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Die Heidelberger Sammlung Prinzhorn hat den Nachlass der Künstlerin Elfriede Lohse-Wächtler erworben, die im Alter von 41 Jahren von den Nazis im Euthanasie-Programm ermordet. Zu Lebzeiten hatte die Zeichnerin vergebens um Anerkennung gerungen.

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In Heidelberg werden nun ihr Werk und ihr Leben gewürdigt, weiter erforscht und für künftige Ausstellungen aufbereitet. Lohse-Wächtler zeichnete auch in der Psychiatrie, porträtierte Menschen als versteinerte Wesen, machte mit ihren Werken das Leiden in der Psychiatrie greifbar.

In den tödlichen Mühlen der NS-Psychatrie

Elfriede Lohse-Wächtler hatte in einer wirtschaftlich und partnerschaftlich schwierigen Situation einen Nervenzusammenbruch erlitten, 1932 wurde eine Schizophrenie diagnostiziert. Nach ihrer Scheidung im Jahr 1935 wurde sie als „unheilbar geisteskrank“ entmündigt.

Elfriede Lohse-Wächtler (Foto: SWR, Eberhard Reuß, genehmigt durch Sammlung Prinzhorn, Heidelberg)
Die Künstlerin Elfriede Lohse-Wächtler wurde 1899 in Dresden geboren. Sie hatte unter anderem Verbindungen zur Dresdner Sezession Gruppe 1919. Eberhard Reuß, genehmigt durch Sammlung Prinzhorn, Heidelberg Bild in Detailansicht öffnen
Nach einem Nervenzusammenbruch 1929 wurde sie in eine psychatrische Heilanstalt in Hamburg-Friedrichsberg eingewiesen. Dort entstanden 60 Zeichnungen, die Friedrichsberger Köpfe“, ua. Porträts ihrer Mitpatient*innen. Eberhard Reuß, genehmigt durch Sammlung Prinzhorn, Heidelberg Bild in Detailansicht öffnen
Nach ihrer Entlassung erlebte Elfriede Lohse-Wächtler eine kreative Schaffensphase, wirtschaftliche Schwierigkeiten machten ihr jedoch nach wie vor zu schaffen. Eberhard Reuß, genehmigt durch Sammlung Prinzhorn, Heidelberg Bild in Detailansicht öffnen
1932 wurde sie erneut in eine Heilanstalt eingeliefert, in Arnsdorf bei Dresden. Dort zeichnete sie bis 1935 weiter. Eberhard Reuß, genehmigt durch Sammlung Prinzhorn, Heidelberg Bild in Detailansicht öffnen
Im Rahmen des Eugenik- und Euthanasieprogrammes der Nationalsozialisten musste Elfriede Lohse Wächtler Entmündigung und Zwangssterilisation erleiden, 1940 wurde sie in der T4-Aktion ermordet. Eberhard Reuß, genehmigt durch Sammlung Prinzhorn, Heidelberg Bild in Detailansicht öffnen

Wertvolle Ergänzung der Sammlung Prinzhorn

Zum ersten Mal hat das Heidelberger Museum damit den Nachlass einer Frau erworben, die als ausgebildete, anerkannte Künstlerin in der Psychiatrie landete.

Die Sammlung Prinzhorn besitzt die weltweit berühmtesten Kunstwerke, die von Psychiatriepatient*innen geschaffen worden sind, mehr als 90.000 Bilder und Zeichnungen.

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