäre Frank auch mit dieser Beschreibung nicht einverstanden gewesen, erklärt sein Kurator Martin Gasser.

„Ich möchte ihn nicht Street Photographer nennen, er hat sich immer gegen dieses Label gewehrt, wie gegen alle Labels. Aber er war sicher einer der Frühen in den 50er Jahren, der angefangen hat, auf der Straße, im Leben, im Alltag zu fotografieren.“

Kurator Martin Gasser über Robert Frank

Rau, dunkel und randständig sind die Bilder des Schweizer Emigranten Frank, der Sartre las und im Auto mit Kind und Kegel durch die USA driftete wie ein lonesome Cowboy, bewaffnet mit der Leica. Franks Bilder der verdüsterten Staaten von Amerika sind vor allem emotional eine Wucht, meint Sabine Schnakenberg, Kuratorin der Parallelausstellung „Street.Life.Photography“.

„Street.Life.Photography“ im Fotomuseum Winterthur

Schnakenbergs Ausstellung belegt, dass Straßenfotografie mehr bietet als Emotion, denn sie zeigt auf unkaschierte Weise gesellschaftliche Zustände. Diese Qualität droht zu verschwinden, weil immer mehr Menschen geradezu hysterisch darauf reagieren, in der Öffentlichkeit fotografiert zu werden.

„Wenn wir jedes Mal um Erlaubnis fragen müssten, dann hätten wir sie nicht diese wunderbaren Bilder, die auch über gesellschaftliche Phänomene berichten. Es sind ganze Bilderwelten, die uns verloren gehen würden.“

Kuratorin Sabine Schnakenberg

Sabine Schnakenberg verweist beispielhaft auf eine Bildserie des polnischen Fotografen Maciej Dakowicz, der jahrelang Menschen im exzessiven Nachtleben von Cardiff fotografiert hat.

Ausstellung „Street.Life.Photography“ im Fotomuseum Winterthur (Foto: Fotomuseum Winterthur / Maciej Dakowicz)
Maciej Dakowicz, Ohne Titel, aus der Serie Cardiff After Dark, 2005–2011 Fotomuseum Winterthur / Maciej Dakowicz

Mit der analogen Rollei in der U-Bahn

Auch die Berliner Fotografin Loredana Nemes hat sich buchstäblich ins Dunkle begeben. Mit einer analogen Rollei auf dem Schoß ist sie nachts stundenlang U-Bahn gefahren und hat ihre Gegenüber porträtiert — ohne die Kamera zu verstecken.

Ausstellung „Street.Life.Photography“ im Fotomuseum Winterthur (Foto: Fotomuseum Winterthur / Loredana Nemes)
Loredana Nemes, S009, Paris, April 2005, aus der Serie Under Ground, 2005–2006 Fotomuseum Winterthur / Loredana Nemes

Fotostiftung Schweiz: Robert Frank - Memories
12. September 2020 bis 10. Januar 2021

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