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Der mexikanische Installationskünstler Pedro Reyes baut Musikinstrumente aus Waffen, die im Drogenkrieg konfisziert wurden. Nun hat das Museum Tinguely in Basel bei Pedro Reyes eine Arbeit in Auftrag gegeben: Spieluhren aus umfunktionierten Waffen spielen Musikstücke aus deren Herkunftsländern.

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Die Ausstellung beginnt mit dem „Zündhölzli“, ein Song vom Schweizer Liedermacher Mani Matter. Die „Disarm Music Box“ von Pedro Reyes spielt die Melodie des bekannten Antikriegslieds.

Musikinstrumente aus Waffen

Eine Spieluhr als Abrüstungs-Musik-Maschine – das Basler Museum Tinguely hat die Arbeit in Auftrag gegeben.

„Man kauft Waffen eines bestimmten Produzenten. Man zerstört diese Waffen und funktioniert sie um zu Musikinstrumenten“, erklärt Kurator Roland Wetzel. Die Musikdose spielt dann ein Stück aus dem Heimatland des jeweiligen Waffenproduzenten.

Mozart für die Österreicher, Vivaldi für Italien

In diesem Fall sind es die Karabiner-Gewehre der Schweizer Armee. Diese schlägt die Spieluhr so an, dass die Melodie des bekannten Matter-Liedes erklingt.

Piedro Reyes: Return to Sender (Foto: Daniel Spehr, für die Werke 2020 Museum Tinguely, Basel - Courtesy of the artist)
Antikriegslieder, gespielt von Schweizer Waffen, ertönen aus diesen Pfeifen. Daniel Spehr, für die Werke 2020 Museum Tinguely, Basel - Courtesy of the artist

Andere „Disarm Music Boxes“ spielen für einen österreichischen Waffenproduzenten eine Mozart-Symphonie, für die italienische Firma Beretta ist es Vivaldi.

„Die Idee von „Return to Sender“ ist es, Waffen zu transformieren und als etwas, was Freude macht, zurückgibt an das Land oder auch an den Waffenhersteller“, sagt Wetzel.

Pedro Reyes, Pazifist

Der Architekt Pedro Reyes beschäftigt sich seit vielen Jahren mit politischen Kunstprojekten. Er konstruiert Musikinstrumente aus Waffen, die im mexikanischen Drogenkrieg konfisziert wurden, er tauscht Waffen gegen Gutscheine ein, etwa für Küchengeräte oder Elektroartikel.

Piedro Reyes: Return to Sender (Foto: Daniel Spehr, für die Werke 2020 Museum Tinguely, Basel - Courtesy of the artist)
Spätestens seit der dokumenta 2012 weltweit bekannt: Pedro Reyes. Daniel Spehr, für die Werke 2020 Museum Tinguely, Basel - Courtesy of the artist

Also für Dinge, mit denen man etwas Sinnvolles anfangen kann. Das mag zunächst etwas naiv-pazifistisch anmuten, denn die Waffenkonzerne produzieren ja munter weiter, aber Reyes‘ Werke haben soziale Wirkung.

Nach dem Motto „Schwerter zu Pflugscharen“ schmilzt er Waffen ein und stellt daraus Schaufeln her, mit denen man Erde ausheben und Bäume pflanzen kann. Über 1500 symbolkräftige Bäume sind auf diese Weise schon in die Erde gekommen, auch in Basel wird vor dem „Musée Tinguely“ demnächst eine neue Kastanie stehen.

Klangskulpturen aus skurrilen Instrumenten

Vor allem aber baut Reyes aus den konfiszierten Waffen skurrile Musikinstrumente, in Form einer dreiflügligen Harfe, eines Klaviers oder Xylophons oder von allen möglichen Schlagwerken. Diese Instrumente werden bisweilen von Musikern für Performances genutzt.

Piedro Reyes: Return to Sender (Foto: Daniel Spehr, für die Werke 2020 Museum Tinguely, Basel - Pedro Reyes, Courtesy Lisson Gallery)
Ein Orchester aus Waffen: geheimnisvolle Musikperformance im Tinguely-Museum Daniel Spehr, für die Werke 2020 Museum Tinguely, Basel - Pedro Reyes, Courtesy Lisson Gallery

Für Basel hat Reyes eine automatisierte Version gebaut, das „Disarm Mechanized“-Orchester. Es ist eine geheimnisvolle Klangskulptur, die ein zehnstündiges vorprogrammiertes Stück spielt.

Wunderschön-filigrane Ausstellung

Pedro Reyes' Klang-Installationen rufen uns in Erinnerung, wie viele Waffen eigentlich in Umlauf sind, und zwar nicht nur im Militär, sondern auch bei Privatleuten, vor allem in den USA. Reyes zeigt, was man mit diesen Geräten alles anstellen kann, wenn man über Phantasie verfügt.

Es gibt immer neue, überraschende Klänge in dieser wunderschönen, filigranen Ausstellung und Reyes‘ Klang-Skulpturen haben durchaus etwas Menschenähnliches.

Die Ausstellung „Return to sender“ mit Skulpturen von Pedro Reyes lauft noch bis zum 15. November im Museum Tinguely in Basel.

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