Kunst

Provenienzforscher Kai Artinger: NS-belastete Kunst in der Villa Reitzenstein Stuttgart

STAND
AUTOR/IN
Sophia Volkhardt

Der Provenienzforscher Kai Artinger vom Kunstmuseum Stuttgart untersucht die Herkunft von Kunstwerken. Dabei setzt er sich nicht nur mit NS-Raubkunst oder Beute aus der Kolonialzeit auseinander. Auch die Biographien bestimmter Künstlerinnen und Künstler sind nach dem Zweiten Weltkrieg offenbar kaum kritisch hinterfragt worden.

Audio herunterladen (4 MB | MP3)

Die Portäts zweier Ministerpräsidenten stammen vom ehemaligen Kriegsberichterstatter Peter Jakob Schober

Peter Jakob Schober, geboren 1897 in der Nähe von Stuttgart. Zwei seiner Bilder finden sich an prominenter Stelle – nämlich im Amtssitz des baden-württembergischen Staatsministeriums. Zwei Ministerpräsidenten hat er in der Nachkriegszeit porträtiert: 1951 Gebhard Müller und 30 Jahre später Hans Filbinger.

Kai Artinger: „In der Biographie wird nach 45 schon darauf hingewiesen, dass er zum Beispiel Kriegsberichterstatter war. Es wird aber gar nicht gesagt, dass das eigentlich eine privilegierte Position war, und in der Regel haben das nur die Leute bekommen, die über Beziehungen verfügen.“

Das ehemalige NSDAP-Mitglied August Köhler porträtiert Reinhold Maier

Ähnlich aufschlussreich ist der Blick in die Akten von August Köhler. Er porträtierte den ersten Ministerpräsidenten des Landes Reinhold Maier. Schon 1933 war Köhler in die NSDAP eingetreten und beriet im Dritten Reich das NS-Kultur- und Kunstreferat bei Ankäufen für die Städtische Galerie, der Vorgängerinstitution des Stuttgarter Kunstmuseums.

In ihren Entnazifizierungsverfahren gaben Köhler und Schober an, aus Zwang der NSDAP beigetreten zu sein. Angesichts dieser Fakten sei das unglaubwürdig, so Artinger. 

Hinweise auf die mutmaßlich problematische Rolle der Künstler gibt es in der Ministerpräsidentengalerie der Villa Reitzenstein keine. 

Auf Nachfrage heißt es allerdings vom Staatsministerium, man plane, die Portraits weiteren mit Informationen zu versehen. Außerdem solle eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Künstlern und ihren Bildern erfolgen. 

Spurensuche - der Provenienzforscher Kai Artinger (Foto: Pressestelle, Staatsministerium BW)
Peter Jakob Schober: Ministerpräsident Gebhard Müller, 1951 Pressestelle Staatsministerium BW Bild in Detailansicht öffnen
Peter Jakob Schober: Ministerpräsident Hans Karl Filbinger, 1981 Pressestelle Staatsministerium BW Bild in Detailansicht öffnen
August Köhler porträtierte den ersten Ministerpräsidenten des Landes – Reinhold Maier Pressestelle Staatsministerium BW Bild in Detailansicht öffnen
Provenienzforscher Kai Artinger vom Kunstmuseum Stuttgart / dpa | Hendrik Schmidt Bild in Detailansicht öffnen

Gespräch ARD-Kulturpodcast „Akte: Raubkunst?“ – Warum Nofretete nicht nach Berlin gehört

Wenn sie Gegenstände in Museen gesehen habe, die aus einem kolonialen Kontext nach Europa gekommen waren, habe sie sich immer unwohl gefühlt, sagt Helen Fares, Moderatorin des Podcasts „Akte: Raubkunst?“, in SWR2. Auf welchem Weg Objekte wie die Büste der Nofretete überhaupt nach Berlin gekommen, erzählt sie in dem neuen ARD-Kultur-Podcast.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Gespräch Uni Mainz gibt Benin-Bronze zurück – Provenienzforschung auch Frage der Moral

Das Landesmuseum Mainz gibt eine bedeutende Benin-Bronze an Nigeria zurück. „Gerade Exponate der Benin-Bronze sind für die Provenienzforschung wichtig“, sagt Dr. Anna-Maria Brandstetter, Kuratorin der Ethnografischen Studiensammlung in SWR2. Eben weil Herkunft und die koloniale Vorbelastung hier so eindeutig gegeben seien.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Mannheim

Direktorin an den Reiss-Engelhorn-Museen erstattet Bericht Benin-Bronzen Thema im Mannheimer Kulturausschuss

Die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen besitzen - wie viele andere deutsche Museen - Objekte aus dem Benin-Raubzug im 19. Jahrhundert. Nun haben Deutschland und Nigeria die Rückgabe beschlossen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
Sophia Volkhardt