Gespräch

Uni Mainz gibt Benin-Bronze zurück – Provenienzforschung auch Frage der Moral

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INTERVIEW
Julian Burmeister

Die Universität Mainz gibt eine bedeutende Benin-Bronze an Nigeria zurück. „Gerade Exponate der Benin-Bronze sind für die Provenienzforschung wichtig“, sagt Dr. Anna-Maria Brandstetter, Kuratorin der Ethnografischen Studiensammlung in SWR2. Eben weil Herkunft und die koloniale Vorbelastung hier so eindeutig gegeben seien.

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Washingtoner Prinzipien „fair & gerecht“ einhalten

Die Arbeit von Provenienzforscher*innen bestehe dabei nicht nur aus der Ermittlung der Herkunftsgeschichte, so Brandstetter. Ganz wichtig sei immer auch die begleitende Kommunikation und Kooperation mit Menschen aus den Herkunftsländern. Dabei gelte es, die für die Forschung wichtigen Washingtoner Prinzipien „fair & gerecht“ einzuhalten, weshalb eben jene Menschen aus den Herkunftsländern am Ende bestimmen, wie mit den Exponaten umgegangen werden soll.

Transparenten Umgang mit kolonialen Vergangenheit

„Insofern hat Provenienzforschung auch immer mit Moral zu tun, es sind immer auch politische Entscheidungen, die getroffen werden müssen.“ Es sei nicht eine Frage der Wiedergutmachung, sondern eine der des transparenten Umgangs mit einer gewaltvollen, kolonialen Vergangenheit“, sagt Brandstetter im SWR2 Gespräch.

Über 50 Jahren Teil der Ethnografischen Studiensammlung.

Der Gedenkkopf soll vor der Rückgabe noch im Mainzer Landesmuseum ausgestellt werden. Seit über 50 Jahren war er Bestandteil der Ethnografischen Studiensammlung.

Der Gedenkkopf war eines von über 4.000 Kunstwerken im Königspalast von Benin, der 1897 von einem britischen Expeditionskorps erobert und geplündert worden war. Zahlreiche geraubte Objekte waren danach in verschiedene europäische Staaten gelangt, darunter auch nach Deutschland. Die Republik Nigeria fordert seit Jahrzehnten eine Rückgabe. Einen genauen Zeitpunkt für die Rückkehr der Skulptur nach Afrika gibt es noch nicht.

Forum Kunst aus den Kolonien – Vom Umgang mit geraubten Kulturgütern

Silke Arning diskutiert mit
Prof. Dr. Inés de Castro, Ethnologin und Direktorin des Linden-Museums Stuttgart
Prof. Dr. Andreas Eckert, Historiker und Afrikawissenschaftler, Humboldt-Universität Berlin
Prof. Dr. Sophie Schönberger, Juristin für Kunst- und Kulturrecht, Universität Düsseldorf  mehr...

SWR2 Forum SWR2

Benin-Bronzen: Webseite listet erstmals die betroffenen Raubkunst-Objekte auf

Nach der umstrittenen Einigung zwischen Deutschland und Nigeria über eine „substanzielle“ Rückgabe der Benin-Bronzen im April 2021, sind nun zum ersten Mal alle Informationen zu den betroffenen Museumsobjekten auf einer Webseite aufgelistet und öffentlich zugänglich.  mehr...

Gespräch Außereuropäische Sammlungen des Humboldt-Forums werden eröffnet

Man habe seit zwei Jahren vier Provenienzforschungsstellen eingerichtet, sagt Prof. Lars Christian Koch, Direktor für die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin im Humboldt Forum, im Gespräch mit SWR2. Und könne damit gezielt auf die aktuellen Herausforderungen im Umgang mit der Problematik Kolonialismus antworten. Es gäbe also in der Museumsarbeit eine Mischung aus zeitgenössischer Herangehensweise an die koloniale Sammlung und ihrer Aufarbeitung in der Gegenwart. Die Ergebnisse präsentiere man dann in den Ausstellungen.
Er habe keine Sorge, dass das Museum zukünftig leer sein werden, denn man arbeite sehr eng mit den Herkunftsländern zusammen und habe inzwischen auch schon eine Reihe von Objekten zurückgegeben. Auch im Zusammenhang mit den Benin-Bronzen sei man in engem Kontakt mit den Kollegen in Nigeria und auch da werde es substanzielle Rückgaben geben. „Wir werden natürlich mit den Kollegen sprechen, was muss zurück, was kann zurück und wie können wir dieses Wissen teilen," sagt Koch.
Ganz klar sei für ihn, dass in der Frage der Rückgabe nicht die Politik das Sagen habe, sondern die Herkunftskulturen über den Verbleib ihrer Objekte entscheiden müssten. „Nicht wir entscheiden, was wir zurückgeben, sondern es muss in dem Zusammenhang sein, dass wir nicht über jemanden reden, ohne sie einzubeziehen," sagt Koch.
In Berlin eröffnet Bundespräsident Frank Walter Steinmeier heute mit einem Festakt die außereuropäischen Sammlungen des Humboldt-Forums: das Ethnologischem Museum und das Museum für Asiatische Kunst.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Direktorin des Lindenmuseums: Debatte um Rückgabe der Benin-Bronzen ist wichtig

Bis Herbst soll entschieden werden, ob das Berliner Humboldt-Forum die Benin-Bronzen zurückgibt. Dies sei jedoch nicht ausschlaggebend für das Lindenmuseum Stuttgart, betonte Leiterin Ines de Castro in SWR2. „Die eigentliche Entscheidung, ob restitutiert werden soll oder nicht, wird getroffen vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart."  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Buchkritik Bénédicte Savoy – Afrikas Kampf um seine Kunst

Sie gilt als kunsthistorisches Gewissen der Nation: Bénédicte Savoy will Raubkunst zurück nach Afrika bringen und erklärt, was das mit moderner Gesellschaftspolitik zu tun hat.
Rezension von Jochen Rack.
C.H. Beck Verlag, 256 Seiten, mit 16 Abbildungen, 24 Euro
ISBN: 978-3-406-76696-1  mehr...

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