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Radikal und modern – Die Schirn in Frankfurt würdigt Paula Modersohn-Becker

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Paula Modersohn-Becker gilt heute als wichtige Wegbereiterin der Moderne. Zu ihren Lebzeiten verkaufte sie nur vier Bilder, ihr Werk umfasst jedoch mehr als 700 Gemälde und 1500 Zeichnungen. Die Kunsthalle Schirn untersucht den Mythos Paula Modersohn-Becker anhand von hervorragend kuratierten Porträts, Landschaften und Zeichnungen.

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Zu Lebzeiten blieb Paula Modersohn-Becker erfolglos

„Hände wie Löffel, Nasen wie Kolben, Münder wie Wunden, Ausdruck wie Cretins“ - so beschreibt Otto Modersohn ziemlich genervt im Jahr 1902 in seinem Tagebuch die unkonventionelle Malerei seiner Frau Paula Modersohn-Becker.

Zeit ihres Lebens bleibt die Künstlerin mit ihrer radikalen Malweise erfolglos. Sie nimmt gerade mal an zwei kleineren Ausstellungen teil und verkauft insgesamt nur vier Bilder an Freunde.

Paula Modersohn-Becker (Foto: Pressestelle, Schirn Kunsthalle Frankfurt)
Paula Modersohn-Becker in ihrem Atelier bei Brünjes, um 1905 Pressestelle Schirn Kunsthalle Frankfurt

Die Ausstellung ist thematisch gegliedert

Unfassbar - angesichts des Ouevres von mehr als 700 Gemälden und rund 1500 Arbeiten auf Papier, entstanden in nur zehn Jahren. Denn Paula Modersohn-Becker starb mit nur 31 Jahren. Warum aber hatte sie Anfang des 20. Jahrhunderts keinen Erfolg? Kuratorin Dr. Ingrid Pfeiffer sieht den Grund dafür in Modersohn-Beckers Abweichung von damals geltenden Normen.

Paula Modersohn-Becker (Foto: Pressestelle, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Foto: Gaby Gerster)
Kuratorin Ingrid Pfeiffer: „Zu ihren Lebzeiten hat sie sich immer ihren eigenen Themen zugewandt. Also zu einer Zeit als alle anderen sich Landschaften zugewandt haben, malte sie die Figur, die Bauern in Worpswede, Kinder, die nicht niedlich aussahen. Das war eine Revolution in der damaligen Zeit.“ Pressestelle Schirn Kunsthalle Frankfurt, Foto: Gaby Gerster

Die Ausstellung ist thematisch gegliedert. Den Selbstporträts, den Porträts von Familie und Freunden, den Landschaften, den Akt - und Kinderbildern und den Zeichnungen ist jeweils ein eigener Raum gewidmet. Das „Selbstporträt am 6. Hochzeitstag“ aus dem Jahr 1906 hat dabei einen besonderen Stellenwert.

Paula Modersohn-Becker (Foto: Pressestelle, Schirn Kunsthalle Frankfurt)
Paula Modersohn-Becker malt sich mit gewölbtem Bauch, ihre Hand streicht darüber, sie trägt eine Bernsteinkette, ihr Blick: Herausfordernd. Für die damalige Zeit eine Revolution. Pressestelle Schirn Kunsthalle Frankfurt

Die Zeichnungen Modersohn-Beckers sind bis heute fast unbekannt

Paula Modersohn-Becker pendelte zwischen der Künstlerkolonie Worpswede und Paris. In der französischen Hauptstadt sieht sie als junge Frau Cezanne und Gauguin, da galten noch Max Liebermann und der deutsche Impressionismus als modern.

Paula Modersohn-Becker (Foto: Pressestelle, Schirn Kunsthalle Frankfurt)
Paula Modersohn-Becker malt sich mit gewölbtem Bauch, ihre Hand streicht darüber, sie trägt eine Bernsteinkette, ihr Blick: Herausfordernd. Für die damalige Zeit eine Revolution. Pressestelle Schirn Kunsthalle Frankfurt Bild in Detailansicht öffnen
Selbstbildnis mit rotem Blütenkranz und Kette, 1906/1907 Pressestelle Landesmuseum Hannover - ARTOTHEK Bild in Detailansicht öffnen
Stillleben mit Fisch Pressestelle Landesmuseum Hannover Bild in Detailansicht öffnen
Portraitfoto, um 1895 Pressestelle Schirn Kunsthalle Frankfurt Bild in Detailansicht öffnen
Mutter mit Kind auf dem Arm, Halbakt II, 1906, Öltempera auf Leinwand Pressestelle Jürgen Spiler, Dortmund, Museum Ostwall im Dortmunder U Bild in Detailansicht öffnen
Oberkörper eines nach rechts gebeugten weiblichen Aktes sowie kleine Skizze desselben, 1898, Kohle und Kreide auf Papier Pressestelle Paula-Moderson-Becker-Stiftung, Bremen Bild in Detailansicht öffnen
Hand mit Blumenstrauß, um 1902 Pressestelle Privatbesitz Bild in Detailansicht öffnen
Mädchen mit gelbem Kranz, um 1901, Öl auf Pappe Pressestelle Private Collection, Courtesy Kallir Research Institute, New York Bild in Detailansicht öffnen
Alte Bäuerin mit auf der Brust gekreuzten Händen, 1907, Öltempera auf Leinwand Pressestelle Detroit Institute of Arts, Gift of Robert H. Tannahill Bild in Detailansicht öffnen
Sitzender Mädchenakt mit Blumenvasen, 1906/1907, Öltempera auf Leinwand Pressestelle Von der Heydt-Museum Wuppertal Bild in Detailansicht öffnen

Sie zeichnet auf der einen Seite nackte Männer im streng akademischen Stil, was damals skandalös war, denn man durfte sie in den Akademien nur mit Badehose darstellen. Diese fantastischen Zeichnungen sind noch heute kaum bekannt.

Eine hervorragend kuratierte Schau

Auf der anderen Seite standen ihr in Worpswede arme Bäuerinnen Modell. Auch Kinder und pubertierende Mädchen spielen eine große Rolle. Paula Modersohn-Becker malte die Figuren schlicht, reduzierte sie auf das Wesentliche und versuchte so, Stimmungen fest zu halten.

Das gelang ihr mit einem Kunstgriff: Sie konzentrierte sich gerne auf Bildausschnitte. Die hervorragend kuratierte Schau in der Kunsthalle Schirn spiegelt das Werk der Paula Modersohn-Becker in seiner Gesamtheit wider. Die gezeigten Bilder veranschaulichen die Radikalität einer Künstlerin, die zu Lebzeiten keine Anerkennung fand.

Zeitwort 25.5.1906: Paula Modersohn-Becker malt sich selbst nackt

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